Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs)

Dieser Tumor geht von den Eierstöcken aus und ist neben dem Gebärmutterhals- und dem Gebärmutterkrebs die dritthäufigste bösartige gynäkologische Erkrankung. Das Durchschnittsalter der erkrankten Frauen liegt zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr. Das Erkrankungsrisiko nimmt mit zunehmendem Alter zu, allerdings gibt es auch Tumortypen, von denen insbesondere junge Frauen betroffen sind.

Die Einteilung der Ovarialtumore (WHO-Klassifikation) orientiert sich an den ursprünglichen Zellen des Eierstockes oder anderer Organe, von denen der Tumor ausgeht:

  1. epitheliale Tumore: seröser Tumor, muzinöser Tumor, endometroider Tumor, Klarzelltumor, Brenner-Tumor, gemischte epitheliale Tumore, undifferenzierte Karzinome, unklassifizierbare epitheliale Tumore (80-90 Prozent)
  2. Stromatumore: Granulosazelltumor, Sertoli-Leydig-Zelltumor, unklassifizierbare Tumore (weniger als 3 Prozent)
  3. Lipidzelltumore (weniger als ein Prozent)
  4. Keimzelltumore: Teratome, Dysgerminome, endodermaler Sinustumor, Chorionkarzinom, embryonales Karzinom, gemoschte Formen (weniger als 2 Prozent)
  5. gemischte Keimzell- und Stromatumore: reine Gonadoblastome, gemischte Dysgerminome oder andere Keimzelltumore (weniger als ein Prozent)
  6. bindegewebige nicht ovarialspezifische Tumore (weniger als ein Prozent)
  7. unklassifizierbare Tumore
  8. Tochtergeschwüre (Metastasen) von anderen bösartigen Erkrankungen, vor allem des Magen-Darm-Trakts (10-15 Prozent)
  9. tumorähnliche Veränderungen

Subgruppe Borderline-Tumore

Eine Subgruppe der epithelialen Tumore stellt der Borderline-Tumor dar. Er tritt bevorzugt als seröse und muzinöse Form auf und macht etwa 10-15 Prozent aller Ovarialkarzinome aus. Im Gegensatz zu den anderen Ovarialkarzinomen setzt dieser Tumor keine Tochtergeschwülste (Metastasen) über die Blutbahn in andere Organe ab (nicht invasiv), weshalb er auch als semimaligne bezeichnet wird. Stattdessen wächst er in umliegendes Gewebe ein und kann dieses dadurch sogar zerstören. Außerdem können sich Zellen des Borderline-Tumors auf alle Organe sowie das Bauchfell (peritoneale Implantate) setzen, ohne in diese einzudringen. In seltenen Fällen ist ein Übergang in einen aggressiven (invasiven) Tumor möglich.

Der Borderline-Tumor tritt vor allem bei jüngeren Frauen um das 40. bis 55. Lebensjahr auf und wird im Gegensatz zu anderen Ovarialkarzinomen oft in frühen Tumorstadien erkannt. Dadurch weist er in der Regel eine bessere Prognose (Aussicht auf Heilung) auf als andere Formen des Eierstockkrebses.


Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs): Risikofaktoren

Häufig lässt sich kein wirklicher Risikofaktor detektieren. Allerdings steigt mit zunehmendem Alter das Risiko, an einem Ovarialkarzinom zu erkranken, deutlich an. Einen Einfluss auf die Entstehung dieser bösartigen Erkrankung scheint außerdem die Anzahl der Eisprünge im Leben einer Frau zu haben. So treten bei Frauen mit Zyklusstörungen und damit oft einhergehender primärer Sterilität häufiger Tumore der Eierstöcke auf, als bei Frauen mit vielen Schwangerschaften. Die längerfristige Einnahme der Pille unterdrückt den Eisprung und senkt bei einer längerfristigen Einnahme damit das Erkrankungsrisiko.

 

Eine weitere Ursache für die Entstehung von Eierstockkrebs kann die familiäre Disposition (Neigung) zu dieser Erkrankung sein. Es gibt Familien, in denen besonders häufig bestimmte Tumore auftreten. Ursächlich dafür ist eine Mutation bestimmter Gene. So geht eine Mutation der BRCA-1- oder BRCA-2-Gene mit einem deutlich erhöhten Risiko für Brust- und Eierstockkrebs einher. Patientinnen mit einem so genannten Lynch-Syndrom erkranken in ihrem Leben an Darmkrebs und zusätzlichen Tumoren im Bereich der Eierstöcke, der Gebärmutter, des Magens, des Nierenbeckens, der Leber oder der Gallengänge. Sollten diese Genveränderungen nachgewiesen sein, so haben die Frauen ein um 15 bis 40 Prozent erhöhtes Risiko, an einem Ovarialkarzinom zu erkranken. Sollte die Familienplanung abgeschlossen sein, so wird nach einer ausführlichen Beratung und individueller Risikoabwägung oft eine vorbeugende Entfernung beider Eierstöcke empfohlen. Diese Operation wird primär via Bauchspiegelung (laparoskopisch) durchgeführt. 


Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs): Symptome

Es gibt keine spezifischen Symptome, die schon in frühen Stadien auf einen Ovarialtumor hindeuten. Aus diesem Grund werden 70 Prozent aller Ovarialkarzinome erst in einem fortgeschrittenem Stadium erkannt, wodurch sich die die Prognose (Aussicht auf Heilung) verschlechtert. 

Spätsymptome können Wasseransammlungen (Aszites) im Bauch und im Bereich des Lungenfells (Pleuraerguss) sein. Der Aszites führt im Verlauf zu einer Zunahme des Bauchumfangs und der Pleuraerguss zu einer gewissen Kurzatmigkeit bzw. Luftnot. Bei großen Tumoren oder ausgeprägtem Aszites treten häufig Verdauungsbeschwerden auf. 

Unspezifische Symptome sind Gewichtsabnahme, Leistungsabfall und eine allgemeine Schwäche. Bei hormonproduzierenden Tumoren (zumeist bei Keimstrang- und selten bei epithelialen Tumoren) sind Zyklusstörungen, Sterilität, Blutungsstörungen etc. möglich. 


Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs): Diagnostik

Zunächst findet eine gynäkologische Tastuntersuchung über die Scheide (vaginal), den Bauch (abdominal) und teilweise auch den Enddarm (rektal) statt. Ergänzt wird diese Untersuchung durch einen vaginalen (und gegebenenfalls abdominalen) Ultraschall und durch eine Bestimmung der Tumormarker (u.a. CA 125, CA 19-9, ß-HCG). Die Tumormarker dienen dabei lediglich als richtungsweisender Befund und werden zur Verlaufskontrolle z.B. nach einer Operation eingesetzt. Als spezifischer Indikator für ein Ovarialkarzinom sind sie nicht geeignet, da auch z.B. entzündliche Erkrankungen mit einer Erhöhung des Tumormarkers einhergehen können.

 

Sollte sich der Hinweis auf größere Tumore zeigen, so werden zusätzlich die Darmspiegelung, eine Magnetresonanztomographie (MRT) und/oder die Computertomographie (CT) notwendig. Diese Verfahren dienen der Einschätzung der Tumorausbreitung und ermöglichen eine gute Vorbereitung für die fast immer notwendige Operation. 

 

Die eigentliche Sicherung der Diagnose ist nur durch eine Gewebeprobe möglich. Diese wird bei dringendem Verdacht auf ein Ovarialkarzinom direkt im Rahmen einer Operation gewonnen. Alternativ kann bei Patientinnen mit Aszites (bei fortgeschrittenen Karzinomen) eine Punktion durch die Bauchdecke erfolgen. Die Flüssigkeit, die dabei gewonnen wird, kann Tumorzellen enthalten. Leider finden sich diese Zellen nicht immer im Aszites, so dass wieder eine Operation zur Diagnosesicherung notwendig wird.


Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs): Therapie

Die Standardbehandlung des Ovarialkarzinoms ist nahezu immer eine Operation. Ziel der Operation sind die Diagnosesicherung, das Feststellen der Tumorausdehnung und die vollständige Entfernung von (sichtbarem) Tumorgewebe. Sollte dies nicht komplett möglich sein, so wird versucht, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, denn je kleiner der verbleibende Tumorrest ist, desto besser ist die Prognose (das Langzeitüberleben) der Patientin. 

Nahezu ausnahmslos erfolgt im Anschluss an die Operation eine Chemotherapie zur Vernichtung von mikroskopischen Tumorresten im Körper (adjuvante Therapie). Darüber hinaus kann die Chemotherapie vor einer geplanten größeren Operation zur Tumorverkleinerung (neoadjuvant) oder bei nicht heilbaren Tumorleiden zur Symptomlinderung (palliativ) eingesetzt werden.
 
Ausnahmen bilden das absolute Frühstadium (Tumor nur auf einen Eierstock begrenzt; Stadium Ia) ohne tumorspezifische Risikofaktoren (gute Enddifferenzierung / G1, kein Lymphknotenbefall) und nicht invasive Borderline-Tumore. In diesen Fällen ist eine alleinige Operation zur Heilung der Erkrankung  ausreichend. 


Operation

Die Durchführung der Operation erfolgt über einen längsgerichteten Bauchschnitt (Längslaparotomie) vom Schambein bis zum Bauchnabel und je nach Ausmaß der Operation sogar bis zum unteren Rand des Brustbeins. Die Operation umfasst in der Regel:

  • komplette Austastung des Bauchraumes mit gegebenenfalls Entfernung von Teilen des Bauchfelles
  • Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie), der Eileiter und Eierstöcke (Adnexektomie)
  • Entfernung des großen Netzes, eines am Darm hängenden Lymphorgans (Omentektomie) und der Lymphknoten (Lymphonodektomie) im kleinen Becken und entlang der großen Gefäße (Hauptschlagader, große untere Hohlvene)
  • gegebenenfalls Blinddarmentfernung (Appendektomie) oder sogar Darmteilentfernung
  • gegebenenfalls Anlage eines Portsystems durch die Kollegen der Allgemeinchirurgie


Alle vorab durchgeführten gezielten Untersuchungsmethoden (Ultraschall, MRT, CT, Darmspiegelung etc.) dienen der Einschätzung der Tumorausdehnung, können jedoch die Operation nicht ersetzen. Nur im Rahmen der Operation lassen sich selbst mllimetergroße Tumorabsiedlungen erkennen und gezielt Proben entnehmen. Diese untersucht der Pathologe direkt (Schnellschnitt) und teilt das Ergebnis dem Operateur mit, der daraufhin über das weitere Ausmaß der Operation entscheidet. Sollte sich bereits vor einer Operation der dringende Verdacht auf ein sehr weit fortgeschrittenes Tumorleiden (z.B. Vorhandensein von Aszites) ergeben, kann zunächst eine kleine Operation (Bauchspiegelung) zur Diagnosesicherung und weiteren Einschätzung der Tumorausdehnung erwogen werden.


Individuelles Behandlungskonzept

Im Anschluss an die jeweilige Operation erfolgt die weitere Therapieplanung im Rahmen unserer interdisziplinären Tumorkonferenz. Hierbei wird für Sie persönlich von einem Expertenteam ein individuelles Behandlungskonzept nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelt. Berücksichtigt werden dabei nicht nur das Ausmaß des Tumorleiden, sondern vor allem auch Ihr Allgemeinzustand (allgemeines Befinden), Ihre Lebenssituation und Ihre persönlichen Risikofaktoren (Nebenerkrankungen, Voroperationen u.a.), damit wir für Sie die bestmöglichen Therapieerfolge erzielen können. 

 

Die Entscheidung über die anschließende Therapie treffen wir gemeinsam mit Ihnen im Rahmen eines persönlichen Gespräches (Konzeptgespräch). Dieses findet stationär durch Ihren Stationsarzt/Ihre Stationsärztin einige Tage nach Ihrer Operation oder ambulant im Anschluss an Ihren stationären Aufenthalt durch einen unserer gynäkologischen Mitarbeiter in der gynäkologischen Ambulanz statt.


Chemotherapie

Chemotherapeutische Medikamente (Zytostatika) sind in der Lage, Tumorzellen abzutöten oder zumindest in ihrem Wachstum zu hemmen. Sie werden meist intravenös (in die Vene) verabreicht und verteilen sich im ganzen Körper. Die Chemotherapeutika (Zytostatika) greifen besonders schnell wachsende oder sich teilende Zellen an. Eine Eigenschaft, die besonders auf Krebszellen zutrifft. Allerdings sind davon auch gesunde Körperzellen betroffen, wodurch sich die begleitenden Nebenwirkungen der Chemotherapie erklären lassen. Glücklicherweise besitzen unsere gesunden Körperzellen, im Gegensatz zu Krebszellen, Reparaturmechanismen, um die durch Zytostatika entstandenen Schäden zu reparieren. 


Portsystem

Um die eigentliche Chemotherapie so einfach wie möglich durchführen zu können, empfiehlt man vielen Patientinnen die Einlage eines so genannten Portsystems. Es handelt sich dabei um ein Kathetersystem, bestehend aus einem Schlauch und einer Kammer mit einer Silikonmembran. Der Port wird im Rahmen eines kleinen ambulanten Eingriffes unter örtlicher Betäubung durch unsere Allgemeinchirurgen eingelegt. Bei dieser Operation wird der Katheter (Schlauch) unter Röntgenkontrolle im Bereich des rechten Vorhofes platziert und zusammen mit dem Kammersystem unter der Haut fixiert. Über den Port können nahezu alle Infusionen (nicht nur Zytostatika) verabreicht und sogar Blut abgenommen werden. Man sticht hierzu mit einer kleinen Nadel durch die Haut und die Membran des Portes und hat so eine einfache Verbindung zum Blutkreislauf. Ein langes Suchen nach Venen zum Blutabnehmen oder zum Legen von Braunülen bleibt Ihnen dadurch in der Regel erspart.


Einsatzgebiet

Nach einer Operation verbleiben oftmals im Körper nicht sichtbare bösartige Zellen, die ein erneutes Tumorwachstum (Rezidiv) zur Folge haben können. Um dieses Risiko zu minimieren, hat sich bei nahezu allen Formen des Ovarialkarzinoms die Chemotherapie etabliert. Ausnahmen bilden das absolute Frühstadium (Tumor nur auf einen Eierstock begrenzt; Stadium Ia) ohne tumorspezifische Risikofaktoren (gute Enddifferenzierung/G1, kein Lymphknotenbefall) und nicht invasive Borderlinetumore. In diesen Fällen ist eine alleinige Operation ausreichend.

Der Eierstockkrebs spricht sehr gut auf eine Chemotherapie an, wodurch zusätzlich zur Operation die Heilungschancen erheblich gesteigert werden können.

Wirksame Substanzen sind Cisplatin, Carboplatin, Taxane (z.B. Paclitaxel), Topotecan, nicht pegyliertes liposomales Doxorubicin und Gemcitabin. Außerdem können Etoposid, Bleomycin und Ifosfamid eingesetzt werden. 

Die Chemotherapie beginnt etwa vier bis sechs Wochen nach der Operation. Als Standardbehandlung gilt die Kombination eines platinhaltigen Zytostatikums (z.B. Carboplatin) mit einem Taxan (z.B. Paclitaxel). Der Wirkstoff des Taxans wird aus der pazifischen Eibe gewonnen und stellt ein Spindelgift dar. Die Dosierung wird individuell auf die Körpergröße und das Gewicht der Patientin sowie die Nierenausscheidung abgestimmt. Die Chemotherapie erfolgt in der Regel im Abstand von drei Wochen insgesamt sechs Mal und wird über den Port verabreicht. Eine Therapiesitzung dauert etwa drei Stunden.


Nebenwirkungen

Im Gegensatz zur Strahlentherapie, die lediglich lokal („vor Ort“) wirkt, betrifft die Chemotherapie den gesamten Körper. Die Chemotherapeutika (Zytostatika) greifen besonders schnell wachsende oder sich teilende Zellen an – eine Eigenschaft, die besonders auf Krebszellen zutrifft. Allerdings sind davon auch gesunde Körperzellen betroffen, wodurch sich die begleitenden Nebenwirkungen der Chemotherapie erklären lassen.

Knochenmark

Besonders betroffen davon ist das Knochenmark, das für die Bildung unserer Blutzellen verantwortlich ist. Bei diesen Blutzellen handelt es sich um weiße Blutkörperchen (Leukozyten), rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Die Leukozyten sind wichtig für unsere Immunabwehr. Die Erythrozyten transportieren den Sauerstoff in unserem Körper und die Thrombozyten sind wichtig für unsere Blutgerinnung.

 

Durch eine Chemotherapie kann die Funktion des Knochenmarks soweit beeinträchtigt werden, dass die Neubildung von Blutzellen vorübergehend gehemmt wird und dadurch bedingt ein Mangel an Blutzellen auftritt, der zwischen dem 10.-20. Tag nach der Chemotherapie üblicherweise am stärksten ausgeprägt ist. Bei einem starken Abfall der weißen Blutkörperchen steigt das Infektionsrisiko. Durch Beachten von Vorsichtsmaßnahmen (Verhaltensregeln), Gabe von Antibiotika und Wachstumsfaktoren lässt sich jedoch das Risiko einer Infektion minimieren. Sollte die Zahl der Leukozyten auf unter 1000/µl abfallen, kann zum Senken des Infektionsrisikos eine stationäre Aufnahme mit Isolation und gegebenenfalls intravenöser Antibiotika-Gabe notwendig werden. Fallen die roten Blutkörperchen weit ab, so macht sich dies zum Bespiel durch eine geringere Belastbarkeit bemerkbar. Sinkt außerdem der Hämoglobinwert der Erythrozyten deutlich ab, wird gegebenenfalls eine Gabe von Blutkonserven (Erythrozytenkonzentraten) erforderlich. Bei stark verminderten Thrombozyten (selten) kann die Transfusion von Thrombozyten notwendig werden, um ein erhöhtes Blutungsrisiko zu vermeiden. 

 

Haarausfall

Besonders (emotional) belastend für viele Patientinnen ist der unter der Chemotherapie auftretende Haarausfall. Davon betroffen ist vor allem das Kopfhaar, aber auch an allen anderen Körperregionen kann dies auftreten. Bereits vor Beginn der Chemotherapie erhalten die Patientinnen ein Rezept für eine Perücke. Es empfiehlt sich, noch vor der ersten Therapie einen entsprechenden Fachhandel aufzusuchen, um eine authentische Perücke für Sie zu finden. Nach Abschluss der letzten Chemotherapie setzt das Haarwachstum in der Regel relativ rasch wieder ein. Leichte Veränderungen der Haarstruktur und der Haarfarbe sind möglich.

 

Übelkeit

Durch manche Zytostatika wird das Brechzentrum im Gehirn sehr stark gereizt, wodurch eine vermehrte Übelkeit verursacht werden kann. Diese Nebenwirkung tritt oft nur wenige Tage nach der Chemotherapie auf. Glücklicherweise gibt es zumeist sehr wirksame Medikamente, die diese Beschwerden eindämmen. Sie werden zum Teil schon während der noch laufenden Therapie über die Infusion verabreicht. Zusätzlich erhalten Sie von uns vorbeugende Tabletten für die „kritischen“ Tage nach der Therapie, so dass eine ausgeprägte Übelkeit oft vermieden werden kann und eine Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme weiterhin möglich ist. Sollten die Tabletten nicht ausreichen, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt in der onkologischen Tagesklinik, damit wir Ihnen mit entsprechenden zusätzlichen Medikamenten weiterhelfen können. 

Schleimhäute

Die Chemotherapie beeinträchtigt gelegentlich die Mundschleimhäute. Es kann zu Mundtrockenheit und wunden Stellen kommen. Daher ist während einer Chemotherapie eine sorgfältige Mundhygiene mit weichen Zahnbürsten besonders wichtig. Neben den Mundschleimhäuten können auch die Schleimhäute von Magen und Darm beeinträchtigt sein. Beschwerden können sich in Form von leichtem Magendruckgefühl bis hin zu starken Durchfällen äußern. 

 

Weitere mögliche Nebenwirkungen der Chemotherapie sind Veränderungen des Geruchs- und Geschmacksinnes, die sich nach Abschluss der Therapie schnell normalisieren. 

 

Nervensystem

Einige Zytostatika greifen neben den Tumorzellen auch das Nervensystem an. Dies kann ein Missempfinden in Händen und Füßen sowie eine Beeinträchtigung der Feinmotorik zur Folge haben. Außerdem kann eine vorübergehende Konzentrationsstörung auftreten. Insgesamt bilden sich diese Schädigungen meist innerhalb der nächsten Wochen und Monate vollständig zurück, allerdings ist in Einzelfällen eine permanente Beeinträchtigung (z.B. der Feinmotorik) möglich.

 

Innere Organe

Seltenere Nebenwirkungen der Chemotherapie betreffen das Herz, die Lunge, die Nieren und die Leber und bilden sich nahezu immer nach Therapieabschluss zurück. Sollten sich jedoch Nebenwirkungen auf diese Organsysteme zeigen, muss je nach Ausprägung der Beschwerden/Symptome gegebenenfalls die Dosis der Therapie angepasst, das Zytostatikum umgestellt oder die Therapie sogar abgebrochen werden. 

 

Vor jeder Chemotherapie empfehlen wir einen Herzultraschall, um eine eventuelle Herzerkrankung und fehlende Belastbarkeit des Herzens festzustellen und weitreichendere Nebenwirkungen zu vermeiden.

Wichtig:

Sollten Sie bei sich Nebenwirkungen bemerken, insbesondere wenn Sie sich dadurch beeinträchtigt fühlen, wenden Sie sich an uns. Wir stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite und sind bestrebt, Ihnen diesen Weg nach unseren Möglichkeiten zu erleichtern.

Bei Fragen stehen wir Ihnen Montag-Freitag von 8 bis 16 Uhr in unserer onkologischen Tagesklinik (Tel.: 06032 702-2218) und zu den übrigen Zeiten über unsere Station G1 (Tel.: 06032 702-2300) gerne zur Verfügung.


Antikörpertherapie

Ergänzend zu einer Chemotherapie kann bei fortgeschrittenen Ovarialkarzinomen (Metastasen des Bauchfells befinden sich auch jenseits des Beckens, der Tumor ist größer als zwei Zentimeter, Lymphknoten sind befallen, es liegen Tochtergeschwüre in anderen Organen vor; Stadium IIIB-IV) der Antikörper Bevacizumab eingesetzt werden. Dieser bewirkt eine Hemmung des Tumorwachstums, in dem er die Neubildung von tumorspezifischen Gefäßen unterdrückt. Dadurch wird der Tumor nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. 

 

Nebenwirkungen unter Bevacizumab können unter anderem Bluthochdruck (Hypertonie), Durchfälle (Diarrhoen), Bauchschmerzen, Gefäßverschlüsse (arterielle Thrombembolien), Magen-Darm-Einrisse (Perforationen), Eiweißausscheidungen im Urin (Proteinurie) sowie eine allgemeine Erschöpfung und Müdigkeit sein.


Spezielle Therapieoption: HIPEC

HIPEC bedeutet hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion. Eingesetzt wird dieses Verfahren, wenn es im Verlauf einer Tumorerkrankung zu einer Aussaat von Tochtergeschwülsten in die Bauchhöhle – insbesondere zu einem Befall des Bauchfells (Peritoneum) – gekommen ist. Für Patientinnen mit einem stark fortgeschrittenem Tumorstadium mit Metastasen außerhalb des Bauchraums, einem zu starken Befall lebenswichtiger Organe wie z.B. das Einwachsen in die Bauchschlagader oder stark ausgeprägten Vorerkrankungen des Herzkreislaufsystems mit einem stark abgeschwächten Allgemeinzustand ist dieses Verfahren nicht geeignet. 

Bei der HIPEC wird in Kombination mit der chirurgischen Entfernung der sichtbaren Tumormasse eine Spüllösung mit einem Chemotherapeutikum versehen und bei ca. 42 Grad Celsius für 60 bis 90 Minuten mit Hilfe einer Herz-Lungen-Maschine lokal im Bauchraum verteilt. Man verspricht sich von diesem Verfahren im Vergleich zur bekannten Chemotherapie eine direkte (bessere) Wirkung der Substanz „vor Ort“. Dadurch sollen am Tumor höhere Wirkspiegel erreicht werden und somit eine Dosisreduktion der Chemotherapie möglich sein. Außerdem soll die Temperaturerhöhung das Ansprechen der Zytostatika verstärken. 

Allerdings ist die Operation an sich sehr aufwändig sowie mit langer Dauer und darauf folgender Behandlung auf der Intensivstation verbunden. Da der Nutzen dieses Verfahrens bis dato durch Studien nicht eindeutig belegt wurde und von einem erheblichen Mehraufwand im Vergleich zu den bisherigen Therapieregimen auszugehen ist, bleibt die HIPEC bestimmten Tumorzentren und Einzelanwendungen vorbehalten.