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Mittwoch 12. Juni 2019 Alter: 156 days

Schnelles Handeln hilft Spätfolgen vermeiden

Wie man Schlaganfall-Warnsignale erkennt und dann richtig reagiert, erläuterte der Neurologe Prof. Dr. Tibo Gerriets beim VdK-Ortsverband


Prof. Dr. Tibo Gerriets als Referent beim VdK Altenstadt

Altenstadt (HR). Wer die Warnzeichen eines Schlaganfalls richtig erkennt und rasch handelt, kann schwere Langzeitfolgen vermeiden und unter Umständen sogar Leben retten helfen. Auf was genau zu achten ist, erläuterte der Leiter der Schlaganfallstation (Stroke Unit) am Bürgerhospital Friedberg, Prof. Dr. med. Tibo Gerriets, in einem ebenso lehrreichen wie kurzweiligen Vortrag auf Einladung des VdK Altenstadt vor mehr als 20 Besucherinnen und Besuchern in einem Raum der  Altenstadthalle.

Bis zu 270.000 Menschen pro Jahr erleiden allein in der Bundesrepublik Deutschland einen Schlaganfall, 75.000 Menschen sterben in der Akutphase. Damit ist der Schlaganfall zur zweithäufigsten Todesursache geworden. Bei wem der Schlaganfall nicht direkt zum Tod führt, der leidet häufig an bleibenden Folgen; bundesweit ist eine Million Menschen nach einem Schlaganfall behindert. Bereits jetzt belastet der Schlaganfall einschließlich seiner Folgerkrankungen das deutsche Sozialsystem mit jährlichen Ausgaben von zehn Milliarden Euro – mit drastisch steigender Tendenz.

Ursache von Schlaganfällen sind laut Prof. Gerriets Durchblutungsstörungen und Hirnblutungen im Verhältnis 4:1. Durchblutungsstörungen werden ausgelöst, wenn ein Thrombus (Blutgerinnsel) eine Hirnarterie verstopft. Ihren Ausgangspunkt haben die Thromben in der Regel entweder in einer Arteriosklerose („Verkalkung“) der Halsschlagader oder im Herzen. Hauptrisikofaktoren für das Entstehen einer Arteriosklerose sind – neben den individuell nicht beeinflussbaren Faktoren Alter, Geschlecht und Vererbung – Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen, erhöhtes Cholesterin und regelmäßiger erhöhter Alkoholkonsum.

Der permanente Verschluss einer Hirnarterie bewirkt einen Hirninfarkt. Löst sich das Gerinnsel frühzeitig wieder, so dass eventuelle Symptome nur kurzfristig auftreten, weil das Blut bald erneut fließen kann, spricht man von einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA). „Diese Attacken sind besonders tückisch, denn gerade wenn Symptome nach kurzer Zeit wieder verschwinden, werden sie häufig nicht ausreichend beachtet. Wann immer sie auftreten, sollte sofort der Notarzt gerufen werden. Oft folgt auf eine solche kurzzeitige Attacke ein richtig schwerer Schlaganfall“, warnte Prof. Gerriets eindringlich.

Als das bekannteste der Schlaganfall-Warnsymptome nannte Prof. Gerriets die Lähmung einer Gesichtsseite mit dem „schiefen Mund“. Vielen vertraut sei auch die Bedeutung eines Taubheitsgefühls oder einer Lähmung bzw. einer Ungeschicklichkeitsneigung (Fallenlassen von Gegenständen etc.) auf einer Körperseite. Deutliche Verwechslungsgefahren mit anderen Erscheinungsbildern wie Trunkenheit oder Demenz bestünden bei den Warnsignalen „Sprachstörung“ und „Fallneigung“ bzw. „Gang-unsicherheit“, betonte Prof. Gerriets und wiederholte an dieser Stelle seine Forderung, im Zweifelsfall unbedingt einen Notarzt zu rufen. Für die Umgebung eines Betroffenen schwer zu erkennen sind Sehstörungen wie eine seitliche Gesichtsfeldeinschränkung oder die einseitige Erblindung.

Die Einrichtung der inzwischen von acht auf elf Betten aufgestockten Stroke Unit am Bürgerhospital Friedberg sei Ausdruck der  bundesweit gewachsenen Erkenntnis, dass das flächendeckende Vorhandensein solcher Spezialabteilungen für die Behandlung von Schlaganfällen trotz hoher Kosten richtig ist. Als Beleg nannte der Neurologe konkrete Zahlen: Die Behandlung eines Patienten in einer Stroke Unit erhöht seine Überlebenswahrscheinlichkeit um 25 Prozent und senkt das Risiko von Tod oder gravierenden Folgeschäden sogar um 31 Prozent. „Das sind sensationelle Werte, die belegen: Schlaganfallstationen sind höchst effizient“, so Prof. Gerriets. Dieser Erfolg basiere auf einer standardisierten Abfolge von Untersuchungen und Behandlungen einschließlich des sofortigen Beginns von Reha-Maßnahmen, die so nur in einer speziell darauf zugeschnittenen Abteilung mit hervorragend geschultem Personal möglich sei.