Endometriumkarzinom (Gebärmutterkrebs)

Das Endometriumkarzinom (Uterus- oder Corpuskarzinom) ist eine Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium). Es wird zumeist in einem Frühstadium diagnostiziert und hat in dieser Phase eine sehr gute Heilungschance.


Der Gebärmutterkrebs ist in Deutschland der vierthäufigste Krebs der Frau. Am häufigsten erkranken Frauen jenseits des 70. Lebensjahres – nur etwa jede 7. betroffene Frau ist jünger als 50 Jahre.

 

Man unterscheidet zwei Typen des Gebärmutterkrebses:

 

  • Typ I-Karzinom: Es ist überwiegend östrogenabhängig und weist eine bessere Prognose als die Typ II-Karzinome auf. Es handelt sich um endometroide Adenokarzinome oder seltener um Adenokankroide (Adenokarzinom + Plattenepithelanteile). Zusammen machen sie etwas 80 Prozent aller Endometriumkarzinome aus. Vorstufe: Adenomatöse Hyperplasie.
  • Typ II-Karzinom: Es ist überwiegend östrogenunabhängig und weist eine eher schlechte Prognose auf. Dabei handelt es sich zumeist um serös-papilläre (ca. zehn Prozent) oder klarzellige (ca. sechs Prozent) Karzinome, welche zusammen etwa 16 Prozent aller Endometriumkarzinome ausmachen. Weitere seltenere Formen sind das muzinöse Karzinom oder das verhornende Plattenepithelkarzinom.

 

Wichtig für die Prognose und weiterführende Therapie ist der Differenzierungsgrad der Krebszellen. Der Grad der Entdifferenzierung (Entartung) der Krebszellen wird mit G1 (hochdifferenziert, dem Normalgewebe sehr ähnlich), G2 (mäßig differenziert) und G3 (niedrig differenziert) angegeben. Diese Einteilung ermöglich es, den Tumor in eine weniger gefährliche (G1) bis hin zu einer aggressiven Form (G3) einzustufen. Viele dieser Tumorzellen produzieren auf der Zelloberfläche Östrogen- und Progesteron-Rezeptormoleküle. Je schlechter der Tumor differenziert ist, umso geringer ist der Besatz der Tumorzellen mit diesen Rezeptoren und umso weniger abhängig ist dieser von Östrogen (Progesteron). Diese „Charaktereigenschaften“ der Tumorzellen sind neben der Tumorausdehnung die wesentlichen prognoseentscheidenden Faktoren und damit richtungsweisend für die weitere Therapie.


Endometriumkarzinom (Gebärmutterkrebs): Risikofaktoren

Es gibt eine Reihe von Faktoren, welche die Entstehung von Gebärmutterkrebs fördern können. Die Hauptrisikofaktoren sind Bluthochdruck, ausgeprägtes Übergewicht (Body-Mass-Index höher als 35 kg/m²) und Diabetes mellitus (Blutzuckererkrankung). 

Darüber hinaus gehören eine Langzeiteinnahme von Östrogenen (ohne Gestagenschutz), das Polyzystische-Ovarialsyndrom, eine lange Lebensphase mit Menstruationsblutung, das HNPCC-Syndrom (hereditäre non-polypöse Kolonkarzinom; eine erbliche Darmkrebsform) und hohe Östradiolkonzentrationen (z.B. bei hormonproduzierenden anderen Tumorerkrankungen) zu den Risikofaktoren. Frauen, die nie schwanger waren, die Brustkrebs hatten und/oder Tamoxifen eingenommen haben, werden ebenfalls zu der Gruppe mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Gebärmutterkrebs gezählt. 

Die oben aufgeführten Risikofaktoren müssen nicht zwangsläufig auf Sie zutreffen. Obwohl einige Lebensumstände die Wahrscheinlichkeit von Krebserkrankungen erhöhen können, sind auch Frauen, die gesund leben und sich vorbildlich ernähren, nicht gegen Tumorerkrankungen gefeit. 

Warum nun gerade Sie von dieser Erkrankung betroffen sind, können wir Ihnen leider nicht immer beantworten. Wir möchten Ihnen aber dabei helfen, Ihren Willen zum Gesundwerden zu stärken und sich dieser Herausforderung zu stellen. 


Endometriumkarzinom (Gebärmutterkrebs): Symptome

Bei Frauen nach den Wechseljahren treten nach Jahren ohne Blutung plötzlich wieder (Schmier-)Blutungen auf. Jüngere Frauen bemerken bei sich abnorme Blutungen, welche sich in einer Verlängerung der Menstruation, Dauer-, Zwischen- und/oder Schmierblutungen äußern können. Unterbauchschmerzen sind eher selten und treten oft erst in fortgeschrittenen Tumorstadien auf. 

Manche Karzinome werden bereits vor den ersten Symptomen (Blutungsstörungen) mit Hilfe von vaginalen Ultraschalluntersuchungen als „Zufallsbefund“ diagnostiziert. Dieser stellt sich als (unregelmäßige) Verbreiterung der Gebärmutterschleimhaut dar. Allerdingst ist dieses Untersuchungsverfahren sehr unspezifisch, weshalb eine routinemäßige Ultraschalluntersuchung allgemein nicht empfohlen wird.


Endometriumkarzinom (Gebärmutterkrebs): Diagnostik

Neben der allgemeinen gynäkologischen Untersuchung gehört der Ultraschall über die Scheide zur wichtigsten Vorsorgediagnostik. Findet sich im Ultraschall ein auffälliger Befund und/oder treten Blutungsanomalien (siehe Symptome) auf, so schließt sich in der Regel eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) mit einer Ausschabung der Gebärmutterhöhle (Abrasio) an. Sollte sich im Rahmen der Gebärmutterspiegelung bereits der Verdacht auf eine bösartige Neubildung erhärten, so wird noch während dieser Operation eine Blasen- und Enddarmspiegelung zum Ausschluss eines fortgeschrittenen Karzinoms durchgeführt.

Die endgültige Diagnose stellende Pathologen nach Begutachtung des ausgeschabten Materials. 

Stehen die Diagnose sowie der Differenzierungsgrad des Endometriumkarzinoms fest, erfolgt zunächst ein persönliches Gespräch mit Ihnen durch Ihre Frauenärztin/Ihren Frauenarzt oder durch einen unserer ärztlichen Mitarbeiter. Im Rahmen dieses Gespräches werden mit Ihnen der Befund, die Prognose sowie die sich nun für Sie ergebenden weiteren Schritte besprochen. Zumeist schließt sich zunächst eine weiterführende Diagnostik (Magnetresonanztomographie/MRT, Röntgen der Lunge etc.) an. Diese Untersuchungen dienen zur genaueren Einschätzung der Tumorausdehnung und sind hilfreich zur Planung der weiteren Therapie. 

Die Bestimmung von Tumormarkern hat in der Regel keinen wesentlichen Stellenwert.


Endometriumkarzinom (Gebärmutterkrebs): Therapie

In der Regel können weniger gefährliche, im Frühstadium befindliche und gut hormonabhängige Tumore (Stadium 1a) durch eine Gebärmutterentfernung unter Mitentfernung der Eierstöcke erfolgreich behandelt werden. Die Operation erfolgt in diesen Fällen meist kombiniert per Bauchspiegelung und von der Vagina her, ein Bauchschnitt kann meist vermieden werden. Die etwas weiter fortgeschrittene Form dieses Tumors (ab Stadium 1b) bedarf einer größeren Operation unter Mitentfernung der Lymphknoten und gegebenenfalls einer zusätzlichen Nachtherapie (meist Bestrahlung, selten Chemotherapie).

In unserer interdisziplinären Tumorkonferenz wird für Sie persönlich von einem Expertenteam ein individuelles Behandlungskonzept nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelt. Berücksichtigt werden bei der Therapieplanung jedoch nicht nur die Untersuchungsergebnisse des Tumors, sondern vor allem auch Ihr Allgemeinzustand (allgemeines Befinden), Ihre Lebenssituation und Ihre persönlichen Risikofaktoren (Nebenerkrankungen, Voroperationen u.a.), so dass wir für Sie die bestmöglichen Therapieerfolge erzielen können. Die Entscheidung über die anschließende Therapie treffen wir gemeinsam mit Ihnen in einem persönlichen Gespräch. Dieses findet ambulant durch einen unserer gynäkologischen Mitarbeiter in der gynäkologischen Ambulanz statt.
 
Sollte eine Operation erforderlich sein, erfolgt eine weitere Besprechung der Operationsergebnisse sowie der sich daraus ergebenden Therapieoptionen (Votum der Tumorkonferenz) durch Ihren Stationsarzt/Ihre Stationsärztin noch während Ihres stationären Aufenthaltes. In Einzelfällen kann dieses so genannte Konzeptgespräch auch ambulant im Anschluss an Ihren stationären Aufenthalt durch einen unserer gynäkologischen Mitarbeiter in der gynäkologischen Ambulanz durchgeführt werden.


Endometriumkarzinom (Gebärmutterkrebs): Operation

Die Basistherapie bei nicht zu weit fortgeschrittenen Gebärmutterkrebsformen stellt die Operation dar. Dabei werden stets die Gebärmutter und beide Eierstöcke entnommen. Darüber hinaus entfernt man bei Tumoren mit geringem Differenzierungsgrad (G3) und/oder Einwachsen des Tumors über die Hälfte der Gebärmutterwand hinaus die Lymphknoten entlang der Beckengefäße sowie die Lymphknoten entlang der Bauchschlagader bis zum Abgang der Nierengefäße. Wie weit der Tumor bereits in die Gebärmutterwand eingewachsen ist, lässt sich oft erst während der Operation mit Hilfe der histologischen Untersuchung der Gebärmutter durch unsere Pathologen feststellen („Schnellschnitt“). Hat der Tumor weniger als die Hälfte der Gebärmutterwand durchwachsen, schließen sich keine weiteren operativen Maßnahmen mehr an und die Operation wird beendet.

Zur Durchführung der Operation gibt es zwei Optionen: die laparoskopische Vorgehensweise (Bauchspiegelung, meist in Kombination mit der vaginalen Operationstechnik) oder die Entfernung über einen Unterbauchlängsschnitt.

Bei dem laparoskopisch assistiertem Verfahren werden die Gebärmutter und die Eierstöcke aus ihrem „Halteapparat“ zunächst endoskopisch („Schlüssellochverfahren“) gelöst und anschließend über die Scheide geborgen. Vorteil dieser Methode sind vor allem die kleinen Schnitte, welche in der Regel mit einem geringeren Schmerzmittelbedarf nach der Operation und damit einer insgesamt oft kürzeren Krankenhausliegezeit einhergehen. Allerdings eignet sich dieses Verfahren nicht für alle Patientinnen. Limitierend dafür sind die eigentliche Größe der Gebärmutter, das Tumorstadium (Ausdehnung, Differenzierung) und persönliche Einflussfaktoren der Patientin wie z.B. die Nebendiagnosen oder Voroperationen. 

Sollte aus einem dieser Gründe ein laparoskopisch assistiertes Verfahren als ungeeignet eingestuft werden, so wird die Operation mit einem Unterbauchlängsschnitt vorgenommen. Dieser kann je nach Ausdehnung der Operation unterhalb des Bauchnabels abschließen oder sogar über diesen hinaus erweitert werden.

Patientinnen mit einem gut bis mittelgradig differenzierten (G1- oder G2-)Tumor, welcher weniger als die Hälfte der Gebärmutterwand befallen hat und vollständig entfernt wurde, benötigen keine weitere Therapie. Für sie schließen sich nur noch regelmäßige Nachsorgen bei ihrem Gynäkologen/ihrer Gynäkologin an.


Endometriumkarzinom (Gebärmutterkrebs): Strahlentherapie

Die Strahlentherapie gehört neben der Operation und der Chemotherapie zu den Haupttherapieoptionen bei einer Tumorerkrankung. Sie kann bereits vor einer geplanten Operation zur Tumorverkleinerung (neoadjuvant), nach einer Operation zur Vernichtung mikroskopischer Tumorreste (adjuvant) oder bei nicht heilbaren Tumorleiden zur Symptomlinderung (palliativ) eingesetzt werden. Um die Wirkung der Strahlentherapie noch zu verstärken, ist eine Kombination der Bestrahlung mit einer Chemotherapie möglich. 

Welche Therapieform für Sie zu empfehlen ist, wird im Rahmen der interdisziplinären Tumorkonferenz diskutiert und mit Ihnen während des Konzeptgespräches besprochen. Das endgültige Strahlentherapieverfahren legt jedoch ihr Strahlentherapeut unter Würdigung aller Befunde und Bilddaten mit Ihnen gemeinsam fest.

Die Therapie selbst findet in der Regel ambulant satt. Sie dauert nur wenige Minuten, ist völlig schmerzfrei und wird fünfmal wöchentlich meist über mehrere Wochen durchgeführt. Den genauen Therapieplan sowie eine Aufklärung über die gängigen Nebenwirkungen erhalten Sie im Rahmen eines Aufklärungsgespräches bei den Radioonkologen. Den Termin hierfür vereinbaren wir gerne für Sie in der Strahlenklinik Ihrer Wahl.

Im Zeitraum Ihrer Strahlentherapie ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Flüssigkeitszufuhr (ca. 2 Liter pro Tag) sinnvoll. Irgendwelche besonderen Diäten oder Nahrungsergänzungen sind normalerweise nicht erforderlich. Allgemein gilt: Sie können trotz Strahlentherapie Ihr normales Leben weiterführen, außergewöhnliche Belastungen und Überanstrengungen sollten jedoch vermieden werden. So ist z. B. gegen ein Glas Bier nichts einzuwenden. Von größeren Mengen Alkohol ist allerdings abzuraten. 

Die eigentliche Strahlung wird nicht im Köper gespeichert oder dringt nach der Therapie nach außen. Dies bedeutet, dass die Patientinnen auch im direkten Anschluss an die Therapie gefahrlos Kontakt mit Kleinkindern und Schwangeren haben dürfen.


Wie wirkt die Bestrahlung?

Im Gegensatz zu einer Chemotherapie wirkt die Bestrahlung selbst nur vor Ort. Das bedeutet: Die Nebenwirkungen beschränken sich in der Regel auf das Bestrahlungsfeld und betreffen bei einer Bestrahlung im Bereich der Scheide z. B. nicht die Kopfhaut.

Die Strahlung an sich bewirkt eine Ionisierung von Wassermolekülen in den Zellen. Dadurch entstehen so genannte freie Radikale, welche zu einer Schädigung der DNA von Tumor- aber auch normalen Gewebezellen führen. Glücklicherweise haben die gesunden Zellen, im Gegensatz zu den Krebszellen, Reparatur-Enzyme. Mit deren Hilfe schaffen es die normalen Körperzellen, sich in den Therapiepausen zu erholen und zu regenerieren, während die Krebszellen in ihrem Wachstum zunächst gehemmt werden und später sogar absterben.

Die gesamte  Strahlendosis für eine Therapie beträgt normalerweise zwischen 40 und 70 Gray (Gy). Die Strahlendosis der Einzelsitzungen beträgt zwischen 1,8 und 2 Gy, so dass meist 20 bis 36 Sitzungen notwendig sind.


Adjuvante Strahlentherapie

Für Patientinnen mit einem niedrig differenzierten (G3-)Tumor und/oder einem Tumor, der zwar die Hälfte der Gebärmutterwand durchwachsen hat, aber noch keine Nachbarstrukturen außer den Gebärmutterhals erreicht, schließt sich an die Operation eine adjuvante  Strahlentherapie an. 

Dabei gibt es zwei Behandlungsoptionen, die Brachy- und die Teletherapie. Beide können einzeln oder in Kombination miteinander durchgeführt werden.


Brachytherapie

Bei diesem ambulant durchgeführten Verfahren wird ein so genannter Applikator für die Behandlung in der Scheide nahe dem ehemaligen Tumorgebiet oder – bei noch nicht operierten Patientinnen – sogar im Tumor selbst positioniert. Bei den Applikatoren handelt es sich meist um dünne Schläuche oder Drähte. Die eigentliche Form des Applikators ist variabel und richtet sich nach der zu behandelnden Krebsart sowie deren Eigenschaften. Die korrekte Lage wird mittels bildgebender Verfahren (CT, MRT, Sonographie u.a.) kontrolliert. Erst im Anschluss daran appliziert man die Strahlenquelle (z.B. Iridium)  über den Applikator („Afterloading“). Nach Abschluss der Therapie wird der Applikator wieder vorsichtig aus dem Körper entfernt.

Durch die räumliche Nähe der Strahlenquelle zum (ehemaligen) Tumorgebiet kann sichergestellt werden, dass das gesamte Gebiet die optimale Strahlendosis erhält. Die gleichzeitig kurze Reichweite der Strahlung (Brachytherapie) reduziert außerdem das Risiko einer Schädigung des gesunden umliegenden Gewebes bzw. der gesunden umliegenden Organe auf ein Minimum.


Teletherapie

Bei der Teletherapie erfolgt die Bestrahlung von außen durch die Hautoberfläche. Dabei müssen Strukturen wie Haut, Fett, Bindegewebe, mitunter auch Organe, durchdrungen werden, um das Krebsgewebe zu treffen. Die Wahl der Strahlenarten und die Anordnung der Strahlenfelder werden individuell so angelegt, dass die Strahlen vor allem in das Krebsgewebe dringen und die Belastung für das umliegende (gesunde) Gewebe möglichst gering gehalten wird. 

Diese Form der Bestrahlung wird zumeist in Ergänzung zur Brachytherapie durchgeführt. Gewählt wird die Therapie in der Regel für Patientinnen, bei denen mehr als die Hälfte der Gebärmutterschleimhaut vom Tumor durchwachsen wurde,  Lymphknoten des Beckens vom Tumor bereits befallen waren, Resttumorgewebe nach OP im Körper verblieben ist und/oder solche, bei denen der Gebärmutterhals bereits vom Tumor durchwachsen wurde. Eine alleinige Teletherapie erfolgt eher selten, z. B. bei sehr ausgeprägten Tumorleiden (palliative Behandlung) und/oder einer „Nichtdurchführbarkeit“ der Brachytherapie (etwa bei älteren multimorbide Patientinnen und/oder schwierige anatomischen Gegebenheiten wie z. B. einer stark verengten Scheide).


Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen der Bestrahlung konzentrieren sich im Allgemeinen auf das Bestrahlungsgebiet und die darin liegenden Strukturen. Weiter entfernte Strukturen sind davon nicht betroffen. Durch die Aufteilung der Bestrahlung auf viele Einzelsitzungen werden die Nebenwirkungen zusätzlich deutlich reduziert.

Auftreten können primär Hautrötungen, Schleimhautentzündungen, Durchfälle, Harnwegsinfektionen und Schmerzen beim Wasserlassen. Oft normalisieren sich die Beschwerden nach Abschluss der Strahlentherapie innerhalb von vier bis sechs Wochen.

Längerfristige Nebenwirkungen sind aufgrund optimierter Behandlungsverfahren selten geworden. In Einzelfällen können aber unter anderem eine Verhärtung und Trockenheit der Haut und Schleimhäute sowie Funktionsstörungen des Darms und der Harnblase zeitlebens bestehen bleiben. Näheres über die gängigen Nebenwirkungen erfahren Sie im Rahmen des Aufklärungsgespräches vor Ihrer Therapie bei den Radioonkologen.


Chemotherapie

Chemotherapeutische Medikamente (Zytostatika) sind in der Lage, Tumorzellen abzutöten oder zumindest in ihrem Wachstum zu hemmen. Sie werden meist intravenös (in die Vene) verabreicht und verteilen sich im ganzen Körper. Die Chemotherapeutika (Zytostatika) greifen besonders schnell wachsende oder sich teilende Zellen an – eine Eigenschaft, die besonders auf Krebszellen zutrifft. Allerdings sind davon auch gesunde Körperzellen betroffen, wodurch sich die Nebenwirkungen der Chemotherapie erklären lassen. Glücklicherweise besitzen unsere gesunden Köperzellen, im Gegensatz zu Krebszellen, Reparaturmechanismen, um die durch Zytostatika entstandenen Schäden zu reparieren. 

Wirksame Substanzen sind Antrazyklin- und Platinverbindungen (Adriamycin, Cisplatin, Carboplatin, Paclitaxel, Docetaxel). Sie können als Einzel- oder Kombinationstherapie verwendet werden. Dabei sollte stets die Relation von Nebenwirkungen und Nutzen der Therapie beachtet werden.


Einsatzgebiet

Sind weder eine Operation noch eine Strahlentherapie möglich, so ist eine Chemotherapie bei ausgedehnten Tumorleiden und/oder erneutem Tumorauftreten zu erwägen. Bisher konnte bei Patientinnen mit einem fortgeschrittenen Endometriumkarzinom bezüglich Lebensqualität und Beschwerdeeindämmung kein Vorteil der Chemotherapie gegenüber einer symptomatischen Therapie nachgewiesen werden. Daher ist eine strenge Indikationsstellung für diese Therapie sehr wichtig und muss stets individuell im Rahmen der Tumorkonferenz entschieden werden. Sie bleibt in der Regel als letzte Option Patientinnen vorbehalten, die

  • nicht mehr operiert werden können
  • keine Option der Bestrahlung mehr haben
  • unter der Hormontherapie ein erneutes Wachstums des Tumors aufweisen
  • keine Option der Hormontherapie (Tumoren ohne Östrogen- und Progesteronrezeptoren) haben
  • ausgeprägte tumorbedingte Beschwerden haben
  • eine lebensbedrohliche Tumorausdehnung aufweisen

Um die eigentliche Chemotherapie so einfach wie möglich durchführen zu können, empfiehlt man vielen Patientinnen die Einlage eines so genannten Portsystems. Es handelt sich dabei um ein Kathetersystem bestehend aus einem Schlauch und einer Kammer mit einer Silikonmembran. Der Port wird von unsren Allgemeinchirurgen in einem kleinen ambulanten Eingriff unter örtlicher Betäubung eingelegt. Bei dieser Operation wird der Katheter (Schlauch) unter Röntgenkontrolle im Bereich des rechten Vorhofes platziert und zusammen mit dem Kammersystem unter der Haut fixiert. Über den Port können nahezu alle Infusionen (nicht nur Zytostatika) verabreicht und sogar Blut abgenommen werden. Man sticht hierzu mit einer kleinen Nadel durch die Haut und die Membran des Portes und hat so eine einfache Verbindung zum Blutkreislauslauf. Ein langes Suchen nach Venen zum Blutabnehmen oder zum Legen von Braunülen bleibt Ihnen dadurch in der Regel erspart.


Nebenwirkungen

Im Gegensatz zur Strahlentherapie, die lediglich lokal („vor Ort“) wirkt, betrifft die Chemotherapie den gesamten Körper. Die Chemotherapeutika (Zytostatika) greifen besonders schnell wachsende oder sich teilende Zellen an – eine Eigenschaft, die besonders auf Krebszellen zutrifft. Allerdings sind davon auch gesunde Körperzellen betroffen, wodurch sich die begleitenden Nebenwirkungen der Chemotherapie erklären lassen. 

Knochenmark

Besonders betroffen davon ist das Knochenmark, das für die Bildung unserer Blutzellen verantwortlich ist. Bei diesen Blutzellen handelt es sich um weiße Blutkörperchen (Leukozyten), rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Die Leukozyten sind wichtig für unsere Immunabwehr. Die Erythrozyten transportieren den Sauerstoff in unserem Körper, und die Thrombozyten sind wichtig für unsere Blutgerinnung.

Durch eine Chemotherapie kann die Funktion des Knochenmarks soweit beeinträchtigt werden, dass die Neubildung von Blutzellen vorübergehend gehemmt wird. Dies kann einen Mangel an Blutzellen bewirken, der zwischen dem 10. und 20. Tag nach der Chemotherapie üblicherweise am stärksten ausgeprägt ist. Bei einem starken Abfall der Zahl der weißen Blutkörperchen steigt das Infektionsrisiko. Es lässt sich jedoch durch das Beachten von Vorsichtsmaßnahmen (Verhaltensregeln), die Gabe von Antibiotika und Wachstumsfaktoren minimieren. Sollte die Zahl der Leukozyten jedoch auf unter 1000/µl abfallen, kann zum Senken des Infektionsrisikos eine stationäre Aufnahme mit Isolation und gegebenenfalls intravenöser Antibiotikagabe notwendig werden. Fallen die roten Blutkörperchen weit ab, so macht sich dies zum Bespiel durch eine geringere Belastbarkeit bemerkbar. Sinkt außerdem der Hämoglobinwert der Erythrozyten deutlich ab, wird eine Gabe von Blutkonserven (Erythrozytenkonzentraten) erforderlich. Bei stark verminderter Thrombozytenzahl (selten) kann die Transfusion von Thrombozyten notwendig werden, um ein erhöhtes Blutungsrisiko zu vermeiden.

Haarausfall

Besonders (emotional) belastend für viele Patientinnen ist der unter der Chemotherapie sehr häufig auftretende Haarausfall. Davon betroffen ist vor allem das Kopfhaar, die Wirkung kann sich aber auch in allen anderen Körperregionen zeigen. Bereits vor Beginn der Chemotherapie erhalten die Patientinnen ein Rezept für eine Perücke. Es empfiehlt sich, noch vor der ersten Therapie einen entsprechenden Fachhandel aufzusuchen, um eine authentische Perücke für Sie zu finden. Nach Abschluss der letzten Chemotherapie setzt das Haarwachstum in der Regel sogar etwas verstärkt wieder ein. Leichte Veränderungen der Haarstruktur und der Haarfarbe sind möglich.

Übelkeit

Manche Zytostatika reizen das Brechzentrum im Gehirn und verursachen so eine vermehrte Übelkeit. Diese Nebenwirkung tritt oft nur wenige Tage nach der Chemotherapie auf. Glücklicherweise gibt es zumeist sehr wirksame Medikamente, die diese Beschwerden eindämmen. Sie werden zum Teil schon während der noch laufenden Therapie über die Infusion verabreicht. Zusätzlich erhalten Sie von uns vorbeugende Tabletten für die „kritischen“ Tage nach der Therapie, so dass eine ausgeprägte Übelkeit oft vermieden werden kann und die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme weiterhin möglich ist. Sollten die Tabletten nicht ausreichen, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt in der onkologischen Tagesklinik, damit wir Ihnen mit zusätzlichen Medikamenten weiterhelfen können.

Schleimhäute

Gelegentlich beeinträchtigt die Chemotherapie die Mundschleimhäute. Es kann zu Mundtrockenheit und wunden Stellen kommen. Daher ist während einer Chemotherapie eine sorgfältige Mundhygiene mit weichen Zahnbürsten besonders wichtig. Neben den Mundschleimhäuten können auch die Schleimhäute von Magen und Darm beeinträchtigt sein. Beschwerden können sich in Form von leichtem Magendruckgefühl bis hin zu starken Durchfällen äußern. 

Weitere Nebenwirkungen der Chemotherapie sind Veränderungen des Geruchs- und Geschmacksinnes, die sich nach Abschluss der Therapie schnell normalisieren. 

Nervensystem

Einige Zytostatika greifen neben den Tumorzellen auch das Nervensystem an. Dies kann ein Missempfinden in Händen und Füßen sowie eine Beeinträchtigung der Feinmotorik zur Folge haben. Außerdem kann eine vorübergehende Konzentrationsstörung auftreten. Insgesamt bilden sich diese Schädigungen meist innerhalb der nächsten Wochen und Monate vollständig zurück, allerdings können in Einzelfällen Beeinträchtigungen (z.B. der Feinmotorik) zurückbleiben.

Innere Organe

Seltenere Nebenwirkungen der Chemotherapie betreffen Herz, Lunge, Nieren und Leber, bilden sich aber nahezu immer nach Therapieabschluss zurück. Sollten sich jedoch Nebenwirkungen auf diese Organsystem zeigen, muss je nach Ausprägung der Beschwerden/Symptome gegebenenfalls die Dosis  der Therapie angepasst, das Zytostatikum umgestellt oder die Therapie sogar abgebrochen werden.

Vor jeder Chemotherapie empfehlen wir in der Regel einen Herzultraschall, um vorab Herzerkrankung und fehlende Belastbarkeit des Herzens festzustellen und weitreichendere Nebenwirkungen zu vermeiden.

Wichtig

Sollten Sie bei sich Nebenwirkungen bemerken, insbesondere wenn Sie sich dadurch beeinträchtigt fühlen, wenden Sie sich an uns! Wir stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite und sind bestrebt, Ihnen diesen Weg nach unseren Möglichkeiten zu erleichtern.

Bei Fragen stehen wir Ihnen von Montag bis Freitag jeweils zwischen 8 und 16 Uhr in unserer onkologischen Tagesklinik unter 06032 702-2218 und zu den übrigen Zeiten über unsere Station G1 unter 06032 702-2300 gerne zur Verfügung.


Kombinierte Radio-Chemotherapie

Um die Wirkung der Strahlentherapie zu verstärken, ist eine Kombination der Bestrahlung mit einer Chemotherapie möglich. Diese Behandlungsoption bleibt zumeist weit fortgeschrittenen Tumorleiden vorbehalten und kann unter anderem dazu dienen, Tumore zu verkleinern und/oder ihr Wachstum einzudämmen. Mit Hilfe dieses Verfahrens kann es gelingen, zunächst nicht operierbare Tumore in ein operierbares Stadium zu bekommen und somit die Überlebensrate deutlich zu erhöhen. Sollte der Tumor weiterhin nicht operabel bleiben, so ist durch die Radio-Chemotherapie zumindest oft eine Verminderung der Tumorausdehnung und somit eine Verbesserung der Lebensqualität der Patientinnen möglich.


Hormontherapie

Bei Patientinnen mit einem fortgeschrittenen Endometriumkarzinom, das Östrogen- und Progesteronrezeptoren aufweist, ist eine hormonelle Behandlung mit Gestagenen möglich. Dabei handelt es sich um eine „Tablettentherapie“ mit dem Wirkstoff Medroxyprogesteronacetat oder Megestrolacetat, der normalerweise einmal täglich eingenommen wird. Alternativ ist eine Therapie mittels Tamoxifen (ein selektiver Estrogenrezeptormodulator) möglich. Diese Tablettentherapie kommt vor allem bei Patienten und Patientinnen mit Brustkrebs zum Einsatz, sie hat sich jedoch auch bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Gebärmutterhalskrebs etabliert.

Eine Durchführung dieser Therapie weist bei Patientinnen mit sonst heilbarem Tumorleiden keinen therapeutischen Nutzen auf. Die Hormontherapie kommt bei Patientinnen mit nicht mehr operierbaren Tumoren oder Metastasen zum Einsatz, bei denen eine Strahlentherapie nicht (mehr) möglich ist. Allerdings sollte diese Therapie nur bei Patientinnen ohne tumorspezifische Beschwerden angewendet werden, ansonsten wäre einer palliativen Chemotherapie der Vorzug zu geben.


Therapie bei Frühstadium und Kinderwunsch

Bei Frauen mit dringendem Kinderwunsch und einem gut differenzierten (G1-) Typ-I-Karzinom, das noch nicht über die Hälfte der Gebärmutterwand hinaus gewachsen ist und bei dem es außerdem keinen Hinweis auf Metastasen (Tochtergeschwüre) in den Eierstöcken oder sonstigen Bauchorganen gibt, besteht die Option, die Operation bis zum erfüllten Kinderwunsch zu umgehen. Allerdings muss hierzu vorab eine Bauchspiegelung durchgeführt werden. Möglich ist eine Tablettentherapie mit einer täglichen Gestageneinnahme (Megesterolacetat bzw. Medroxyprogesteronacetat) über mindestens drei Monate unter engmaschigen, zunächst dreimonatlichen Kontrolluntersuchungen (Ultraschall über die Scheide, Gebärmutterspiegelung und Abrasio). Sollte sich der Tumor unter dieser Therapie vollständig zurückgebildet haben, ist schnellstmöglich eine Schwangerschaft anzustreben. Sollte der Therapieerfolgt ausbleiben, so empfiehlt sich das primär tumorangepasste Therapiekonzept.

Das Risiko eines Wiederauftretens bzw. Weiterwachsens des Tumors ist insgesamt unter dieser Therapie sehr groß, weshalb die Frauen vorab darüber aufgeklärt werden und ihnen nach erfülltem Kinderwunsch eine entsprechende chirurgische Therapie nahe gelegt werden muss.