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Mittwoch 11. Januar 2023 Alter: 26 days

Die Lage bleibt kritisch

„Patient Krankenhaus“: GZW-Geschäftsführer Dr. Fellermann moniert Fehlen eines „ganzheitlichen Therapiekonzepts“


Moniert das Fehlen eines ganzheitlichen Therapiekonzepts für den „Patienten Krankenhaus“: GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann.

Bad Nauheim (HR). „Zurzeit scheint es, als werde von Bund und Land viel Geld in die Hand genommen, um die Krankenhäuser finanziell zu unterstützen. Leider sind die zur Verteilung des zur Verfügung gestellten Geldes ausgewählten Instrumente zu stumpf für einen erfolgreichen Ausgang der Operation, die damit misslingen muss“, fasst GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann seine Kritik am Umgang der Politik mit der Krise der Krankenhäuser zusammen.

Sechs Milliarden Euro Energiekostenausgleich vom Bund, Erhöhung der Investitionsmittel des Landes, Steigerung des Landesbasisfallwertes (Grundlage der Vergütung der Behandlungskosten) um 4,32 Prozent – dies sehe solange positiv aus, bis man sich die Einzelheiten der Regelungen anschaue. Beispiel Energiekostenausgleich: Der Bund stellt sechs Milliarden Euro zur Verfügung, doch die vorgesehene Aufteilung (4,5 Milliarden für den Ausgleich direkter Energiekostensteigerungen, 1,5 Milliarden für den Ausgleich gestiegener Sachkosten) sei genau verkehrt herum. Durch langfristige Lieferverträge und die zusätzlich wirkende Gaspreisbremse sei fraglich, ob die bereitgestellten 4,5 Milliarden Euro überhaupt abgerufen würden. Dagegen seien die Preise für medizinischen und sonstigen Sachbedarf durch die Decke gegangen, so dass die durchschnittlich zu erwartenden Zahlungen von knapp 800.000 Euro pro Krankenhaus für einen Ausgleich kaum ausreichen dürften.

Beispiel Investitionskosten: Die Erhöhung der Fördermittel für Krankenhausinvestitionen durch das Land Hessen auf 380 Millionen Euro im Jahr 2023 und 390 Millionen Euro im Jahr 2024 sei „ein wichtiger und lobenswerter Schritt“, erklärte Dr. Fellermann, „die Baukosten und Kosten für Medizintechnik galoppieren jedoch gerade davon, so dass nach wie vor eine große Lücke bleibt“, die von den Krankenhäusern aus dem laufenden Betrieb heraus nicht geschlossen werden könne. Geplante und zukünftige Investitionen fehle damit die solide  Finanzierung.

Beispiel Erhöhung des Landesbasisfallwertes: Der Landesbasisfallwert, die  Grundlage der Vergütung von Krankenhausbehandlungen, erhöhe sich in Hessen um den gesetzlich maximal möglichen Wert von 4,32 Prozent – die Inflationsrate und damit auch die Kostensteigerungen für eine Krankenhausbehandlung lägen dagegen bei über acht Prozent. Die Möglichkeit eines tatsächlichen Inflationsausgleichs über den Landesbasisfallwert sei durch das Krankenhauspflegeentlastungsgesetz aber gerade erst gestrichen worden.

„Dieses letzte Beispiel zeigt sehr gut eines der Grundprobleme bei der Finanzierung der stationären Gesundheitsversorgung: Es wird immer wieder an den gerade öffentlich diskutierten Symptomen herumgedoktert, mal geht es dabei rein in die Kartoffeln, dann geht es wieder raus aus den Kartoffeln. Für den ‚Patienten Krankenhaus‘ fehlt es letztlich am Masterplan, an einem interdisziplinär erstellten, ganzheitlichen, nachhaltig wirkenden Therapiekonzept“, betonte der GZW-Geschäftsführer. Ohne eine grundsätzliche Beseitigung der chronischen systemischen Unterfinanzierung der Krankenhäuser werde jede Krankenhausreform Stückwerk bleiben und die befürchtete Insolvenzwelle gerade kleiner Krankenhäuser sehr schnell „vom Schreckgespenst zur Realität werden“.