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Mittwoch 17. Februar 2021 Alter: 15 days

Pandemielager und regionale Kooperation

GZW sichert sich gemeinsam mit dem Kreis und der Maria Soell GmbH (Nidda) gegen künftige Lieferengpässe ab


Freuen sich über die gelungene Kooperation (von links): GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann, Gesundheitsamtsleiter Dr. med. Reinhold Merbs, Maria Soell-Geschäftsführer Stefan Steinmeier, Sabine Steinmeier, Timo Neeb, Leiter Einkauf im GZW.

Bad Nauheim/ (HR). Es war eines der bewegenden Themen aus den Anfangswochen der Corona-Pandemie: die explosionsartig gestiegene Nachfrage nach Desinfektions- und Schutzmaterial, die erst nach Wochen befriedigt werden konnte. Im Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) hat man zwei Konsequenzen gezogen: die Vereinbarung einer Kooperation mit einem regionalen Unternehmen, der Maria Soell GmbH (Nidda-Eichelsdorf, mariasoell.de), das Schutzkittel herstellt, und – in Absprache mit dem Wetteraukreis – den Aufbau eines internen Pandemielagers zur Bevorratung mit persönlicher Schutzausrüstung.  

Vorratshaltung für den Krisenfall ist seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges Standard  in Deutschland und Europa, man denke nur an die in den 1980er Jahren vieldiskutierten „Butterberge“ und „Milchseen“. Auch für medizinischen Bedarf hat der Katastrophenschutz stets gesorgt, allerdings unter Bedingungen, die immer fragwürdig waren und längst nicht mehr zeitgemäß sind. „Alle drei Jahre haben wir in die medizinischen Vorratslager reingeschaut, alles entsorgt, dessen Haltbarkeitsdatum abgelaufen war, und für viel Geld Ersatz beschafft. Von diesem Prinzip wollte der Wetteraukreis schon lange wegkommen“, erläutert der Leiter des Gesundheitsamtes Wetterau, Dr. Reinhold Merbs.

Seine Interessen trafen sich 2020 mit denen des Gesundheitszentrums Wetterau, das seit Jahren aus wirtschaftlichen ebenso wie aus platztechnischen Gründen seine Verbrauchsmaterialien „just in time“ von einem Logistikzentrum bezieht. Mit der Pandemie stieg der Bedarf an Schutzausrüstung rapide. Weil aber die weltweite Produktion von OP- oder FFP2-Masken, Einweghandschuhen und Desinfektionsmitteln ebenso wie von gängigen Arzneimitteln durch internationale Konzerne weitgehend aus Europa heraus in Niedriglohnländer verlagert worden war und erdballumspannende Lieferketten nur begrenzt flexibel sind, wurde die Materialbeschaffung plötzlich zu einer logistischen Herausforderung.

„Auf zusätzliche Lieferungen mussten wir lange warten, die Kosten explodierten. Der Preis für Einmalhandschuhe hat sich in der ersten Welle nahezu verzehnfacht und bleibt auf hohem Niveau, weil die Handschuhe fast ausschließlich in Malaysia produziert werden. Schutzkittel kosteten plötzlich fünfmal so viel, waren teilweise gar nicht mehr zu haben oder nur in schlechter Qualität“, schildert Timo Neeb, Leiter Einkauf im GZW. In tagelangen Telefonaten fand er nach dem ersten Lockdown im Frühjahr einen Lieferanten, der Einmalhandschuhe zu einem vertretbaren Preis anbietet.

Inzwischen gibt es in jedem der drei GZW-Akuthäuser ein internes Pandemielager im GZW mit Einmalhandschuhen, Mund- und Nasenschutz Typ 2R, FFP2-Masken, Schutzkitteln, Flächen- und Händedesinfektionsmitteln sowie Abstrichtupfern für PCR-Tests, die den Regelbedarf für ein halbes Jahr decken. „Im Ernstfall hätten wir also mehrere Monate Zeit, uns höhere Liefermengen dieser Schutzausrüstung zu sichern. Gleichzeitig sind die Mengen so bemessen, dass wir sie nach dem Prinzip ‚first in – first out‘ durch kontinuierlichen Austausch verbrauchen können, ohne an Haltbarkeitsgrenzen zu stoßen“, erläutert Neeb. „Ein vernünftig bewirtschaftetes dezentrales Lager im Krankenhaus ist nachhaltig und spart letztlich viel Geld. Ich danke dem GZW auch im Namen des Wetteraukreises dafür, dass es seine Lagerkapazitäten für dieses gemeinsame Projekt zur Verfügung stellt“, pflichtet ihm Dr. Merbs bei.
 
Parallel zum internen Pandemielager hat das GZW die Kooperation mit der Maria Soell GmbH zur Schutzkittelproduktion initiiert. Das Familienunternehmen aus Nidda ist ein fast 100 Jahre alter Hersteller unter anderem von beschichteten Vliesen und kann auf eine langjährige Zusammenarbeit mit Kunden aus dem Medizinsektor verweisen. Seit einem Jahr produziert es nun auch zertifizierte Schutzkittel der qualitativ hochwertigen Kategorie III (die geeignet sind für besonders schutzwürdige Bereiche) und beliefert das GZW nach Bedarf. Bei einem Treffen bedankte sich GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann bei Stefan Steinmeier, Geschäftsführer der Maria Soell GmbH, für die unkomplizierte und flexible Zusammenarbeit: „Maria Soell ist wie das GZW ein regionales Unternehmen, produziert das Material in Deutschland und lässt in Europa konfektionieren, es gibt kurze Lieferwege und der Preis stimmt.“

Stefan Steinmeier gab den Dank für die gute Kooperation zurück. „Wir finden es bemerkenswert, dass das GZW die Qualität seiner Schutzkittel ausdrücklich auf den Schutz auch seiner Mitarbeiter*innen ausrichtet. Bei Maria Soell arbeiten wir gerade daran, unsere Schutzkittel mit antiviralen Beschichtungen zu versehen. Außerdem planen wir eine Teilautomatisierung unserer Produktion mit geschweißten Nähten. Das GZW mit seinem professionellen Hygienemanagement hat sich bereit erklärt, gemeinsam mit uns die Kittel bis zur Serienreife zu testen. Unsere Kooperation ist eine win-win-Situation“, betont der Maria Soell-Geschäftsführer.