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Montag 31. Oktober 2022 Alter: 31 days

Richtiger Ansatz, falsche Prioritäten

GZW-Geschäftsführer Dr. Fellermann fordert für die Krankenhäuser den „Inflationsausgleich jetzt“ und weniger Bürokratie


Bad Nauheim (HR). „Richtiger Ansatz, falsche Prioritäten“, kommentiert Dr. Dirk M. Fellermann, Geschäftsführer der GZW gGmbH, den Stand der bundespolitischen Bemühungen um die stationäre Gesundheitsversorgung. Es sei, so Dr. Fellermann, „an sich begrüßenswert, dass sich das Bundesgesundheitsministerium jetzt überhaupt um die Krankenhausversorgung kümmert“. Allerdings würden dabei „die Prioritäten völlig falsch gesetzt“ und es fehle der Blick für das große Ganze. Zudem gehe alles nicht schnell genug. „Zu Beginn der Kampagne ‚Alarmstufe Rot‘, also Anfang September, hat der Bundesgesundheitsminister bereits bekundet, er habe verstanden, dass die Krankenhäuser in ihrer Existenz bedroht seien. Seither sind zwei Monate vergangen, und nichts ist passiert“, stellte Dr. Fellermann fest.

In der vergangenen Woche hatte das Bundesgesundheitsministerium Eckpunkte für die neue Versorgungsform der Tagesbehandlung sowie für die Sicherung der Krankenhausabteilungen Kinderheilkunde und Geburtshilfe vorgelegt. Zudem befindet sich der Entwurf zum Krankenhauspflegeentlastungsgesetz in der Beratung durch den Gesundheitsausschuss des Bundestages.

„Problem ist: Das dauert alles viel zu lang, ist alles viel zu schwerfällig und kleinteilig“, kritisiert Dr. Fellermann. Bundesweit befänden sich die Krankenhäuser akut in einer schweren wirtschaftlichen Krise und seien existentiell bedroht. Wenn die Politik nicht jetzt sofort handle, drohe die stationäre Gesundheitsversorgung vielerorts zusammenzubrechen. „Krankenhäuser können die Preissteigerungen auf der Kostenseite nicht durch die gesetzlich festgelegten Erlöse aus der Krankenhausbehandlung ausgleichen. Die meisten Krankenhäuser erwarten Defizite in Millionenhöhe und haben wenig Spielraum bei der Liquidität“, argumentierte der GZW-Geschäftsführer.

Höchste Priorität müsste nach seiner Meinung die sofortige Zahlung eines Ausgleichs für die gestiegenen Preise und die Inflation haben. „Die anstehende Zahlung des Weihnachtsgeldes für die Mitarbeiter:innen wird viele Krankenhäuser in eine schwierige Liquiditätslage bringen.

Dazu komme, dass mit Ende des Jahres auch die verkürzte Zahlungsfrist der Krankenkassen für Krankenhausleistungen auslaufe. „Auch für die GZW-Krankenhäuser bedeutet dies, dass von jetzt auf gleich die Zahlungsfrist von fünf auf dreißig Tage ansteigt, de facto also ein Monat lang keine Einnahmen fließen. Das kann kaum ein Krankenhaus durchhalten“, so Dr. Fellermann. Es sei deshalb dringend nötig, die Geltungsdauer der verkürzten Zahlungsfrist zu verlängern sowie ausreichende Übergangsregelungen für deren Auslaufen vorzusehen.

Dr. Fellermanns Forderungen an die Politik sind klar: „Die Krankenhäuser brauchen zuerst und jetzt akut einen echten Inflationsausgleich, sonst gibt es sie bald nicht mehr. Dies hat Bundesgesundheitsminister Lauterbach zwar auch Anfang September 2022 erkannt und Unterstützung zugesagt, doch bleibt er uns eine Lösung bis heute schuldig.“ Bei einer späteren Diskussion über Strukturen müsse die Gesamtsituation betrachtet werden. Stationäre und Ambulante Versorgung seien kommunizierende Röhren. Jede Veränderung an der einen habe Auswirkungen auf die andere Röhre. Das System brauche keine neuen, angeblich sektorübergreifenden Behandlungsformen wie die Tagesbehandlungen, sondern es müsse endlich die Mauer zwischen ambulanter und stationärer Versorgung eingerissen werden.

„Nur wenn wir es mittelfristig schaffen, eine durchgängig abgestimmte und abgestufte Versorgung von ambulant über stationär bis hochspezialisiert einzuführen und bürokratiearm umzusetzen, werden wir mit den demografisch weniger werdenden Fachkräften eine gute Versorgung aufrecht erhalten können“, betonte Dr. Fellermann. Dies alles werde jedoch Makulatur, wenn nicht jetzt umgehend ein echter Inflationsausgleich die Krankenhäuser vor dem Aus rette.