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Divertikelerkrankung des Darmes (Sigmardivertikulitis)

Das Divertikel stellt eine sackartige Ausstülpung der Darmschleimhaut durch Lücken in der Muskelschicht des Darmes dar. Diese Divertikel können im gesamten Magen-Darm-Trakt auftreten, finden sich aber gehäuft im linksseitigen Dickdarmabschnitt, dem so genannten Sigmabereich. Ursache der Darmwandausstülpungen ist vor allem die in der westlichen Welt zunehmend zu beobachtende Tendenz zu Fast-Food und damit zu einer ballaststoff- und faserarmen Ernährung. Mit zunehmendem Alter steigt die Chance, solche Dickdarmdivertikel zu entwickeln, an, so dass im 6. bis 7. Lebensjahrzehnt bei jedem Zweiten derartige Veränderungen bestehen.

Vorbeugungsmaßnahmen
Wurde bei einer Dickdarmspiegelung eine Divertikulose ohne Entzündung der Divertikel festgestellt, so sollte zur Vermeidung der oben dargestellten Komplikationen die Ernährung auf ballaststoffreiche Nahrungsmittel (Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Weizenkleie) umgestellt werden.

Beschwerden
Darmwandausstülpungen (Divertikulose) stellen im eigentlichen Sinn noch keine Erkrankung dar. Medizinisch bedeutsam werden Divertikel erst, wenn sie sich entzünden und damit Bauchschmerzen verursachen. Diese Divertikelentzündung wird dann als Divertikulitis bezeichnet. Ausgehend von einer Entzündung der Divertikel kann es zu Vereiterungen in der Darmwandumgebung oder zu einem Platzen der Divertikel mit der Entwicklung einer Bauchfellentzündung kommen. Sich wiederholende Divertikelentzündungen haben häufig eine zunehmende Verengung des betroffenen Darmabschnittes mit Stuhlgangsschwierigkeiten oder sogar einen Darmverschluss zur Folge. Werden Nachbarorgane in den Krankheitsprozess mit einbezogen, dann resultieren daraus unter Umständen so genannte Fistelungen zur Harnblase oder zum Dünndarm.
Starke konstante oder wellenartige Schmerzen im linken Unterbauch sind für eine Divertikulitis typisch. Begleitend können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall oder Stuhlgangsverstopfung auftreten. Die Untersuchung des Patienten ergibt zusätzlich einen Druckschmerz im linken Unterbauch und unter Umständen eine straffe Bauchdecke, auch Fieber kann vorhanden sein. Der Stuhlgang zeigt manchmal Veränderungen mit Blut- und Schleimauflagerungen, obwohl diese Stuhlgangsveränderungen vor allem für Dickdarmtumoren typisch und deshalb so schnell wie möglich durch eine Dickdarmspiegelung abklärungspflichtig sind. Besteht eine Fistelung zur Harnblase, so klagen die Patienten über häufige Harnwegsinfektionen und beobachten gelegentlich einen Abgang von Luftblasen mit dem Urin beim Wasserlassen.
Häufig verläuft die Divertikulitis in Schüben, so dass die Patienten immer wieder über solche Schmerzepisoden mit mehr oder weniger beschwerdefreien Zwischenräumen von Wochen bis Monaten berichten.

Untersuchungen und Behandlungsplanung
Beim Auftreten der genannten Beschwerden sollte sich der Patient zügig bei einem Arzt vorstellen, der dann die Schwere der Erkrankung einschätzen und über eine weitere ambulante oder stationäre Therapie entscheiden kann. Starke Schmerzen werden immer zu einer stationären Behandlung führen, die mit einer gründlichen Untersuchung des Patienten, einer Laboranalyse von entnommenen Blutproben und mit Ultraschall-, Röntgen- oder computertomographischen Untersuchungen beginnt. Die Ergebnisse dieser Diagnostik bestimmen dann das weitere Vorgehen. Bei einfacher Divertikultis ohne größere Komplikationen werden Antibiotika, schmerzlindernde Medikamente und Infusionen (Tropf) gegeben sowie die Nahrungsaufnahme für eine gewisse Zeit eingeschränkt. Eine Operation muss bei einer Vereiterung im Dickdarmbereich, eine Notoperation bei einem geplatzten Divertikel mit schwerer Bauchfellentzündung durchgeführt werden. Besteht eine andauernde Stuhlgangsverstopfung aufgrund einer schon eingetretenen Darmeinengung, eine Fistelung zum Beispiel zur Harnblase oder treten linksseitige Unterbauchbeschwerden gehäuft auf, so ist nach einer Dickdarmspiegelung (ungefähr sechs Wochen nach dem akuten Schmerzereignis) ebenfalls ein operativer Eingriff notwendig.

Operative Therapie
Die Operation besteht in der Entfernung des betroffenen Dickdarmabschnittes und in einer Wiedervereinigung der Darmenden durch eine Naht oder Spezialklammern. Dieser Eingriff kann mittels Bauchschnitt oder minimal-invasiv (Schlüssellochtechnik) erfolgen. Bei Notoperationen wird meist der Bauchschnitt bevorzugt, ansonsten kommt die Schlüssellochtechnik zur Anwendung. Bei der Schlüssellochtechnik werden lediglich im linken Unterbauch ein größerer Schnitt (ungefähr sieben Zentimeter Länge), außerdem nur drei kleine Bauchschnitte durchgeführt. Diese Schnitte gestatten das Einführen von gasdichten Operationshülsen. Die nächsten Operationsschritte bestehen in einem Abheben der Bauchwand von den Bauchorganen (Schaffen des Arbeitsraumes) mit ungefährlichem Kohlendioxid und in dem Einsetzen von Spezialkamera mit Lichtquelle und speziellen Operationsinstrumenten in die Bauchhöhle. Das weitere Vorgehen entspricht dann dem offenen Operieren.