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Donnerstag 06. September 2018 Alter: 18 days

Freie Fahrt für Diabetiker

Aktive Teilnahme am Straßenverkehr ist nach der neuen europäischen Leitlinie kein Problem – Mittelhessischer Diabetestag 2018 in der Trinkkuranlage


Bürgermeister Klaus Kreß (links) am GZW-Stand des Mittelhessischen Diabetestages mit Chefarzt Dr. med. Michael Eckhard (Mitte) und GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann.

Dank für das Organisationsteam

Bad Nauheim (HR). Gute Nachrichten für Diabetiker: Die weit verbreitete Stoffwechselerkrankung bedeutet nicht mehr zwangsläufig eine Einschränkung der Eignung, im Pkw am Straßenverkehr teilzunehmen, wie Dr. Friedhelm Petry anlässlich des Mittelhessischen Diabetestages in der Trinkkuranlage Bad Nauheim berichtete. Ausgerichtet wurde die bereits 16. Veranstaltung dieser Art von der Hessischen Diabetesgesellschaft e.V. als Kooperationsprojekt des Universitären Diabeteszentrums Mittelhessen am UKGM Gießen und der GZW Diabetes-Klinik Bad Nauheim, und zwar erstmals in der badestädtischen Trinkkuranlage.

Bürgermeister Klaus Kreß sowie GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann hoben in ihren Grußworten unterschiedliche Aspekte der Folgen hervor, die eine Diabeteserkrankung mit sich bringt. „Man lernt, mit der Krankheit zu leben“, zitierte Kreß eine Betroffene. Für Bad Nauheim stelle die GZW Diabetes-Klinik, die in diesem Jahr 40 Jahre bestehe, eine Spezialeinrichtung dar, die das Profil der Gesundheitsstadt weiter schärfe. Dr. Fellermann richtete seinen Blick auf die volkswirtschaftlichen Folgen, die mit 6,7 Millionen Erkrankten und jährlichen Ausgaben von 35 Milliarden Euro – davon 80 Prozent verursacht durch Begleiterkrankungen infolge unzureichender Therapie – erheblich seien. Hier setzten die Disease Management Programme der Krankenkassen ein, in die inzwischen mehr als vier Millionen Betroffene eingeschrieben seien. Mit den stationären und ambulanten Angeboten in der GZW Diabetes-Klinik sowie im Diabeteszentrum Mittelhessen mit der diabetologischen Schwerpunktpraxis am Hochwaldkrankenhaus sei das GZW für die umfassende Behandlung des Diabetes mellitus bestens gerüstet.

Entgegen früheren Bestimmungen erlaube die neue europäische Leitlinie „freie Fahrt für fast alle Diabetiker“, leitete Dr. Friedhelm Petry seinen Vortrag über „Diabetes im Straßenverkehr“ ein. Menschen mit Diabetes dürften nicht nur einen Privat-PKW fahren, sondern auch beruflich als Busfahrer, im Lastwagen oder Taxi unterwegs sein. Es gebe nur wenige Ausnahmen, da „nach allen verfügbaren Untersuchungen die Unfallhäufigkeit bei Menschen mit Diabetes nur unwesentlich erhöht ist“, berichtete Dr. Petry, Mitautor der Leitlinie.

Zum Thema Fluch und Segen neuer Messtechniken gab es in zwei Beträgen ganz praktische Tipps und Tricks. Wer fünf-  oder mehrmals täglich seine Zuckerwerte kontrollieren muss, erfuhr, dass er auf ein unblutiges Messen des Gewebezuckers mittels eines sogenannten Flash-Glukose-Monitoring (FGM) umstellen könnte. Wie die Werte zu interpretieren sind und wie Mann und Frau nicht nur das blutige Messen vermeiden, sondern von Mehrinformationen profitieren können, zeigten Dr. Jutta Liersch und Dr. Britta Fischer anhand von konkreten Fallbeispielen. Welchen zusätzlichen Nutzen ein realtime Glukose-Messsystem (rtCGMS) bietet, wussten Diabetesberaterin Elke Magold und Dr. Isabel Martin anschaulich zu erklären.

„Hellseher bin ich nicht“, stellte Dr. Michael Eckhard gleich zu Beginn seines spannenden Vortrags  "Diabetesbehandlung 2025“  klar. Auch 2025 werde Diabetes noch nicht im eigentlichen Sinn geheilt  sein. Er hoffe aber darauf, so Eckhard, dass in sieben Jahren die Dunkelziffer von zwei Millionen unerkannten Diabeteserkrankungen zumindest stark gesenkt sei, möglichst alle Betroffenen von Anbeginn an die bestmögliche Schulung und Therapie erhielten und Folgeerkrankungen so weitgehend vermieden werden könnten. Angesichts des rasanten Fortschritts in Wissenschaft und Technik sei zu hoffen, dass bis 2025  dank heute erhobener Daten und Alltagserprobungen ausreichend verlässliche Algorithmen entwickelt würden, um sehr viele Diabetiker mit einem so genannten "cloosed loop“ versorgen zu können – der Schließung des Kreises zwischen kontinuierlichen Glukosemessungen einerseits und einer bedarfsgesteuerten Medikamentengabe andererseits.

Was jeder Einzelne zu einer Balance der verschiedenen persönlichen Werte und damit zu einer erfolgreichen Gesunderhaltung beitragen kann, erfuhren die Teilnehmer von Gesundheitscoach Markus Lotz. Wie insgesamt in allen Bereichen des Lebens, gelte es auch für ein erfolgreiches Diabetes-Selbst-Management, die konkurrierenden Wertvorstellungen in einer positiven Spannung zu halten und ein Abtriften in extreme Haltungen und Vorstellungen zu vermeiden.