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Sonntag 22. März 2020 Alter: 6 days

„Brauchen rasche Hilfe statt Bürokratiemonster“

GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann entsetzt über Bestimmungen des Krankenhaus-Rettungsschirms – Appell an die Politik


Bad Nauheim (HR). Mit Entsetzen hat der Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Wetterau, Dr. Dirk M. Fellermann, die Einzelheiten zur Kenntnis genommen, die der Gesetzentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium für den Krankenhaus-Rettungsschirm vorsieht. „Wir sind dankbar für die versprochene Hilfe. Das geplante Gesetz ist aber ein Bürokratiemonster, das unsere Krankenhäuser zu verschlingen droht, bevor überhaupt Geld fließen könnte. Wir brauchen konkrete Hilfe jetzt – für die Gehälter unserer Mitarbeiter, für die Umrüstung unserer Krankenhäuser, für Schutzmaterial und medizinische Geräte. Der Gesetzentwurf darf so nicht beschlossen werden!“, appelliert Dr. Fellermann an die Politik.

Ein weiteres komme hinzu. Derzeit rekrutiere das GZW ehemalige Mitarbeiter und Freiwillige, um für die Versorgung Schwerstkranker parat zu stehen. „Wir haben in diesen Zeiten viel wichtigere Aufgaben, als Belege zu sammeln und uns auf die Einzel-Rechnungsstellung mit den Krankenkassen nach der Krise vorzubereiten. Wir müssen jetzt handlungsfähig bleiben“, betont der GW-Geschäftsführer.

Aktuell sehe die Situation in den Krankenhäusern so aus, dass kurzfristig wesentlich geringeren Erlösen erheblich steigende Ausgaben gegenüber stünden. Planbare Operationen seien abzusagen, womit Einnahmen fehlten. Gleichzeitig müssten die Krankenhäuser mit hohem finanziellen Aufwand und großem Tempo fit gemacht werden für die anrollende Corona-Pandemie.

„Ein einziges Beatmungsgerät kostet bis zu 35.000 Euro. Wenn wir zehn beatmungsfähige Behandlungsplätze zusätzlich schaffen, brauchen wir 350.000 Euro. Die Preise für alle Schutzmaterialien wie Desinfektionsmittel oder Mundschutz haben sich erhöht. Das alles können wir nicht vorfinanzieren, in der Hoffnung, dass – wenn irgendwann die Krise vorbei sein sollte – die Krankenkassen nach mühsamer Diskussion um jede einzelne Rechnung die Kosten erstatten“, so Dr. Fellermann.

Er fordert deshalb die Politik zum Umdenken auf und verweist auf die fünf konkreten Vorschläge der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zur Umsetzung des Rettungsschirms.

So werde erstens vorgeschlagen, dass jedes Krankenhaus auf der Basis seines Gesamtbudgets 2019 von April bis Dezember 2020 monatliche Abschlagszahlungen erhalte, um die Liquidität zu sichern und Löhne und Gehälter zahlen zu können. Um die hohen Mehrkosten für Schutzausstattung, Medikamente etc. zu finanzieren, solle zweitens zwischen April und Dezember 2020 für jeden Krankenhaus-Patienten ein Zuschlag von 160 Euro gezahlt werden.

Drittens sollten Krankenhäuser, die in der Krise besonders viele Patienten behandelten und damit deutlich mehr Kosten hätten, diese höheren Behandlungskosten von den Krankenkassen zusätzlich erstattet bekommen, wenn die Kosten die genannten monatlichen Abschlagzahlungen überschritten.

Viertens sollten die Krankenhäuser fu?r jedes zusätzlich geschaffene Intensivbett zum Ausgleich der hohen Kosten fu?r Medizintechnik etc. einen Einmalbetrag von 85.000 Euro erhalten; dieser Einmalbetrag solle sich vermindern, wenn Beatmungsgeräte etc. von den Ländern oder dem Bund kostenfrei zur Verfu?gung gestellt würden.

Fünftens sollten – so der Vorschlag der DKG – alle bürokratischen Hürden zur Entlastung des Personals ausgesetzt werden. Er persönlich, ergänzte Dr. Fellermann, könne sich beispielsweise vorstellen, für die Dauer der Krise das ärztliche Personal des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) für eine Tätigkeit in den Krankenhäusern von seinen Verwaltungsaufgaben freizustellen.