Erkrankungen der Schilddrüse

Die Schilddrüse gehört zu den wichtigsten Organen des menschlichen Körpers und steuert viele seiner Funktionen. Das Spektrum ihrer Erkrankungen umfasst Vergrößerungen, Über- und Unterfunktionszustände, Entzündungen und Tumoren. Eine Größenzunahme bewirkt ein Druck-, Enge- oder Kloßgefühl im Hals sowie unter Umständen Luftnot und Schluckschwierigkeiten. Überfunktionszustände (Hyperthyreose) lösen Schwitzen, Zittern, Nervosität und Herzrasen aus.
Das in Deutschland häufigste Krankheitsbild ist die Schilddrüsenvergrößerung (Kropf, Struma), die mit einer normalen oder einer erhöhten Schilddrüsenfunktion einhergehen kann. Diese Schilddrüsenvergrößerung ist das Resultat einer gleichmäßigen (Struma diffusa) oder knotigen Zunahme (Struma nodosa) von Schilddrüsengewebe. Ursache der Struma ist in über 90 Prozent ein ernährungsbedingter Jodmangel. In einigen Fällen sind Störungen der Schilddrüsenhormonsynthese und Medikamente Auslöser einer Schilddrüsenvergrößerung.

Aufbau und Funktionsweise

Die Schilddrüse hat die Form eines Schmetterlings und befindet sich unter dem Kehlkopf. Ihre beiden Lappen umfassen die Luftröhre. Ihr Normalgewicht beträgt bei einer Frau 18 Gramm und bei einem Mann 25 Gramm.
Hinter den Schilddrüsenlappen verlaufen beidseitig diejenigen Nerven, welche die inneren Kehlkopfmuskeln versorgen und damit für die Stimmbildung verantwortlich sind. Im Bereich der Schilddrüse liegen auch die vier Nebenschilddrüsen, die den Calcium- und Phosphathaushalt regulieren. Die Produktion, Speicherung und Ausschüttung der Schilddrüsenhormone sind die Hauptaufgaben der Schilddrüse. Bei zu niedrigem Schilddrüsenhormonspiegel im Blut wird die Schilddrüse mittels hormonaler Signale aus dem Gehirn (Hypothalamus) und nachfolgend der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zur vermehrten Schilddrüsenhormonbildung sowie -ausschüttung angeregt. Die Zellen der Schilddrüse produzieren zwei Hormone, das Trijodthyronin (T3) und das Tetrajodthyronin (T4), welche für die Aufrechterhaltung einer ausgeglichenen Energiebilanz des menschlichen Organismus verantwortlich sind. Sie steuern den gesamten Stoffwechsel und regen die Eiweißbildung im Körper an. Außerdem greifen sie in die Funktion der anderen hormonproduzierenden Drüsen, so z. B. in die der Bauchspeicheldrüse in Form einer Steigerung der Insulinfreisetzung mit Stimulation des Glukosestoffwechsels, und in die Tätigkeit der Nebenniere ein. Bei einer Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen werden Energiehaushalt und Stoffwechsel des Körpers gebremst, die Immunabwehr sinkt und die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Eine krankhaft erhöhte Schilddrüsenhormonmenge im Blut führt zu einem erhöhten Energiebedarf der Zellen des Organismus.

Diagnostik

Ein wesentlicher Bestandteil der Schilddrüsendiagnostik sind Blutuntersuchungen. Hierbei werden insbesondere die Konzentration der Schilddrüsenhormone (T3, T4) sowie die der Hormone der Hirnanhangsdrüse (TSH) ermittelt. Durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann der Arzt Lage, Form und Größe der Schilddrüse bestimmen und sogar ihr Volumen berechnen. Vergrößerungen und veränderte Gewebestrukturen wie Knoten und Zysten lassen sich ebenfalls erkennen. Zeigen sich im Ultraschall auffällige Veränderungen, können diese mit Hilfe von radioaktiven Substanzen (Szintigraphie) noch genauer untersucht werden. Wird bei der Szintigraphie ein funktionsgeminderter "kalter" Knoten in der Schilddrüse entdeckt, so sollte dieser - mit einer Feinnadelpunktion - weiter abgeklärt werden. Eine mikroskopische Analyse der Zellprobe gibt dann genauen Aufschluss darüber, ob der Knoten gut oder bösartig ist.

Therapie

Zur Behandlung der Schilddrüsenerkrankungen stehen eine medikamentöse Therapie, eine Operation oder eine Radiojodtherapie zur Verfügung. Bei einer knotenfreien Schilddrüsenvergrößerung können Jodsubstanzen und Schilddrüsenhormone zur Verhinderung eines weiteren Wachstums der Schilddrüse eingesetzt werden. Eine Operation sollte bei mechanischer Beeinträchtigung im Halsbereich, bei ausgedehnten knotigen Veränderungen der Schilddrüse insbesondere bei "kalten" Knoten (Möglichkeit des Vorliegens eines bösartigen Tumors) und bei medikamentös nicht zu beherrschenden Überfunktionszuständen durchgeführt werden. Die Radiojodtherapie kommt nur in besonderen Fällen zum Einsatz.
Vor einer Operation muss der Patient von einem HNO-Arzt hinsichtlich der Stimmbandfunktion untersucht werden. Die Operation erfolgt unter Vollnarkose und beginnt mit einem ungefähr sechs Zentimeter langen quer verlaufenden Hautschnitt im unteren Halsbereich. Danach wird die Schilddrüse freigelegt. Ist die Erkrankung auf einen Schilddrüsenlappen begrenzt, so wird nur dieser entfernt. Sollten sehr ausgedehnte Veränderungen der Schilddrüse bestehen oder wurde vor der Operation ein bösartiger Tumor der Schilddrüse festgestellt, dann wird die gesamte Schilddrüse entfernt. Bereits während der Operation wird ein Pathologe hinzugezogen, der das entnommene Schilddrüsengewebe untersucht und einen ersten Befund (Schnellschnittuntersuchung) an den Chirurgen weiterleitet. Der Chirurg ist dann in der Lage, das nötige Ausmaß der Operation noch genauer festzulegen.
In der Chirurgischen Klinik des Bürgerhospitals in Friedberg werden bei der Schilddrüsenoperation Lupenbrillen und modernste Blutgefäß versiegelnde Ultraschallgeräte eingesetzt, um ein besonders Gewebe schonendes Vorgehen zu garantieren. Darüber hinaus ermöglicht der Einsatz einer speziellen Überwachungseinheit (Neuromonitoring) während des Eingriffs die ständige Kontrolle der Stimmbandnerven und hilft somit Nervenschädigungen zu verhindern.

Nachsorge

Nach der Operation wird der Patient auf der Wachstation betreut. Es erfolgen eine Überwachung des Herz-Kreislauf-Zustandes und der Atmung, eine Kontrolle des Wundverbandes und der eingelegten Wunddrainagen sowie Laboruntersuchungen. Am zweiten Tag nach dem Eingriff werden die Wunddrainagen entfernt. Ab dem dritten Tag nach der Operation ist in den meisten Fällen eine Entlassung des Patienten aus dem Krankenhaus möglich. Vor der Entlassung aus der Klinik erfolgen die Besprechung des endgültigen Befundes der feingeweblichen Untersuchung (Histologie) und die Planung des weiteren Vorgehens. Die anschließende Betreuung übernimmt dann der Hausarzt in Zusammenarbeit mit einem Endokrinologen oder Nuklearmediziner. Diese Ärzte entscheiden auch über die Menge an Schilddrüsenhormonen, die nach einer Operation täglich eingenommen werden muss.

Prävention

Die geologische Entwicklung Europas führte zu einem Ausschwemmen des Jods aus den Böden und zu einem Abtransport über Bäche und Flüsse in die Weltmeere. Deshalb sind einerseits die landwirtschaftlichen Nutzflächen relativ jodarm und andererseits die Meere jodreich. Daraus resultierend weisen die Mehrzahl der Lebensmittel pflanzlicher und tierischer Herkunft nur geringe Jodkonzentrationen auf. Eine wesentliche Bedeutung als Jodlieferanten haben dagegen Meeresfische und andere Meeresprodukte. Darüber hinaus wird in Deutschland, zur Verhinderung von Schilddrüsenhormonmangel und nachfolgender Schilddrüsenvergrößerung, das Speisesalz mit Jod angereichert. Die Jodzufuhr sollte bei Erwachsenen 150 bis 250 Mikrogramm pro Tag betragen. Weitere Jodquellen sind mit jodiertem Salz hergestellte Back- und Fleischwaren, Milch und Milchprodukte sowie einige Mineral- und Heilwässer.