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Montag 13. März 2017 Alter: 6 yrs
Kategorie: News

Update zur Entwicklung der Schmerztherapie


Bewährtes Referententeam der „Nerv und Schmerz“-Fortbildung in der Akademie am GZW (von links): Dr. med. Thorsten Fritz, Priv.-Doz. Dr. med. Marlene Tschernatsch, Prof. Dr. Tibo Gerriets und Matthias Deller.

Spinal Cord Stimulation: Erfolgreiche Therapie zur Schmerzbehandlung wird seit 2016 im Bürgerhospital angeboten

Bad Nauheim (HR). Sie hat inzwischen bereits Tradition: Die jährliche Fortbildungsveranstaltung „Nerv und Schmerz“ der „Akademie am GZW“, zu welcher das bewährte Referententeam des Gesundheitszentrums Wetterau aus Neurologen und schmerztherapeutisch tätigen Anästhesiologen in Raum Wetterau des Wolfgang-Potinius-Facharzt- und Servicezentrums am Hochwaldkrankenhaus eingeladen hatte. 50 Ärztinnen und Ärzte aus der Region erfuhren dort einiges über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Schmerzbehandlung.

Zunächst referierte der Neurologe und Intensivmediziner Prof. Dr. Tibo Gerriets (Bürgerhospital Friedberg) über die Zusammenhänge von Depressionen und Schmerzen. Depressionen, so Gerriets, seien sehr häufig –  jeder Siebente erkranke mindestens einmal in seinem Leben daran –,  würden aber viel zu oft nicht oder nur spät diagnostiziert. Dies sei besonders bei Schmerzpatienten tragisch, denn deren Schmerzen würden oft durch die Depression verstärkt oder sogar ausgelöst.

Versuche, den Schmerz nur medikamentös zu betäuben, ohne die Depression mitzubehandeln, führten meistens nicht zum Erfolg. Depressionen werden laut Prof. Gerriets in Deutschland zumeist von den Hausärzten erkannt und behandelt. Nur die schwer betroffenen Patienten würden – meistens erst spät – dem Psychiater vorgestellt. Prof. Gerriets stellte daher alltagstaugliche Verfahren zur Erkennung depressiver Erkrankungen in der Hausarztpraxis vor und besprach den neuesten Stand der medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungsstrategien.

Privatdozentin Dr. Marlene Tschernatsch (Neurologische Praxis des MVZ am Hochwald) und Chefarzt Dr. Thorsten Fritz (Klinik für Spezielle Schmerztherapie und Palliativmedizin am Hochwaldkrankenhaus) widmeten sich dem Schwerpunktthema „Morbus Sudeck“. Diese auch „komplex regionales Schmerzsyndrom“ (Complex regional pain syndrome = CRPS) genannte Erkrankung trete häufig nach Knochenbrüchen oder gar Bagatellverletzungen auf und führe durch schwerste, chronische Schmerzen der betroffenen Extremität, mit Störung der Durchblutung und Knochenschwund, oft zu einer lebenslangen Behinderung.

Mittlerweile, so Dr. Tschernatsch, verstehe man diese rätselhafte Erkrankung besser. Während man früher von einer Nervenschädigung (oder gar von seelischen Ursachen) ausgegangen sei, wisse man heute, dass Autoimmunvorgänge sowie Umbauvorgänge im Gehirn als auslösende Faktoren verantwortlich seien. Besonders die Entdeckung von Autoantikörpern – eine Erkenntnis der von Dr. Tschernatsch gemeinsam mit einem Kollegen geleiteten Arbeitsgruppe der Universität Gießen – habe das Fenster für ganz neue und wesentlich effektivere Therapieformen aufgestoßen.

Dr. Fritz präsentierte die Möglichkeiten der zusätzlichen schmerztherapeutischen Blockaden des sympathischen Nervensystems. Diese stellten wertvolle Therapiemöglichkeiten nicht nur beim chronisch regionalen Schmerzsyndrom dar und würden in der Klinik für Spezielle  Schmerztherapie und Palliativmedizin am GZW mit großem Erfolg angeboten.

Matthias Deller (Zentrum für Schmerztherapie Butzbach) stellte eine Möglichkeit vor, das CRPS und andere schwerste Schmerzsyndrome zu behandeln, falls die konservativen Behandlungsmethoden nicht zum Erfolg führen. Bei der so genannten Spinal Cord Stimulation wird über Elektroden, die in der Nähe der Rückenmarksnerven liegen, ein Strom appliziert, der die Schmerzweiterleitung unterdrückt. Dank der neuen Hochfrequenztechnik spüre der Patient dabei keine Missempfindungen oder Ähnliches. Nach einer Probeimplantation der Elektroden werde überprüft, inwieweit die Schmerzen reduziert würden; bei positivem Ergebnis werde ein ständiger Generator implantiert. Die Schmerzreduktion gelinge bei einem positiven Prüfungsergebnis zu 80 Prozent, zog Deller ein Fazit der Anwendung dieser Methode auf der Dependance der GZW-Schmerzstation im Bürgerhospital Friedberg.