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Montag 08. Oktober 2018 Alter: 9 days

Politikerinnen sichern Hilfe für Stroke Unit zu

Expertengespräch im GZW zum Erhalt der Schlaganfallstation im Bürgerhospital Friedberg gibt Anlass zu Optimismus


Informierten über die aktuelle Situation der Stroke Unit (von links): Prof. Dr. med. Tibo Gerriets, Dr. Dirk M. Fellermann und Dr. Reinhold Merbs.

Friedberg (HR). Spezialisierte Schlaganfalleinheiten (Stroke Units) wurden in den vergangenen Jahren bundesweit flächendeckend (und 2011 am Bürgerhospital Friedberg) eingerichtet, um die möglichst sofortige Versorgung von Akutpatienten zu optimieren. Seither sank das Risiko, durch einen Schlaganfall schwere Behinderungen zu erleiden oder daran zu sterben, statistisch um 31 Prozent. Die Folgen eines im Juni 2018 ergangenen Sozialgerichtsurteils drohen nun, diese bewährten Strukturen zu zerschlagen. In einem vom GZW organisierten Expertengespräch sicherten die Bundestagsabgeordneten Bettina Müller (SPD) und Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen) GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann und dem Leiter des Wetterauer Rettungsdienstes, Dr. med. Reinhold Merbs, ihre Unterstützung dafür zu, die politischen Rahmenbedingungen für den Erhalt der regionalen Stroke Units zu schaffen.

Krankenhäuser erhielten bisher eine gesonderte Vergu?tung, um die in der spezialisierten Schlaganfallversorgung erforderliche engmaschige diagnostische und therapeutische Betreuung der Patienten zu finanzieren. Dazu waren zahlreiche Bedingungen zu erfüllen. Eine der Vorgaben betrifft die Zeit zwischen Rettungstransportbeginn und Rettungstransportende vor, also die Fahrzeit des Rettungswagens oder die Flugzeit des Rettungshubschraubers. Das Bundessozialgericht urteilte am 19. Juni 2018, dass diese Frist bereits mit der Entscheidung des behandelnden Arztes zur Verlegung in eine Neurochirurgie zu laufen beginne und mit der Übergabe des Patienten an die behandelnden Ärzte der Neurochirurgie ende.

„Die Umsetzung dieser Urteile wirkt sich schon nach wenigen Wochen dramatisch auf die Schlaganfallversorgung in Hessen aus“, betonte GZW-Geschäftsführer Dr. Fellermann. In der Praxis führe die Fristsetzung dazu, dass die Komplexbehandlung des Schlaganfalls nur noch den Kliniken angemessen vergütet werde, die selbst u?ber eine neurochirurgische Abteilung verfu?gten. Anderen Kliniken werde die gesonderte Vergütung gestrichen, was Stroke Units unwirtschaftlich mache. Allein für die Stroke Unit am Bürgerhospital Friedberg beliefe sich das daraus resultierende Defizit auf 750.000 Euro pro Jahr. Dies könne sich kein Krankenhaus auf Dauer leisten. Damit könnte sich die Zahl der bundesweit verfügbaren Stroke Units von 320 auf nur noch 50 reduzieren.

„Das Sozialgericht wollte die Situation für die Patienten verbessern, hat aber leider das Gegenteil erreicht“, betonte der Chefarzt der Stroke Unit am Bürgerhospital Friedberg, Prof. Dr. med. Tibo Gerriets. Als Folge des Urteils würden Schlaganfallpatienten vor einer schnellen Diagnose und Behandlung künftig lange Wege durch die Republik fahren mu?ssen, obwohl nicht einmal fünf (!) Prozent der Schlaganfallpatienten überhaupt aus einer regionalen Stroke Unit in eine neuro- oder gefäßchirurgische Klinik verlegt werden müssten. Die Folge des BSG-Urteil widerspreche deutlich dem Grundsatz der Schlaganfallversorgung: „Time is Brain!“

Bei den Bundestagsabgeordneten Bettina Müller (SPD) und Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen), beide Mitglieder im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, trafen die Ausführungen von Dr. Fellermann, Prof. Gerriets und Dr. Merbs auf offene Ohren.

Schulz-Asche berichtete von einer im August gestellten Anfrage der Grünen im Deutschen Bundestag zu diesem Thema. Beide Politikerinnen haben auch bereits zahlreiche Briefe aus Krankenhäusern, von Interessenverbänden der Krankenhäuser sowie von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie erhalten, wie Bettina Müller betonte. Sie wollen sich nun dafür einsetzen, dass die Zahlung der gesonderten Vergütung auch an regionale Stroke Units möglich bleibt, um die flächendeckende wohnortnahe Akutbehandlung von Schlaganfallpatienten weiterhin sicherzustellen.