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Mehr Flexibilität und Augenmaß gefordert

Geschäftsführer von GZW und Kerckhoff-Klinik warnen vor gravierenden Konsequenzen der geplanten Krankenhaus-Reform

 

Dr. Dirk M. Fellermann

Matthias Müller

Bad Nauheim (HR). Werden die Reformpläne von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach unverändert durchgesetzt, bedeutet das nach Ansicht der Geschäftsführer des regionalen Krankenhausverbundes Gesundheitszentrum Wetterau gGmbH und der Kerckhoff-Klinik GmbH, Dr. Dirk M. Fellermann und Matthias Müller, „sehr tiefe Eingriffe in die Krankenhauslandschaft“ mit gravierenden  Konsequenzen für die wohnortnahe Patientenversorgung. In einem Schreiben an das hessische Sozialministerium empfehlen die beiden Praktiker die vernetzte stationäre Versorgungsstruktur der Wetterau als „Blaupause“ für andere Regionen und fordern das Eintreten des hessischen Sozialministers für mehr Flexibilität bei der Umsetzung der Reform.

Eine von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) beauftragte Auswirkungsanalyse kommt laut Dr. Fellermann und Müller zu dem Ergebnis, dass bei starrer Umsetzung der Reform von den aktuell vorhandenen 1700 Krankenhausstandorten in Deutschland 630 entweder dem niedrigsten Level 1i zugeordnet würden und damit ihre stationäre Versorgung verlören oder gar keinem Level zugeordnet würden. Dies betreffe auch Fachkliniken wie die Kerckhoff-Klinik, die aufgrund ihrer Spezialisierung auf Herz-, Lungen-, Gefäß- und Rheumaerkrankungen zwar hervorragende Medizin anbiete, aber nicht das breite Spektrum an medizinischen Leistungen aufweise, wie es im Reformentwurf als unabdingbar für eine Einstufung als Level-2-Haus (Vollversorger wie das GZW-Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim) definiert werde.

Wie weitreichend die Konsequenzen seien, wenn die Kriterien des Reformentwurfs streng angewendet würden, zeige sich laut Auswirkungsanalyse bei der Verschiebung potentieller Patientenströme. „Künftig soll es neben den Universitätskliniken (die als Level 3 eingestuft werden) bundesweit nur 80 Krankenhäuser des Levels 2 geben, die dann auch über ein Integriertes Notfallzentrum (INZ), die neue Form der Notaufnahme, verfügen. Nicht einmal in jedem Landkreis gibt es ein solches Haus. Eine wesentliche Forderung der DKG lautet deshalb, dass in jeder Region jeweils ein Haus der drei Level vorgehalten werden sollte“, so die beiden Geschäftsführer.

Wie durch eine Kooperation von Häusern unterschiedlicher Level und Schwerpunktsetzungen regional und wohnortnah eine hochwertige stationäre medizinische Versorgung erreicht werden kann, ohne dass nebeneinander bestehende Angebote sich gegenseitig Konkurrenz machen oder zu unnötigen Untersuchungen oder Operationen führen, kann man nach ihrer Ansicht am Beispiel der Wetterau erkennen. Hier sei die Abstimmung zwischen Kliniken und anderen Akteuren im Gesundheitssektor sehr gut. Die beiden großen Klinikträger Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) und Kerckhoff-Klinik verfügten über Schwerpunkte, die über den Landkreis hinaus strahlten.

Mit der Kombination aus Geburtshilfe und Stroke Unit, die nach Fertigstellung des Neubaus in Bad Nauheim auch unter einem Dach zu finden sein werden, erfülle das GZW ein wesentliches Kriterium für ein Level 2-Haus. „Wir empfehlen die vernetzte stationäre Versorgungsstruktur der Wetterau als ‚Blaupause‘ für andere Regionen und fordern den hessischen Sozialminister auf, sich im Bund nachdrücklich dafür einzusetzen, dass die Reform grundsätzlich flexibler angelegt wird und bei ihrer Umsetzung in stärkerer Fokus auf Augenmaß und Sachgerechtigkeit gelegt wird“, erklären Dr. Fellermann und Müller abschließend. Das Schreiben an das Sozialministerium haben auch der Ärztliche Direktor des GZW, Prof. Dr. Dr. Friedrich Grimminger, und der Ärztliche Geschäftsführer der Kerckhoff-Klinik, Prof. Dr. H. Ardeschir Ghofrani, unterzeichnet.