Vorlesen
< Internationaler Hebammentag am 5. Mai: Spitzenausbildung für perfekten Start ins Leben
Donnerstag 09. Mai 2019 Alter: 72 days

Sorge vor Nebenwirkungen der Medikamente

Anrufer aus dem gesamten Kreisgebiet nutzten Angebot der GZW-Telefonaktion „Schlaganfall“ mit Chefarzt Prof. Dr. Gerriets


Prof. Dr. Gerriets stand am Telefon Rede und Antwort

(HR). Anrufer aus dem gesamten Kreisgebiet nutzten das Angebot des Neurologen am Gesundheitszentrum Wetterau, Prof. Dr. med. Tibo Gerriets, sich im Vorfeld des heutigen (10. Mai) „Tages gegen den Schlaganfall“ telefonisch zu informieren. Eine Stunde lang stand der Chefarzt der Schlaganfalleinheit des GZW am Bürgerhospital Friedberg den Anruferinnen und Anrufern Rede und Antwort. Auffällig war die mehrfach geäußerte Sorge wegen möglicher Medikamentennebenwirkungen. Ihnen riet Prof. Gerriets, sich von den Inhalten der Beipackzettel nicht irritieren zu lassen, auf keinen Fall eigenständig Medikamente abzusetzen, sondern statt dessen – etwa bei Verdacht auf eine Nebenwirkung – sich beim Hausarzt Rat zu holen. „Die meisten vermuteten Nebenwirkungen sind nach meinen Erfahrungen Missverständnisse oder Fehlinterpretationen“, so Prof. Gerriets.

Eine Rolle spielten auch die möglichen „unsichtbaren Spätfolgen“ von Schlaganfällen. Viele Patienten, die nach erfolgreicher Behandlung scheinbar gesund in den Beruf zurückkehren, merken im Alltag, dass sie den Anforderungen ihres bisherigen Lebens doch nicht mehr gewachsen sind. Zu den häufigsten neuropsychologischen Funktionsstörungen nach Schlaganfall zählen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefizite, oft einhergehend mit Gedächtnislücken und Planungsstörungen. Nicht selten sind Patienten schon mit der Organisation ihres Einkaufs überfordert. Ebenfalls häufig treten Sprach- oder Sehstörungen auf, oft zusätzlich emotionale Veränderungen, die vor allem die Beziehung zu Partnern und Angehörigen belasten. Hier ist, wie Prof. Gerriets erläuterte, eine ambulante Behandlung durch Neuropsychologen, Ergotherapeuten oder Logopäden hilfreich.

Wie sind die Anzeichen eines Schlaganfalls? Hat ein Patient mit Diabetes mellitus ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden? Ab wann ist ein Bluthochdruck behandlungsbedürftig? Welche Risikofaktoren gibt es? Wie gefährlich sind die modernen Blutverdünner? – Das Gesamtspektrum der Fragen war breit gefächert. Bis zu 270.000 Menschen pro Jahr erleiden allein in Deutschland einen Schlaganfall, 75.000 Menschen sterben in der Akutphase. Damit ist der Schlaganfall zur zweithäufigsten Todesursache avanciert. Bei wem der Schlaganfall nicht direkt zum Tod führt, der leidet häufig an bleibenden Folgen; bundesweit ist eine Million Menschen nach einem Schlaganfall behindert. Damit ist der Schlaganfall die häufigste Ursache für das Entstehen von Behinderungen im Erwachsenenalter.

Um einen Schlaganfall zu verhindern bzw. zur Vermeidung von Spätfolgen dessen möglichst sofortige Behandlung sicherzustellen, sollten die Warnsymptome beachtet werden, riet Prof. Gerriets. Bei Auftreten einer halbseitigen Gesichtslähmung, von Taubheit oder Lähmung einer Körperseite, plötzlichen Sprachstörungen, Fallneigungen, Gangunsicherheit oder Sehstörungen sei – auch im Zweifelsfall – unbedingt sofort die 112 zu wählen, um einen Notarzt zu rufen.

Die Einrichtung der elf Betten umfassenden Stroke Unit am Bürgerhospital Friedberg sei Ausdruck der bundesweit gewachsenen Erkenntnis, dass das flächendeckende Vorhandensein solcher Spezialabteilungen für die Behandlung von Schlaganfällen trotz hoher Kosten richtig ist. Als Beleg hatte der Neurologe konkrete Zahlen parat: Die Behandlung eines Patienten in einer Stroke Unit erhöht dessen Überlebenswahrscheinlichkeit um 17 Prozent und senkt das Risiko von Tod oder gravierenden Folgeschäden sogar um 31 Prozent.
Eine Broschüre zum Thema „Schlaganfall“ kann im Internet von der Seite des Gesundheitszentrums Wetterau als PDF-Datei heruntergeladen werden (www.gesundheitszentrum-wetterau.de/1018).