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Mittwoch 18. Dezember 2019 Alter: 205 days

Sektorenübergreifende Versorgung ist das Ziel

Grünen-Landtagsfraktion lädt zu anregender Podiumsdiskussion über gesundheitliche Versorgung im Wetteraukreis


Diskutierten rege und konstruktiv über die Gesundheitsversorgung im Wetteraukreis: (von links) Prof. Dr. Dr. Friedrich Grimminger, Ärztlicher Direktor des GZW, Moderatorin Kathrin Anders, MdL, und der gesundheitspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen, Marcus Bocklet.

(HR) Bad Nauheim. Die Sicherung der gesundheitlichen Versorgung im Wetteraukreis stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion, zu welcher der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Marcus Bocklet, und seine Bad Vilbeler Kollegin Kathrin Anders, Sprecherin für Geburtshilfe der Fraktion,
in die Räume Wetterau des Facharzt- und Servicezentrums am Hochwaldkrankenhaus eingeladen hatten. Ihr Diskussionspartner am Podium war Prof. Dr. Dr. Friedrich Grimminger, Ärztlicher Direktor des GZW.

Marcus Bocklet skizzierte zunächst den grünen Ansatz für eine gute Gesundheitspolitik. „Uns geht es um Gesundheitsförderung und Prävention als eigene Säule von Gesundheitspolitik, um die Verbesserung der Lebensqualität durch gesundes Leben, um Bewegung, gesunde Ernährung und Stärkung der Persönlichkeit ab dem Kindergarten und damit insgesamt um eine gute Versorgung, die von der Geburt bis zur Pflege im Alter den Mensch in den Mittelpunkt stellt“, fasste er zusammen.

Die Umsetzung dieser Ziele stelle im Kontext aktueller Entwicklungen (wie dem Ärztemangel in ländlichen Regionen, zunehmend älteren und oft mehrfach erkrankten Patienten sowie dem aufgrund des medizinischen Fortschritts und der Digitalisierung immer komplexer werdenden Gesundheitssystem) eine große Herausforderung dar. Dabei stehe die starke Abschottung der (stationären bzw. ambulanten) Leistungssektoren mit unangemessenen Angebotskapazitäten sowie einer unzureichenden Koordination und Steuerung einer bedarfsgerechten Versorgung häufig entgegen, kritisierte Bocklet. Im Hessischen Koalitionsvertrag sei deshalb der Einsatz des Landes für eine sektorenübergreifende Versorgung festgehalten.

Im Wetteraukreis sei die flächige Verteilung der Hausarztsitze insgesamt noch gut, betonte der Grünen-Politiker. Allerdings sei die Versorgung einzelner Städte und Gemeinden schon jetzt von der Mitversorgung durch angrenzende Kommunen abhängig. Ein Großteil der Fachärzte konzentriere sich in den Mittelzentren des Kreises (Friedberg/Bad Nauheim, Bad Vilbel, Büdingen, Butzbach und Nidda), doch die flächendeckende fachärztliche Versorgung sei auch hier gegeben. Für die Zukunft forderte Bocklet die Überwindung lokaler Egoismen, eine sektorenübergreifende Angebotsplanung, die Einrichtung regionaler, interdisziplinärer und professionsübergreifender Versorgungsnetze sowie gezielte Maßnahmen für strukturschwache Regionen (wie lokale Gesundheitszentren, Mobilitäts- und Digitalisierungskonzepte).

Prof. Grimminger griff Bocklets Kritik an den „standhaften Mauern“ zwischen stationärer und ambulanter Versorgung auf. Unter Verweis auf das Beispiel USA forderte auch er die Aufhebung des Konkurrenzverhaltens der Kliniken untereinander und der Trennung zwischen ambulanten und stationären Versorgern.

Angesichts der kontinuierlich fortschreitenden Spezialisierung im Gesundheitswesen müssten kleinere kommunale Kliniken sich mit spezialisierten Arztpraxen zu regionalen Versorgungseinheiten wie beispielsweise dem GZW zusammenschließen und dann mit anderen Krankenhausbetreibern zu größeren Klinikverbünden. Klinikverbünde mit mindestens 1000 Betten seien im Stande, im Interesse einer optimalen und zugleich wohnortnahen Versorgung Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen gemeinsam zu beschäftigen und an mehreren Standorten einzusetzen. Durch die horizontale und vertikale Vernetzung von Kliniken untereinander sowie mit Arztpraxen entstünden Medizinregionen, die – zum Wohle des Patienten – überregional in einen Wettbewerb um die beste Versorgungsqualität treten könnten.   

In der folgenden angeregten Diskussion kamen Beispiele aus anderen europäischen Ländern ebenso wie aus strukturschwachen Regionen des Kreisgebiets zur Sprache. Einigkeit herrschte darüber, dass sektorenübergreifende Versorgungsnetze sowie moderne Mobilitäts- und Digitalisierungskonzepte für eine künftige adäquate medizinische flächendeckende Versorgung unerlässlich seien. „Es ist uns als Teil der Regierungskoalition ein wichtiges Anliegen, dass die ärztliche Versorgung in der Wetterau auch weiterhin auf hohem Niveau sichergestellt wird!“, fasste Kathrin Anders, die die Diskussion moderierte, ihr Anliegen abschließend zusammen.