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Samstag 19. März 2022 Alter: 71 days

„Rettungsschirm für Krankenhäuser verlängern“

GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann fordert auch eine zügige Umsetzung der versprochenen Krankenhausreform


Fordert eine Verlängerung des Corona-Rettungsschirms für die Krankenhäuser sowie die zügige Umsetzung der im Koalitionsvertrag beschriebenen Reform der Krankenhausversorgung: GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann

Bad Nauheim (HR). Der Corona-Rettungsschirm für Krankenhäuser, der am 19. März 2022 ausläuft, sollte dringend verlängert werden, fordert GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann. Die Pandemie habe weiterhin direkten und extremen Einfluss auf das Leistungsgeschehen der Kliniken und damit auf deren Liquidität. Auch deshalb sei die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser dramatisch und das Auslaufen des Rettungsschirms zum jetzigen Zeitpunkt im Hinblick auf eine flächendeckende adäquate Gesundheitsversorgung der Bevölkerung „absolut kontraproduktiv“.

Was vor Monaten niemand habe ahnen können, sei nun Realität: In diesen Tagen erreiche die Zahl der Covid-19-Patient*innen in den Kliniken einen neuen Höchststand. Gleichzeitig gebe es pandemiebedingt teilweise dramatische Personalausfälle, weshalb es teilweise schwierig werde, die vorhandenen Versorgungskapazitäten vollständig anzubieten.

„In dieser Situation den ohnehin chronisch unterfinanzierten Krankenhäusern die Möglichkeit zu nehmen, Erlösverluste über den Rettungsschirm auszugleichen, widerspricht in eklatanter Weise den permanenten politischen Beteuerungen hinsichtlich der Bedeutung der Gesundheitsversorgung“, erklärte Dr. Fellermann. Außerdem müssten die aufwändigen, sehr kostenintensiven Sicherheits- und Hygienekonzepte langfristig in die Kostenrechnungen einbezogen werden. „Die Gesamtkonstellation ist eine nunmehr zwei Jahre andauernde Konzentration an Ausnahmesituationen, mit denen die Politik die Kliniken alleine lässt“, fasste Dr. Fellermann seine Bestandsaufnahme zusammen.

Dringend notwendig sei es weiterhin, die im Koalitionsvertrag beschriebene Reform der Krankenhausversorgung zügig umzusetzen. Nicht nur bei der Corona-Pandemie, sondern auch bezüglich der wirtschaftlichen Situation der Krankenhäuser in Deutschland sei die Lage tatsächlich schlimmer und die Stimmung schlechter, als es öffentlich bzw. offiziell wahrgenommen werde, betonte Dr. Fellermann. Wegen gesunkener Fallzahlen verzeichneten die Krankenhäuser hohe Erlösverluste, bei den Investitionsmitteln gebe es milliardenschwere Defizite, Leiharbeitskräfte verursachten Ausgaben im dreistelligen Millionenbereich. Dazu kämen explodierende Baukosten, wodurch das GZW mit seinem Neubau am Hochwaldkrankenhaus direkt betroffen sei, sowie dramatisch steigende Preise für Energie und Lebensmittel.

„Im Koalitionsvertrag heißt es, dass die Bundesregierung kurzfristig eine Regierungskommission einsetzen wolle, die Empfehlungen für einen Bund-Länder-Pakt erarbeitet. In diesem Zusammenhang soll die Krankenhausplanung reformiert und die Krankenhausfinanzierung weiterentwickelt werden. Wir Praktiker aus den Krankenhäusern hoffen, dass in diese Kommission nicht nur Politiker*innen, sondern auch Vertreter*innen derjenigen berufen werden, die tagtäglich die stationäre Gesundheitsversorgung der Bevölkerung vor Ort organisatorisch sicherstellen“, erklärte Dr. Fellermann und schloss mit dem Wunsch, dass „aktuell vorhandene falsche Anreize aus der Finanzierung eliminiert werden und statt dessen das gesamte System stärker an den tatsächlichen Bedarfen ausgerichtet wird“.