Vaginalkarzinom (Scheidenkrebs)

Bei dieser Erkrankung geht der Tumor von der Scheidenwand (Vagina) aus. Vaginalkarzinome treten insgesamt eher im höheren Alter (über dem 50. Lebensjahr) auf und sind im Vergleich zu anderen gynäkologischen Tumoren sehr selten. Etwa  95 Prozent der Vaginalkarzinome sind Plattenepithelkarzinome und betreffen meist Frauen ab dem 40. Lebensjahr, wesentlich seltener sind  Adenokarzinome, an denen dann eher jüngere Frauen erkranken.

Häufiger als ein direkt von der Scheidenwand ausgehendes Karzinom sind Tochtergeschwüre (Metastasen) von anderen Tumoren. Dabei handelt es sich zumeist um Metastasen von Gebärmutter-, Gebärmutterhals-, Schamlippen-, Eierstock-, Blasen- oder Enddarmtumoren. Auch der schwarze Hautkrebs (Malignes Melanom) kann in der Vagina auftreten.


Vaginalkarzinom (Scheidenkrebs): Risikofaktoren

Die Risikofaktoren entsprechen in etwa denen des Gebärmutterhalskrebses. Das heißt, prädisponierend für die Entstehung dieser Tumoren ist vor allem die Infektion mit den so genannten Humanen Papilloma Viren (HPV), insbesondere vom Typ 16 oder 18. Als Vorstufe des Krebses der Vagina können sie als Flache Kondylome (Condylomata plana) auftreten. Da diese Viren insbesondere bei Geschlechtsverkehr übertragen werden können, gilt ein Sexualverhalten mit häufig wechselnden Partnern ebenfalls als ein Risikofaktor. Das Rauchen scheint außerdem begünstigend für die Entstehung dieser Tumoren zu sein. Bei Diabetikerinnen ist das Erkrankungsrisiko, bedingt durch die Neigung zu chronischen Infektionen im Genitalbereich, erhöht. Patientinnen mit einer chronischen Immunschwäche, z.B. als Folge einer HIV-Infektion, haben außerdem ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Scheidenkarzinoms.

Die oben aufgeführten Risikofaktoren müssen nicht zwangsläufig auf Sie zutreffen. Warum nun gerade Sie von dieser Erkrankung betroffen sind, können wir Ihnen im Einzelfall leider nicht immer beantworten. Aber wir möchten Ihnen dabei helfen, den Willen zum aktiven Gesundwerden zu sammeln und sich dieser großen Herausforderung zu stellen. Welche Möglichkeiten sich für Sie ergeben, werden wir in den folgenden Zeilen darstellen und natürlich auch in einem persönlichen Gespräch (Konzeptgespräch) mit Ihnen erörtern.


Vaginalkarzinom (Scheidenkrebs): Symptome

Die wichtigsten Symptome sind untypischer Ausfluss (z.B. vermehrt, fleischwasserfarben) und irreguläre vaginale Blutungen, die insbesondere als so genannte Kontaktblutung z.B. nach dem Geschlechtsverkehr auftreten können. Auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder bei der Darmentleerung können bestehen, sind aber eher selten und dann oft ein Hinweis für eine größere Ausdehnung des Tumors mit Einwachsen in umliegende Strukturen.


Vaginalkarzinom (Scheidenkrebs): Diagnostik

Im Rahmen der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung lassen sich die Vaginalkarzinome in der Regel gut erkennen. Ergänzend kann eine Kolposkopie (Betrachtung der Scheidenwand mit dem Mikroskop und Betupfen der auffälligen Stelle mit Essigsäure und/oder Blaulösung) durchgeführt werden. Sollte sich ein auffälliges Areal zeigten, so wird in der Regel im Rahmen der Untersuchung ein Abstrich oder eine Probe entnommen und zur weiteren Begutachtung an die Pathologen geschickt. Außerdem führt man bei dem Verdacht auf einen Tumor der Scheide eine Ultraschalluntersuchung über die Scheide durch, um ein übergreifendes Wachstum des Tumors auf umliegende Strukturen (Gebärmutter, Gebärmutterhals, Blase, Darm u.a.) sowie Auffälligkeiten der Gebärmutter sowie des Gebärmutterhalses ausschließen zu können.

Sollte sich der Verdacht auf einen ausgedehnten Tumor ergeben, so werden weiterführende Untersuchungen (Röntgen der Lunge, Ultraschall der Leber, Computertomographie, Magnetresonanztomographie, Enddarm-, Blasen-, Gebärmutterspiegelung etc.) veranlasst.


Vaginalkarzinom (Scheidenkrebs): Therapie

Die Entscheidung über die anschließende Therapie wird in Abhängigkeit von der Tumorausdehnung und -lage sowie Ihrem körperlichen und seelischen Befinden in einem Gespräch mit Ihnen getroffen. Dabei bestehen prinzipiell die Möglichkeiten einer operativen Sanierung und/oder einer Bestrahlung. In Vor- und Frühstadien ist eine operative Entfernung der betroffenen Areale ausreichend. Bei größeren Tumoren wird die gesamte Scheide einschließlich der Lymphknoten in Leiste und Becken operativ entfernt. In fortgeschrittenen Stadien kommt die Bestrahlung, in seltenen Fällen eine Chemotherapie zum Einsatz.

Wichtige therapieentscheidende Faktoren sind neben den individuellen Einflussfaktoren der Patientin die Größe, Ausdehnung und Lage des Tumors. Allgemein werden Karzinome der Scheide im oberen Scheidendrittel wie Karzinome des Gebärmutterhalses behandelt und Karzinome des unteren Scheidendrittels wie Karzinome der Schamlippen. Sollte sich der Krebs in etwa der Mitte der Scheide befinden, so wird nach Möglichkeit zunächst der Tumor samt Lymphknoten aus dem Bereich der Leisten- und Beckenregion entfernt.


Operation

Karzinome der Scheide im oberen Scheidendrittel werden wie Karzinome des Gebärmutterhalses behandelt. Dem zu Folge entfernt man bei noch nicht weit fortgeschrittenen Karzinomen im Rahmen einer größeren Operation die Gebärmutter, den eigentlichen Tumor mit Anteil der Scheidenwand, den Bandhalteapparat der Gebärmutter sowie die Lymphknoten des Beckens (so genannte Operation nach Wertheim-Meigs).

 

Karzinome des unteren Scheidendrittels werde wie Karzinome der Schamlippen behandelt. Das bedeutet, dass bei noch nicht weit fortgeschrittenen Tumoren (etwas eingeschränkt) die Schamlippen, die Lymphknoten der Leistenregion sowie der eigentliche Tumor mit Anteilen der Scheidenwand entfernt werden.

Karzinome in der Mitte der Scheide werden bei noch nicht weit fortgeschrittenen Karzinomen durch eine Entfernung des eigentlichen Tumors mit Anteilen der Scheidenwand sowie einer Entfernung der Lymphknoten aus der Leisten- und Beckenregion behandelt.


Strahlentherapie

Die Strahlentherapie gehört neben der Operation zu den Haupttherapieoptionen bei dieser Tumorerkrankung, da besonders die Plattenepithelkarzinome sehr strahlenempfindlich sind. Dabei kann die Bestrahlung bereits vor einer geplanten Operation zur Tumorverkleinerung (neoadjuvant), nach einer Operation zur Vernichtung mikroskopischer Tumorreste (adjuvant) oder bei nicht heilbaren Tumorleiden zur Symptomlinderung (palliativ) eingesetzt werden. Um die Wirkung der Strahlentherapie noch zu verstärken, ist eine Kombination der Bestrahlung mit einer Chemotherapie möglich.

Welche Therapieform für Sie zu empfehlen ist, wird im Rahmen der interdisziplinären Tumorkonferenz diskutiert und mit Ihnen während des Konzeptgespräches besprochen. Das endgültige Strahlentherapieverfahren legt jedoch Ihr Strahlentherapeut unter Würdigung aller Befunde und Bilddaten mit Ihnen gemeinsam fest.

Die Therapie selbst findet in der Regel ambulant statt. Sie dauert nur wenige Minuten, ist zumeist völlig schmerzfrei und wird einmal wöchentlich meist über mehrere Wochen durchgeführt. Den genauen Therapieplan sowie eine Aufklärung über die gängigen Nebenwirkungen erhalten Sie im Rahmen eines Aufklärungsgespräches bei den Radioonkologen. Den Termin hierfür vereinbaren wir gerne für Sie in der Strahlenklinik Ihrer Wahl.

Im Zeitraum Ihrer Strahlentherapie ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Flüssigkeitszufuhr (ca. 2 Liter pro Tag) sinnvoll. Irgendwelche besonderen Diäten oder Nahrungsergänzungen sind normalerweise nicht erforderlich. Allgemein gilt: Sie können trotz Strahlentherapie Ihr normales Leben weiter führen, lediglich außergewöhnliche Belastungen und Überanstrengungen sollten Sie vermeiden. So ist z.B. gegen ein Glas Wein nichts einzuwenden. Größere Mengen Alkohol sollten Sie jedoch nicht zu sich nehmen.

Die eigentliche Strahlung wird nicht im Köper gespeichert oder dringt nach der Therapie nach außen. Dies bedeutet, dass die Patientinnen auch im direkten Anschluss an die Therapie gefahrlos Kontakt mit Kleinkindern und Schwangeren haben dürfen.


Wir wirkt die Bestrahlung?

Im Gegensatz zu einer Chemotherapie wirkt die Bestrahlung selbst nur vor Ort. Das bedeutet, die Nebenwirkungen beschränken sich in der Regel auf das Bestrahlungsfeld und betreffen bei einer Bestrahlung im Bereich der Scheide z.B. nicht die Kopfhaut.

Die Strahlung an sich bewirkt eine Ionisierung von Wassermolekülen in den Zellen. Dadurch entstehen sogenannte freie Radikale, welche zu einer Schädigung der DNA von Tumor- aber auch normalen Gewebezellen führen. Glücklicherweise haben die gesunden Zellen, im Gegensatz zu den Krebszellen, Reparaturenzyme. Mit deren Hilfe schaffen es die normalen Körperzellen sich in den Therapiepausen zu erholen und zu regenerieren, während die Krebszellen in ihrem Wachstum zunächst gehemmt werden und später sogar absterben.

Die gesamte  Strahlendosis für eine Therapie beträgt normalerweise zwischen 50-60 Gray (Gy). Sie werden in der Regel auf 5-6 Fraktion mit einem Intervall von ca. 7 Tagen verteilt.


Optionen der Strahlentherapie


Brachytherapie


Teletherapie