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Dienstag 17. Januar 2017 Alter: 5 yrs
Kategorie: News

„Eine möglichst exakte Diagnose ist unerlässlich“


Referent Dr. Fritz

Schmerztherapeut Dr. Thorsten Fritz stellt in der Sonntagsvorlesung das Krankheitsbild der Fibromyalgie vor

(HR) Friedberg. Die Fibromyalgie, eine trotz ihrer Häufigkeit noch weitgehend unerforschte Erkrankung, stand auf dem Themenplan der ersten Sonntagsvorlesung 2017. Referent Dr. med. Thorsten Fritz, Chefarzt der Klinik für Spezielle Schmerztherapie am GZW, stellte das Krankheitsbild sowie unterschiedliche  therapeutische Ansätze zur Linderung der Beschwerden vor. Besonderen Wert legte er dabei auf die Notwendigkeit, eine möglichst exakte Diagnose zu stellen, auch wenn dies manchmal eine größere Anzahl von Untersuchungen erfordere.

Schmerzen an drei verschiedenen Regionen des Körpers ohne Erklärung durch eine andere Diagnose, dazu Müdigkeit (körperlich und/oder geistig), Schlafstörungen und/oder nicht-erholsamer Schlaf sowie Schwellungs- und/oder Steifigkeitsgefühl in Händen, Füßen, Gesicht…   so definiert die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften das Krankheitsbild der  Fibromyalgie, die zwar seit Mitte der 1970er Jahre als eigenständige Krankheit benannt wird, über die man aber noch sehr wenig weiß. Ursachen können sein genetische und biologische Faktoren (vor allem Frauen sind betroffen), Lebensstilfaktoren (Rauchen, Übergewicht, mangelnde körperliche Aktivität), mechanische Faktoren (Zwangshaltung bei der Arbeit, monotone Arbeit) und Umgebungsfaktoren (Heimunterbringung, früher Tod der Mutter, Misshandlung und oder sexueller Missbrauch, Stress am Arbeitsplatz). 

Gesichert ist nach den Ausführungen von Dr. Fritz, dass bei an Fibromyalgie leidenden Menschen die Mechanismen, die üblicherweise Schmerzen lokal und zeitlich begrenzen, ebenso gestört sind wie die zentrale Verarbeitung des Schmerzempfindens und teilweise die Abläufe innerhalb der Muskulatur. Die Diagnose der Erkrankung ist dementsprechend kompliziert: „Fibromyalgie ist eine Ausschlussdiagnose; sie wird allein aus der Anamnese und dem klinischen Befund gestellt, weil es keine typischen Laborparameter oder Röntgenbefunde gibt“, betonte der Schmerztherapeut.

Neben chronischen Schmerzen in unterschiedlichen und an der Zahl zunehmenden Körperregionen sehen sich Patienten mit einer Vielzahl weiterer Symptome konfrontiert, von Schlafstörungen, Angst und Depression über Erkältungsgefühl, Magen-Darm-Beschwerden und trockene Augen / trockenen Mund bis hin zu Schwellneigungen der Finger, Kiefergelenksschmerzen, Reizblase und kalten Händen und Füßen. 

Der Komplexität des Krankheitsbildes entspricht die Flexibilität in der Anwendung und Kombination therapeutischer Methoden. Zur ambulanten Basistherapie zählen Patientenschulung, Aerobes Ausdauertraining, Antidepressiva und die Behandlung zusätzlicher Erkrankungen. Wenn dies nach sechs Monaten keinen Erfolg zeigt und die Alltagsfunktionen weiterhin maßgeblich beeinträchtigt sind, ist nach Dr. Fritz’ Worten eine multimodale Therapie angezeigt, die je nach der individuellen Situation des Patienten ambulant, teilstationär oder stationär vorgenommen wird und unter anderem auch Nervenblockaden einschließen kann. Für eine folgende Langzeitbetreuung kommen neben der Erprobung unterschiedlicher Antidepressiva und Schmerzmittel auch bestimmte Entspannungstechniken, Achtsamkeitstraining, Imaginationsverfahren, Psychotherapie und verschiedene physikalische Verfahren in Frage.