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Donnerstag 06. Dezember 2018 Alter: 5 days

Die Bremsen des Immunsystems lösen

Übergabe des Medizin-Nobelpreises wirft ein Schlaglicht auf modernste Therapien in der Behandlung von Krebspatienten


Dr. med. Johannes Atta, Sektionsleiter Hämatologie und Infektiologie im GZW, setzt seit 1. Oktober 2018 seine Kenntnisse modernster Therapien in der Behandlung von Krebspatienten am Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim ein.

Bad Nauheim (HR). Wenn am kommenden Montag in Stockholm die beiden Wissenschaftler James Allison (USA) und Tasuku Honjo (Japan) in Stockholm den Nobelpreis für Medizin entgegennehmen, dürfte sich auch Dr. Johannes Atta, Sektionsleiter Hämatologie und Infektiologie im GZW, über diese Auszeichnung seines Fachgebiets freuen. Seit 1. Oktober 2018 setzt er seine Kenntnisse modernster Therapien in der Behandlung von Krebspatienten am Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim ein.

Die von Allison und Honjo unabhängig voneinander erforschten und entwickelten „Checkpoint-Inhibitoren“ sind eine der schärfsten Waffen im Kampf gegen den Krebs geworden. Sie haben die Möglichkeit zur Implementierung einer sehr wirksamen Form der Immuntherapie eröffnet und damit die Krebstherapie revolutioniert. „Aktuell werden Checkpoint-Inhibitoren bereits eingesetzt gegen Schwarzen Hautkrebs sowie bestimmte Formen von Nieren- und Lungenkrebs, weitere Wirkungsfelder werden erprobt“, erläuterte Dr. Atta.

Schön früh hatte Johannes Atta sein besonderes Interesse für die Behandlung von Krebserkrankungen und Infektionen entdeckt. Im Anschluss an seine Ernennung zum Facharzt für Innere Medizin erwarb er die Zusatzbezeichnungen Hämatologie und Onkologie sowie Infektiologie. Nach langjähriger Tätigkeit als Oberarzt an der Universitätsklinik Frankfurt leitete er seit Ende 2016 das Tumortherapie-Center im Institut für Bildgebende Diagnostik in Offenbach sowie die dort unter seiner klinischen Leitung aufgebaute Einheit zur Herstellung und Anwendung von mesenchymalen Stammzellen (MSC) als regenerative Therapie chronisch degenerativer Erkrankungen. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) sowie der American Society of Clinical Oncology (ASCO).

Mit der Immuntherapie können die Wissenschaftler endlich ein Hindernis überwinden, das die Bekämpfung von Krebserkrankungen lange Zeit besonders schwierig gemacht hat: Krebszellen verfügen über unterschiedliche Mechanismen, um die Immunabwehr zu übertölpeln. Nun verfolgt die Forschung unterschiedliche Ansätze, um das „Austricksen“ des Immunsystems zu verhindern.

Besonders gut funktioniert dies unter anderem mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren. Dies sind spezielle Antikörper, die nicht direkt auf die Krebszellen wirken, sondern auf bestimmte Immunkontrollpunkte (Immun-Checkpoints), die wie „Bremsen“ des Immunsystems fungieren. Mit ihrer Hilfe werden im gesunden Körper allzu heftige Immunreaktionen verhindert, die das gesunde Gewebe schädigen würden. Manche Tumoren können durch auf ihrer Oberfläche angesiedelte Moleküle diese Bremsfunktion ebenfalls aktivieren und das Immunsystem damit lahmlegen. Immun-Checkpoint-Inhibitoren lösen diese Bremsen wieder, indem sie die  Oberflächenmoleküle der Krebszellen besetzen, diese damit blockieren und so deren Bekämpfung durch das körpereigene Immunsystem wieder möglich machen.
Nähere Informationen dazu finden sich auch auf der GZW-Homepage unter www.gesundheitszentrum-wetterau.de/1493/.