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Hebammen-Kreißsaal

Sie sind gesund und haben einen unkomplizierten Schwangerschaftsverlauf? Sie wünschen sich eine Geburt aus eigener Kraft ohne Medikamente oder andere medizinische Interventionen? Sie könnten sich eine Hausgeburt für sich gut vorstellen, schätzen aber auch die Sicherheit jederzeit verfügbarer ärztlicher Unterstützung?
Dann ist die Betreuung in unserem Hebammengeleiteten Kreißsaal möglicherweise eine Alternative für Sie.

Ergänzend zu dem in einem Krankenhaus üblichen ärztlich geleiteten Versorgungskonzept arbeiten im Hebammen-Kreißsaal die Hebammen eigenverantwortlich und selbstständig. Sie betreuen gesunde Frauen in der Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett. Dabei bestehen beide Konzepte nebeneinander, ohne in Konkurrenz zueinander zu stehen. Vielmehr stellt der Hebammen-Kreißsaal eine Erweiterung des geburtshilflichen Angebots dar. Hebammen und Ärzte arbeiten eng zusammen, so dass im Falle einer Komplikation während oder nach der Geburt eine Weiterleitung der Schwangeren oder des Kindes jederzeit und ohne zeitliche Verzögerung stattfinden kann. Hierbei ist kein Wechsel von Ort oder Bezugsperson erforderlich.

Die Voraussetzung zur Betreuung im Modell des Hebammen-Kreißsaals ist eine unauffällige Schwangerschafts- Entwicklung. Sie und Ihr Kind sollten gesund sein. Wenn Sie sich eine Geburt ohne Interventionen und Medikamente gut vorstellen können, bieten wir Ihnen zwei Vorgespräche in der Schwangerschaft an. Diese sollten in der 28. und in der 36. Schwangerschaftswoche stattfinden. Wir werden mit Ihnen und gerne auch Ihrem Partner ausführlich darüber sprechen, was es bedeutet, natürlich und ohne Medikamente zu gebären und wo die Chancen und Grenzen des Hebammen-Kreißsaals liegen. Es besteht ausreichend Zeit, Ihre Wünsche und Vorstellungen für die Geburt zu besprechen und eine Untersuchung durchzuführen.

Die Vorgespräche dienen auch dem Vertrauensaufbau; Sie lernen uns und unsere Arbeitsweise kennen, wir lernen Sie und Ihre Sichtweise kennen und verstehen. Durch die Dokumentation aller Befunde und Gesprächsergebnisse werden alle bei der Geburt anwesenden Betreuungspersonen auf Ihre individuelle Situation hingewiesen und können sich entsprechend verhalten – selbst bei einer erforderlichen Weiterleitung in die ärztliche Betreuung.

Wichtig dabei ist, dass die Betreuung von Mutter und Kind im Hebammen-Kreißsaal keinen anderen Standards und Richtlinien folgt als im ärztlich geleiteten Kreißsaal. Wir orientieren unser Handeln in allen Geburtsbegleitungen grundsätzlich an den Wünschen der werdenden Mutter sowie den aktuellen wissenschaftlichen Richtlinien und internationalen Standards. Eine 1:1-Betreuung, das Auspulsieren der Nabelschnur oder auch ein spätes Abnabeln (gegebenenfalls auch erst nach der Plazentageburt) ist uns im Hebammengeleiteten Kreißsaal genauso wichtig wie im ärztlich geleiteten Kreißsaal.

Medizinische Interventionen sind in manchen Situationen erforderlich. Diese bereiten wir (bei ausreichend verfügbarer Zeit) in einem Gespräch mit Ihnen vor, erläutern Ihnen die Situation und holen Ihr Einverständnis ein. Im Hebammengeleiteten Kreißsaal erfolgt in solchen Situationen dann eine formelle Überleitung in den ärztlich geleiteten Kreißsaal, ohne dass Sie jedoch betreuende Hebamme oder Räumlichkeiten wechseln müssten.