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Erkrankungen an Magen, Darm und Leber

Die Gastroenterologie als ein großer Teilbereich der Inneren Medizin beschäftigt sich mit den Erkrankungen und Veränderungen unseres Verdauungs- und Stoffwechselsystems. Der Verdauungstrakt ist ein sehr interessanter Teil unseres Körpers, ein schon im normalen Funktionszustand hoch kompliziertes System, das es uns möglich macht, Energie in Form von Nahrung zu uns zu nehmen und den überflüssigen Ballast samt Giftstoffen zu entsorgen.

Was aber, wenn dieses System beeinträchtigt wird, zum Beispiel durch eine Infektion oder Entzündungen von Magen und Darm?

Was, wenn sich Krebsvorstufen auf Schleimhäuten vom Magen und Darm entwickeln, wenn Gallensteine den Gallengang verschließen oder sich die Leber oder die Bauchspeicheldrüse entzünden?

Dank moderner Diagnostik lassen sich heute viele Erkrankungen frühzeitig erkennen und zu einem hohen Prozentsatz behandeln.

Rasante Fortschritte

Konnte man früher nur Vermutungen über Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes von außen anstellen, so war es seit den 1960er Jahren möglich, Bilder aus dem Magen und Darm zu erstellen. Seit der Entwicklung des ersten Endoskops durch den Frankfurter Stadtarzt Bozzini im Jahre 1806 haben die Endoskopie und der Ultraschall Fortschritte gemacht – in den letzten 30 Jahren sogar rasante Fortschritte. War es zunächst nur möglich gewesen, mit Hilfe der Endoskopie Diagnosen zu stellen, so begann man ab Mitte der 1970er Jahre, erste Eingriffe endoskopisch durchzuführen.

Heute gehören

  • die Abtragung von gutartigen Neubildungen (Polypen) in Magen und Darm
  • die Entfernung von Steinen im Gallengang
  • die Überbrückung von Engstellen mit Platzhaltern (Stents)

zum Routineprogramm jeder größeren Endoskopie-Abteilung.

Grenzbereich zwischen Innerer Medizin und Chirurgie

Aber die Entwicklung macht nicht halt. Wir sind in der Lage,

  • durch die Wände von Magen und Darm mit Ultraschall hindurchzuschauen
  • Gewebeproben zu entnehmen oder
  • bei infizierten Höhlen oder Gallestau Ableitungen durch Kurzschlu?sse nach
    innen in den Magen zu schaffen

Immer weiter drängt die Endoskopie in den Grenzbereich zwischen Innerer Medizin und Chirurgie. Einzelne Operationen, die vor einigen Jahren noch Standard waren, werden zunehmend abgelöst durch schonendere endoskopische Verfahren. So können wir heute bei kleinen Veränderungen

  • ganze Stu?cke der Wand des Magens und des Darms entfernen
  • die entstandenen Defekte mit speziellen Klammern von innen endoskopisch verschließen
  • Tumore des Magen und Darms, wenn sie ganz oberflächlich wachsen, endoskopisch entfernen oder in Kooperation mit dem Chirurgen fu?r den Patienten schonend operativ entfernt werden

Und manches von dem, was heute noch experimentell in wenigen Zentren durchgefu?hrt wird, kann morgen schon
Einzug halten in größere Endoskopie-Abteilungen wie die der Gesundheitszentrum Wetterau gGmbH an den
Krankenhäusern in Bad Nauheim und Friedberg.

Mehr als 8.000 Untersuchungen jährlich

Die Endoskopie-Abteilungen des Bürgerhospitals Friedberg und des Hochwaldkrankenhauses Bad Nauheim gehören mit über 8.000 Untersuchungen jährlich zu den großen Einrichtungen des Rhein-Main-Gebietes.

Unter der pflegerischen Leitung von Nicole Metz und der ärztlichen Leitung von Sektionsleiter Dietmar A. Borger arbeitet die Abteilung daran, die hohe Qualität der Routine-Untersuchungen und -Eingriffe stetig weiter zu verbessern, zusätzlich neue Techniken zu etablieren und diese zur Routine werden zu lassen. Dabei muss nicht jeder alles können. Manche speziellen oder selten angewandten Techniken bleiben einzelnen vorbehalten. Wichtig scheint dem Team aus Schwestern und Pflegern, Ärztinnen und Ärzten, dass es eine hervorragende Leistung für die Patientinnen und Patienten erbringt und jede(r) seine/ihre Kompetenzen kennt.

In der Regel werden alle endoskopischen Untersuchungen unter schonender Sedierung durchgeführt. Dabei wurde schon vor Jahren im GZW in vorbildlicher Weise den Vorgaben der Leitlinie Sedierung in der Endoskopie entsprochen. Bei jeder Untersuchung ist heute eine entsprechend ausgebildete Pflegekraft ausschließlich damit beschäftigt, den Patienten während der Untersuchung unter Üerwachung zu sedieren, während eine zweite Pflegekraft die Assistenz der Untersuchung übernimmt.

Unser Leistungsspektrum

Zu unseren endoskopischen und Ultraschall-Leistungen zählen:

  • hochauflösende Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (Spiegelung des oberen Verdauungstraktes)
  • hochauflösende Koloskopie (Spiegelung des Dickdarms und Enddarms)
  • Chromoendoskopie (Spiegelung unter Verwendung von Farbstoffen zur Darstellung von Krebsvorstufen)
  • virtuelle Chromoendoskopie (Spiegelung unter Verwendung spezieller optischer Filtersysteme)
  • ERCP (Darstellung der Gallenwege und des Bauchspeicheldrüsenganges)
  • Cholangioskopie (Spiegelung der Gallenwege)
  • hochauflösende Ösophagus-Manometrie (Druckmessung des Schluckaktes)
  • CEUS (Contrast Enhanced Ultra-Sound – mit Kontrastmittel verstärkter Ultraschall)
  • Endosonographie (Kombination aus Ultraschall und Spiegelung des Magen und Darms) zur:

    • Darstellung von auch kleinsten Steinen im Gallengang
    • Darstellung und Probenentnahme aus Tumoren der Magen und Darmwand, der Bauchspeicheldrüse und anderer Organe

  • Sonographisch (per Ultraschall) gesteuerte Punktion von unklaren Veränderungen des Bauchraums (z.B. vermuteter Tumoren von Leber und Bauchspeicheldrüse)

Im Rahmen der aufgeführten Untersuchungen werden alle gängigen Verfahren der interventionellen Endoskopie und Sonographie durchgeführt, beispielhaft seien hier genannt

  • die Abtragung auch sehr großer Polypen (Mukosektomie)
  • die endoskopische Behandlung von Zenker-Divertikeln
  • die Einbringung von Platzhaltern (Stents) in Speiseröhre, Darm und Gallengänge
  • die Punktion von Zysten und Tumoren
  • die innere Ableitung von Entzündungshöhlen (Abzessen) und gestauter Gallengänge durch die Wand von
    Magen und Darm mittels Endoskopischem Ultraschall

Viele Untersuchungen können ambulant vorgenommen werden. Dazu haben wir spezielle Sprechstunden eingerichtet, die dazu dienen, über die Untersuchung aufzuklären, aber auch bestimmte Risiken im Vorfeld abzuklären. Einige der genannten Untersuchungen sollten jedoch unter stationären Bedingungen erfolgen, um Risiken für die Patienten, insbesondere bei endoskopisch therapeutischen Eingriffen, zu minimieren.

Im Einzelfall beraten wir gerne über die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.