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Montag 18. Februar 2019 Alter: 31 days

Im Anfangsstadium hilft Gewichtsabnahme immens

Über aktuelle und künftige Diabetestherapien informierte Dr. med. Michael Eckhard in der Sonntagsvorlesung am GZW


Friedberg (HR). Diabetes ist eine Volkskrankheit. Etwa acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an Diabetes mellitus, rund 90 Prozent an Typ-2, etwa fünf Prozent an Typ-1. Hinsichtlich ihrer Diagnostik und Therapie gibt es immer wieder wichtige Neuigkeiten. Diese waren Themen der jüngsten Sonntagsvorlesung am GZW, in welcher Referent Dr. med. Michael Eckhard, Chefarzt der GZW-Diabetes-Klinik Bad Nauheim, die Chancen und Möglichkeiten der zeitgemäßen und leitliniengerechten Diabetesbehandlung erläuterte und diesbezüglich zugleich einen Ausblick in die mittelfristige Zukunft wagte. 

„Diabetes im Anfangsstadium macht meist keine Beschwerden!“, betonte Dr. Eckhard und skizzierte damit eines der gravierendsten Probleme der meisten Diabetespatienten: Weil zu Beginn der Erkrankung kaum Symptome verspürt werden, das gilt zumindest für die häufigste Form des Typ-2 Diabetes, sind bei Diagnosestellung bei jedem zweiten Patienten bereits Folgeerkrankungen zu konstatieren. „Lassen Sie Ihren Blutzucker regelmäßig kontrollieren, und zwar nicht nur den momentanen, sondern auch den Langzeitwert“, ermunterte er seine Zuhörer und richtete sich dabei an alle, die zwar noch keinen Diabetes, aber ein sehr hohes Risiko dafür hätten.

Mit der Diagnosestellung sollte möglichst umgehend ein Diabetologe konsultiert werden. Dort erhalte der Patient die bestmögliche Hilfe zur Selbsthilfe, die bestmögliche Motivation, eine zeitnahe strukturierte Schulung und eine am persönlichen Bedarf orientierte und optimierte Therapie. Diabetes sei nicht gleich Diabetes, so Dr. Eckhard weiter. Bei Erstmanifestation eines Diabetes im Erwachsenenalter sollte einmal zu Beginn eine klare Abklärung des Diabetes-Typs erfolgen. Daneben spielten Begleiterkrankungen, die familiäre Risikokonstellation und auch die persönliche Motivation und Bereitschaft zum Engagement eine gewichtige Rolle. Gemeinsam mit dem Patienten und orientiert an seinen speziellen Bedürfnissen werde ein individueller Therapieplan einschließlich Managementplan erstellt und unter fortlaufender Beobachtung des Therapiefortschritts evaluiert und angepasst. Die weitere Behandlung könne und solle dann gerne beim Hausarzt stattfinden.

Auf der Basis aktueller Studien berichtete Dr. Eckhard von einem hohen Wirkungsgrad einer Gewichtsabnahme vor allem in den ersten Jahren der Diabeteserkrankung. Statistisch hätten bis zu acht von zehn stark übergewichtigen Patienten die Chance, ihren Diabetes nochmals wieder los zu werden, wenn sie entsprechend wirksam an Gewicht abnähmen.
In Zukunft werde Diabetes immer gezielter auf den individuellen Bedarf des Einzelnen zugeschnitten werden. Dazu würden „smarte“ Insuline und Techniken entwickelt, kündigte der Referent an. Digitale Mess-Systeme mit modernster Sensortechnik werden vielen Patienten den Alltag erleichtern, könnten teilweise den Glukosewert selbstständig überwachen und längere Zeit im Zielbereich halten. Das werde die Versorgung von Menschen mit Diabetes aller Typen deutlich verbessern. In die Entwicklung künstlicher Intelligenz für den Gesundheitsmarkt werde im Jahr 2021 Schätzungen zu folge eine unglaubliche Summe von 6,6 Billionen Euro investiert werden, was einen Rückschluss erlaube auf die großen Erwartungen, die in diesem Bereich in moderne Technologien gesetzt würden.

Bis dahin, so Dr. Eckhard abschließend, gelte für alle Patienten mit Diabetes bzw. einem hohen Diabetes-Risiko die Empfehlung, frühzeitig Stoffwechselveränderungen zu erkennen, um so früh wie möglich und so wirksam wie nötig die erforderlichen Therapiemaßnahmen einleiten zu können. Allen tollen Entwicklungen zum Trotz werde aber wohl auch 2028 noch gelten, was für alle Menschen – mit und ohne Diabetes – wichtige Empfehlungen sind: „Achten Sie auf eine bewusste und ausgewogene Ernährung und seien Sie um einen aktiven Lebensstil bemüht“.