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Freitag 07. Mai 2021 Alter: 42 days

Schnelles Handeln hilft Spätfolgen vermeiden

Zum „Tag des Schlaganfalls“: Stroke Units therapieren spezialisiert


Schiefer Mund, Gangunsicherheit und halbseitige Lähmungen sind bekanntere der Schlaganfall-Warnsymptome. Treten sie auf, sollte unverzüglich der Notarzt gerufen werden.

Bad Nauheim/Friedberg (HR). Wer die Warnzeichen eines Schlaganfalls richtig erkennt und rasch handelt, kann schwere Langzeitfolgen vermeiden und unter Umständen sogar Leben retten helfen. 270.000 Menschen pro Jahr erleiden allein in der Bundesrepublik Deutschland einen Schlaganfall, in Hessen sind es 23.000. Etwa jeder Vierte stirbt in der Akutphase. Damit ist der Schlaganfall zur zweithäufigsten Todesursache geworden. Bei wem der Schlaganfall nicht direkt zum Tod führt, der leidet häufig an bleibenden Folgen; bundesweit ist eine Million Menschen nach einem Schlaganfall behindert. Bereits jetzt belastet der Schlaganfall einschließlich seiner Folgerkrankungen das deutsche Sozialsystem mit jährlichen Ausgaben von zehn Milliarden Euro – mit drastisch steigender Tendenz.

Eine Akuttherapie mit dem Ziel der gesundheitlichen Wiederherstellung oder zumindest Linderung der Symptomatik könne praktisch ausschließlich im Krankenhaus stattfinden, diese Erkenntnis ist Grundlage unter anderem des „Schlaganfallkonzepts Hessen“, das von der Landesärztekammer gemeinsam mit einem Arbeitskreis im Auftrag des Hessischen Sozialministeriums erarbeitet wird. Der Beginn einer flächendeckenden Versorgung mit an Akutkrankenhäusern angegliederten Schlaganfalleinheiten (Stroke Units) reicht bis in den Beginn der 2000er Jahre zurück.

Am Bürgerhospital Friedberg des GZW wurde die Stroke Unit 2011 eingerichtet, mit zunächst acht, inzwischen elf Betten. Jährlich werden hier etwa 600 Patient*innen behandelt (zum Vergleich: im Universitätsklinikum Gießen sind es 750). Die sofortige Behandlung von Schlaganfallpatienten in solchen spezialisierten Abteilungen reduziert das Risiko, am Schlaganfall zu sterben oder schwer pflegebedürftig zu werden, statistisch um 31 Prozent. Für diese hervorragende Wirksamkeit einer Stroke Unit sind eine Reihe von Behandlungsmerkmalen verantwortlich, deren wesentliches Element die Geschwindigkeit ist: Es sollten nach dem Notruf höchstens 60 Minuten vergehen, bis der Patient im Krankenhaus eintrifft.

Vor allem ermöglicht die aufwändige Infrastruktur einer Stroke Unit die blitzschnelle Durchführung der so genannten Thrombolyse-Behandlung. Dadurch wird das Gerinnsel, das eine hirnversorgende Arterie verstopft, medikamentös aufgelöst. Dabei geht es um Minuten ("Time is Brain"). Typische Komplikationen des Schlaganfalls (z.B. die Aspirationspneumonie, d.h. Lungenentzündungen, die auf Grundlage von Lähmungen des Schluckapparates entstehen) werden in enger Zusammenarbeit mit Logopäd*innen frühzeitig erkannt und vermieden bzw. behandelt. Die rasche Durchführung der erforderlichen Untersuchungen ermöglicht das frühzeitige Identifizieren und Beseitigen der Schlaganfallursache. Das verhindert Folgeschlaganfälle.
Bleiben nach einem Schlaganfall Beschwerden wie Lähmungen oder Sprachstörungen zurück, so ist der frühzeitige Beginn der Rehabilitationsbehandlung entscheidend. Auf der Stroke Unit beginnen die Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und aktivierende Krankenpflege bereits am ersten Tag.

Ursache von Schlaganfällen sind Durchblutungsstörungen und Hirnblutungen im Verhältnis 4:1. Durchblutungsstörungen werden ausgelöst, wenn ein Thrombus (Blutgerinnsel) eine Hirnarterie verstopft. Ihren Ausgangspunkt haben die Thromben in der Regel entweder in einer Arteriosklerose („Verkalkung“) der Halsschlagader oder im Herzen. Hauptrisikofaktoren für das Entstehen einer Arteriosklerose sind – neben den individuell nicht beeinflussbaren Faktoren Alter, Geschlecht und Vererbung – Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen, erhöhtes Cholesterin und regelmäßiger erhöhter Alkoholkonsum.

Der permanente Verschluss einer Hirnarterie bewirkt einen Hirninfarkt. Löst sich das Gerinnsel frühzeitig wieder, so dass eventuelle Symptome nur kurzfristig auftreten, weil das Blut bald erneut fließen kann, spricht man von einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA). Diese Attacken sind besonders tückisch, denn gerade wenn Symptome nach kurzer Zeit wieder verschwinden, werden sie häufig nicht ausreichend beachtet. Wann immer sie auftreten, sollte sofort der Notarzt gerufen werden, denn oft folgt auf eine solche kurzzeitige Attacke ein schwerer Schlaganfall.

Wichtig ist deshalb das Beachten der Schlaganfall-Warnsymptome. Bekannt ist vor allem die Lähmung einer Gesichtsseite mit dem „schiefen Mund“. Vielen vertraut sind auch die Bedeutung eines Taubheitsgefühls oder einer Lähmung bzw. einer Ungeschicklichkeitsneigung (Fallenlassen von Gegenständen etc.) auf einer Körperseite. Deutliche Verwechslungsgefahren mit anderen Erscheinungsbildern wie Trunkenheit oder Demenz bestehen bei den Warnsignalen „Sprachstörung“ und „Fallneigung“ bzw. „Gang-unsicherheit“. Hier raten Neurologen, im Zweifelsfall unbedingt einen Notarzt zu rufen. Für die Umgebung eines Betroffenen schwer zu erkennen sind Sehstörungen wie eine seitliche Gesichtsfeldeinschränkung oder die einseitige Erblindung.