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Dienstag 16. Juli 2019 Alter: 122 days

„Unter dem Strich positiv“

Vorstand des Fördervereins der Schlossbergklinik Gedern sieht aktuelle Entwicklung „mit einem weinenden und einem lachenden Auge“


Knapp 10.000 Menschen aus der Region nutzen jährlich die vielfältigen tagesklinischen und ambulanten Angebote der Schlossbergklinik wie Chemotherapie, Koloskopie, kleines Schlaflabor oder EKG. Künftig erhält der Standort Gedern deshalb einen klar definierten tagesklinischen und ambulanten Schwerpunkt – und ist damit dauerhaft gesichert.

Gedern (HR). „Als Förderverein sehen wir die bevorstehenden Änderungen in der Schlossbergklinik mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Mit einem weinenden, weil uns der Wegfall der stationären Betten natürlich schmerzt. Mit einem lachenden, weil wir froh sind, dass der Standort erhalten bleibt und weiterhin jährlich knapp 10.000 Menschen aus der Region von dem tagesklinischen und ambulanten Angebot der Schlossbergklinik profitieren werden.“ So lautet das Fazit, das der Vorsitzende des Fördervereins der Schlossbergklinik Gedern, Wilfried Kehm, am Ende eines zweistündigen Gesprächs zwischen dem Vereinsvorstand und der Geschäftsführung des Gesundheitszentrums Wetterau ziehen konnte. Besonders erfreut zeigte sich der Fördervereinsvorstand darüber, dass die zahlreichen Sachspenden, die der Verein der Klinik in den letzten Jahren zukommen ließ, dort weiter genutzt werden können.

Der Förderverein sei der Schlossbergklinik (und damit dem Gesundheitszentrum Wetterau) seit Jahrzehnten ein treuer und wichtiger Partner und werde dies hoffentlich auch bleiben, hob GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann eingangs des Gesprächs in Räumen der Schlossbergklinik hervor. Gemeinsam mit den Prokuristen Markus Appel und Olaf Kromm sowie dem Internisten Dr. Marc Scharmann habe er sich deshalb gerne die Zeit genommen, um die Repräsentanten des Fördervereins über die aktuelle Entwicklung zu informieren.

Dr. Fellermann skizzierte zunächst kurz die allgemeinen Rahmenbedingungen, die im Gesundheitswesen vom Bund, von den Ländern und den Krankenkassen als Kostenträgern gesetzt würden. Seit mehr als zehn Jahren würden kleinere chirurgische Eingriffe und Behandlungen zunehmend in den ambulanten Bereich verlagert und Krankenhäuser der mittleren Versorgungsstufe (wie auch die drei Akutkrankenhäuser des GZW in Schotten, Bad Nauheim und Friedberg) zu medizinischen Schwerpunktbildungen angehalten.

In Gedern haben sich laut Dr. Fellermann der stationäre und der tagesklinisch-ambulante Bereich in den letzten Jahren in völlig entgegengesetzte Richtungen entwickelt. „Insbesondere seit der Inbetriebnahme des neuen Krankenhauses in Schotten ist die stationäre Belegung der Schlossbergklinik kontinuierlich gesunken, der tagesklinisch-ambulante Bereich hat sich in dieser Zeit aber mehr als verdoppelt“, erklärte er. Den nur noch etwa 400 bis 500 stationären Patienten im Jahr stünden jährlich knapp 10.000 Patienten im tagesklinischen und ambulanten Bereich gegenüber.

„Uns als regionalem Gesundheitsversorger ist es wichtig, dass die fast 10.000 Patienten, die hier in Gedern wohnortnah ihren Darm, ihr Herz oder ihren Kreislauf untersuchen lassen wollen, die ihre Lungenfunktion testen, ihren Herzschrittmacher überprüfen lassen möchten oder eine Chemotherapie brauchen, dies auch weiterhin tun können“, betonte Dr. Fellermann. Deshalb habe sich das GZW in langwierigen Verhandlungen auch mit der kassenärztlichen Vereinigung sehr bemüht, die Zukunft der Schlossbergklinik als Standort für tagesklinische und ambulante Angebote dauerhaft zu sichern. Immerhin versorge sie inzwischen 20 Prozent der gesamten tagesklinischen und ambulanten Patienten des GZW.

Wilfried Kehm und Vorstandsmitglied Axel Listing ebenso wie die weiteren Vorstandsmitglieder verwiesen auf die enge Bindung der Gederner an die Klinik und auf die vielen Spenden, die der Förderverein dank der Hilfe zahlreicher Unterstützer in den vergangenen Jahren immer wieder machen konnte. „Was wird jetzt mit diesen Spenden?“, brachte Axel Listing die Diskussion zu diesem Thema auf den Punkt.

„Alle Ihre Spenden, ob Infusionsstühle, EKG- und Labor-Geräte, Patienten- und Wartezimmer-Stühle, Kraftfahrzeug, Monitore, Defibrillator, Rollstühle oder das 2017 übergebene Atem-Gas-Analyse-Gerät, werden in der Schlossbergklinik auch künftig genutzt werden“, versicherten Olaf Kromm und Dr. Fellermann unisono. Der Förderverein könne auch künftig stolz auf seine Unterstützung der Schlossbergklinik sein, ebenso wie die Gederner stolz auf den vor vier Jahrzehnten durchgesetzten Neubau der Klinik bleiben könnten. „Hätte es Ihr Engagement damals und diesen Neubau nicht gegeben, gäbe es künftig in Gedern keine tagesklinischen und ambulanten Angebote für knapp 10.000 Patienten aus dieser Region – mit steigender Tendenz!“, so Dr. Fellermann.

Am Ende des Gesprächs räumten Wilfried Kehm, Axel Listing und die weiteren Vorstandsmitglieder ein, dass das in den Verhandlungen erzielte Ergebnis für die Schlossbergklinik „unter dem Strich positiv“ ausfalle. Sie kündigten an, die weitere Entwicklung „wohlwollend-kritisch“ zu begleiten.