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Freitag 12. Juli 2019 Alter: 147 days

Manches ist anders, vieles geblieben

Nach 26 Jahren kommt Janina Besarab-Pienkos zurück in die Diabetes-Klinik – Auch Ulrike Ibold erinnert sich an „alte Zeiten


Nach 26 Jahren treffen Diabetesberaterin Ulrike Ibold und Patientin Janina Besarab-Pienkos in der GZW Diabetes-Klinik wieder aufeinander und stellen fest, dass – abseits der Medizin – vieles gleich geblieben ist.

(HR). „Den kenne ich noch!“ ruft Ulrike Ibold beim Anblick eines blauen Ordners, den Janina Besarab-Pienkos vor sich auf dem Tisch liegen hat. Im Speisesaal der GZW Diabetes-Klinik in der Ludwigstraße treffen die Diabetesberaterin und die temperamentvolle Patientin aus Elz nach 26 Jahren erstmals wieder aufeinander. Im Gespräch über die alten und die neuen Zeiten kristallisieren sich schnell Veränderungen heraus – aber es wird auch deutlich, dass vieles gleich geblieben ist.

Den blauen Ordner erhielt Janina Besarab-Pienkos vor 26 Jahren. Damals lebte die aus Polen stammende Germanistin schon seit sechs Jahren in Deutschland. Ihr deutschstämmiger Ehemann hatte 1986 die von der Gewerkschaft Solidarnosc erkämpften neuen Freiheiten für die Übersiedlung in die Bundesrepublik genutzt, seine Familie ein Jahr später nachgeholt. Hier absolvierte die junge Mutter eine weitere Ausbildung in Wirtschafts-Informatik, betreute Anfang der 1990er Jahre ein Projekt zur Umstellung auf fünfstellige Postleitzahlen, das nach der deutschen Einheit notwendig geworden war. Sie arbeitete hart, oft bis tief in die Nacht. „Überarbeitung“, lautete denn auch die erste Reaktion ihres Hausarztes auf plötzlich auftretende gesundheitliche Probleme.

Letztlich hieß die Diagnose aber: Diabetes. „Das war ein Riesenschock!“, erinnert sich Besarab-Pienkos. „Ich bin in ein tiefes Loch gefallen, habe mich gefragt: Warum ich? Was habe ich falsch gemacht? Ich hatte doch Projekte, wollte arbeiten.“ Ihr Leben, so das rückblickende Fazit, habe sich damals völlig auf den Kopf gestellt, sie habe sich hilflos und traurig gefühlt. Ihr Arzt, schätzt sie heute, habe wegen der langen Dauer bis zur richtigen Diagnose wohl starke Gewissensbisse gehabt – jedenfalls organisierte er dann zügig ihre Aufnahme in der Diabetes-Klinik in Bad Nauheim.

Die war in den 1970er Jahren von Dr. Bernt Kampmann gegründet worden und befand sich 1993 in einer Jugendstilvilla in der Terrassenstraße. Von Anfang an begeisterte das „tolle Gebäude“ die junge Frau. „Da gab es bunte Wände, geschmackvolle Dekorationen, nette Leute und ein unglaubliches Team“, schwärmt Besarab-Pienkos noch heute. Zum begeisternden Ambiente kamen als weitere Pluspunkte Chefarzt Dr. Kampmann, seine Frau Hilde („Sie machte die Schulungen“) – und der blaue Ordner, in dem alle nützlichen Informationen gesammelt werden konnten.

Gleich zuoberst im Ordner verwahrt Besarab-Pienkos ein Formular zur Dokumentation der Zuckerwerte. „Das ist das beste Protokoll, das ich jemals gesehen habe. Ich habe es immer weiter empfohlen, Ärzten und Patienten, es ist unglaublich gut.“ Hocherfreut war sie deshalb, als sie nach ihrer neuerlichen Ankunft in der Diabetes-Klinik das Formular noch in Gebrauch fand. „Ein paar Kleinigkeiten haben sich schon geändert“, stellt Ulrike Ibold nach einem kurzen Blick fest. Neue Therapien und Erkenntnisse wurden integriert – in seiner Struktur allerdings blieb das Blutzucker-Protokoll über die Jahrzehnte tatsächlich unverändert. „Fachlich waren wir damals schon ganz weit vorne“, konstatiert Ibold zufrieden. Sie selbst hatte 1981 ihre Tätigkeit in der Diabetes-Klinik im Labor begonnen, sich 1999 zur Diabetesassistentin und 2009 zur Diabetesberaterin fortgebildet.

Im Gebäude in der Terrassenstraße habe man sich mehr wie in der Kur gefühlt, in der Ludwigstraße sei man „einfach eher in einem Krankenhaus“, beschreibt Besarab-Pienkos ihren ersten Eindruck von den neuen Räumen. Vieles habe sich aber auch zum Positiven verändert, stellt sie fest. Die Schulungen seien inzwischen durch Strukturierung optimiert, die Anordnung der Patienten- und Funktionszimmer auf einer Etage verbessere den Kontakt zu Ärzten und Pflegekräften. Und statt eines blauen Ordners erhalten die Patienten der Klinik heute eine moderne Sammelmappe.

Besonders gut gefällt ihr in der modernen GZW Diabetes-Klinik die Essensausgabe. Statt wie vor 26 Jahren das Essen entsprechend der persönlichen Diät durch Dritte zusammengestellt auf einem Teller serviert zu bekommen, dürfe man sich heute aus der Auswahl am Buffet selbst bedienen und erhalte dazu Empfehlungen durch die  Diabetesberaterinnen: „Da ist man selbst flexibler, wird selbstständiger, lernt für zu Hause. Das ist schon super!“