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Dienstag 31. Januar 2017 Alter: 4 yrs
Kategorie: News

Psychiatrische Tagesklinik öffnet zum 1. April


Noch steht das Baugerüst am ehemaligen Woolworth-Gebäude. Am 1. April wird im 1. Stock die 20 Plätze bietende psychiatrische Tagesklinik Bad Vilbel ihre Pforten öffnen.

Neue Bad Vilbeler Außenstelle der Klinik für Psychiatrie in Friedberg verbessert psychiatrische Versorgung in der südlichen Wetterau

Friedberg/Bad Vilbel (HR). Die wohnortnahe medizinische Versorgung ist ein Credo der bundesdeutschen Gesundheitspolitik: Erkrankte Menschen sollen kurze Wege zu den Einrichtungen haben, in denen sie Hilfe erhalten können. Dass dies auch in der psychiatrischen Versorgung gilt, ist längst Konsens. 2003 wurde – seinerzeit noch unter der Trägerschaft des Wetteraukreises – in Friedberg die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie eröffnet mit insgesamt 100 Behandlungsplätzen, darunter einer Tagesklinik, sowie einer Institutsambulanz. 2012 erfolgte die Erweiterung nach Osten, mit der Inbetriebnahme der 20 Plätze bietenden psychiatrischen Tagesklinik im Niddaer Stadtteil Bad Salzhausen. Für 1. April 2017 ist der nächste Schritt vorbereitet: die Einweihung einer ebenfalls 20 Plätze umfassenden psychiatrischen Tagesklinik mit Institutsambulanz in Bad Vilbel. Ziel tagesklinischer Behandlungskonzepte ist es, psychiatrisch erkrankten Menschen einen Übergangsraum anzubieten zwischen ambulanter Psychotherapie und vollstationärer Behandlung.

„Wir wollen auch hier, im Süden unseres Versorgungsgebiets, eine Lücke in der Betreuung psychiatrisch kranker Menschen schließen“, betonte Dr. Dirk M. Fellermann, Geschäftsführer des regionalen  Krankenhausverbunds GZW (Gesundheitszentrum Wetterau). Er dankte der Stadt Bad Vilbel und explizit Ehrenstadtrat und Stadtwerke-Chef Klaus Minkel für die gute Kooperation während der Planungszeit.

Ihren Platz finden wird die psychiatrische Tagesklinik im 1. Stock des ehemaligen Woolworth-Gebäudes, der in den vergangenen Monaten von der Stadt in enger Abstimmung mit dem GZW als künftigem Mieter entsprechend hergerichtet wurde. Unter anderem wurden zahlreiche Fenster eingebaut und die Decke durchbrochen, um über einen Lichthof zusätzliches Licht in die Räume gelangen zu lassen. Außerdem wurden die technischen Gewerke überarbeitet bzw. erneuert. Das gesamte Gebäude wurde wämegedämmt und erhielt eine neue Fassade.

Bereits seit ihrer Eröffnung 2003 arbeitet die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Friedberg nach einem in der gesamten Region einzigartigen offenen Konzept. „Unser Verständnis von psychisch erkrankten Menschen ist psychodynamisch geprägt; wir nehmen den psychisch erkrankten Menschen in seiner Gesamtheit, mit seinen Nöten und Ressourcen wahr, wertschätzender Umgang und kritische Selbstreflexion sind für uns selbstverständlich“, erläuterte Chefarzt Dr. med. Michael Putzke.

Um die Qualität der Versorgung psychisch erkrankter Menschen weiter zu verbessern, startete an der Klinik für Psychiatrie in enger Kooperation mit den gesetzlichen und privaten Krankenkassen am 1. Januar 2016 ein auf acht Jahre angelegtes Modellprojekt. Es verzichtet auf die sonst übliche enge (auch budgetwirksame) Abgrenzung zwischen stationärer, tagesklinischer und ambulanter Behandlung zugunsten eines Gesamtbudgets. So können seither die Übergänge zwischen den einzelnen Behandlungssequenzen deutlich flexibler und den aktuellen Bedürfnissen des Patenten angepasster gestaltet werden. „Es geht darum, Patienten einen oftmals belastenden stationären Krankenhausaufenthalt verkürzen zu helfen, gleichzeitig aber auch intensive psychiatrische und psychotherapeutische Angebote machen zu können“, so Dr. Putzke. Stationäre Behandlung werde zugunsten ambulanter, zum Teil auch aufsuchender Behandlung reduziert; die aufsuchende Behandlung bildet das vierte Element neben der stationären, tagesklinischen und ambulanten Therapie. Für den Patienten hat das neue Konzept laut Dr. Putzke den Vorteil, dass die Behandlung bedürfnisorientiert ausgerichtet werde bei gleichzeitiger Förderung der sozialen Bezüge und der Möglichkeit zum Verbleib im vertrauten Umfeld.

Von den innovativen Konzepten der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Friedberg werden ab April auch die Patienten der psychiatrischen Tagesklinik in Bad Vilbel profitieren. Es wird in Bad Vilbel zunächst keinen medizinischen Schwerpunkt geben, die vorhandenen 20 Plätze der Tagesklinik werden damit Patienten mit all den Krankheitsbildern zur Verfügung stehen, die auch in der Klinik für Psychiatrie in Friedberg therapiert werden. Dort gibt es vier Stationen mit den jeweiligen Behandlungsschwerpunkten Depression, Soteria, Gerontopsychiatrie und Sucht.