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Donnerstag 14. März 2019 Alter: 7 days

Notfalltraining für optimierte Abläufe

In der Geburtshilfe am Hochwaldkkrankenhaus wird viermal jährlich nach modernsten Kriterien Kooperation geprobt


Wenn die Herztöne des Ungeborenen plötzlich abfallen – auch dieses eine von mehreren Übungsszenarien meisterte das Trainingsteam souverän.

Bad Nauheim (HR). Die junge, gesunde Frau, im neunten Monat schwanger, liegt zu einer Routineuntersuchung am CTG-Gerät. Plötzlich fallen die Herztöne des Ungeborenen ab und erholen sich auf sämtliche getroffenen Maßnahmen hin nicht. Die hinzugezogene Ärztin entscheidet schnell: Not-Kaiserschnitt! Das Notfallteam wird alarmiert…

Im Notfall muss es schnell gehen. Dazu gehört, dass jeder Handgriff sitzt und jedes Teammitglied seine Aufgabe(n) genau kennt. „Fehler geschehen nicht aus Unwissen oder gar absichtlich. In bis zu 70 Prozent der Fälle werden sie verursacht durch Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit von Teammitgliedern, Kommunikationshürden oder mangelhafte organisatorische Abläufe“, beschreibt Dr. med. Anika Rifi das Problem.

Kooperationsfähigkeit auszubauen, die situative Aufmerksamkeit sowie die effektive und sichere Kommunikation im Team zu trainieren, außerdem Entscheidungsprozesse und Führungsverhalten zu überprüfen – das sind die Ziele des Notfalltrainings CRM (Crew Resource Managementtraining). Ursprünglich für die Luftfahrt entwickelt, wird es inzwischen auch in bestimmten Teilen des Gesundheitswesens eingesetzt. Am Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim bedient sich das Team der geburtshilflichen Abteilung dieser nach modernsten Kriterien ausgerichteten Methode, um Aufgabenteilung und Kommunikation im Krisenfall weiter zu optimieren.

Dr. Rifi, Oberärztin der Geburtshilfe am Hochwaldkrankenhaus, hat in den vergangenen Jahren die Übernahme des CRM in medizinische Bereiche genau verfolgt, auch die Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Simulation in der Medizin im Jahr 2017. Im ersten Schritt wurden die Trainingsinhalte und -ziele in die Bereiche der Notfallmedizin, Anästhesie und Notaufnahme übertragen – also in all jene Sparten, in denen lebensrettende Entscheidungen in Sekundenschnelle getroffen und umgesetzt werden müssen.

Kurse für Mediziner, die sich in diesem speziellen Training fortbilden möchten, bietet in Deutschland das Institut für Patientensicherheit in der Medizin (InPASS) an; besucht werden diese Kurse bislang hauptsächlich von Notfallmedizinern, Rettungssanitätern und Anästhesisten. Im vergangenen Jahr nutzten Dr Rifi und Leitende Hebamme Margit Gründer das Angebot und qualifizierten sich selbst zu CRM-Instruktoren.

„In der Geburtshilfe ist das betreuende Team für zwei Patienten verantwortlich – Mutter und Kind. Und in einigen Situationen sind bis zu sechs Fachdisziplinen an der Versorgung von Mutter und Kind beteiligt“, erläutert Dr. Rifi. An diesen Schnittstellen sei es essentiell, Kommunikation, Aufgabenverteilung und Führungsrollen exakt zu definieren und zu trainieren.

An den vier Schulungstagen pro Jahr nehmen deshalb Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Fachabteilungen teil. Dabei werden unterschiedliche geburtshilfliche Situationen mit Laien-Schauspielern simuliert. Anschließend bewerten alle Teammitglieder im offenen Dialog auf Augenhöhe den Ablauf nach den Kriterien des CRM, identifizieren Schwierigkeiten und entwickeln gemeinsam Optimierungsmöglichkeiten.

„Dieses Vorgehen wirkt einprägsamer und verhilft zu Lösungen, die im Krisenfall Bestand haben. In einem solchen Setting sind Fehler erlaubt, weil sie Probleme aufzeigen können und nach entsprechender Aufarbeitung im klinischen Alltag das Team stärken, kritische Situationen zu meistern“, hob Dr. Rifi die Vorteile des in der Wetterau bislang einzigartigen Notfalltrainings hervor.

Den eingangs geschilderten Krisenfall, eine von mehreren gestellten Aufgaben, bewältigte das Team am ersten diesjährigen Schulungstag souverän. Im Ernstfall hätte es das Kind innerhalb weniger Minuten auf die Welt geholt.