Tumorzellen über den Blutweg gezielt zerstören

Neue Entwicklungen machen die Radiologie und speziell die Angiographie zu einem immer wichtigeren Partner in der Therapie bestimmter Krebserkrankungen. So lassen sich mit Hilfe der katheterbasierten Verfahren TACE (transarterielle Chemoembolisation) und SIRT (selektive interne Radiotherapie) über den Blutweg gezielt Tumorzellen in der Leber zerstören, die operativ nicht zu entfernen sind oder bei denen eine Chemotherapie nicht anschlägt.

Bei der TACE werden die Blutgefäße als Zugang genutzt. Ein winziger Katheter folgt dem Verlauf der Adern bis an den Tumor heran. Über den Katheter spritzt der Radiologe kleinste Kunststoffkügelchen, die mit dem Blutstrom in das bösartige Gewächs eingeschwemmt werden. Sie schnüren den Tumor von der Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr ab, während zusätzlich auf die Plastikkügelchen aufgebrachte, die Tumorzellen schädigende Medikamente im Tumor an die Umgebung abgegeben werden. Der gesamte Vorgang wird unter Durchleuchtungskontrolle beobachtet.

Bei der SIRT werden die Plastikkügelchen mit einem radioaktiven Element beladen, das eine wirksame Bestrahlung mit sehr kurzer Reichweite abgibt. So ist sichergestellt, dass nach gezielter Einbringung in Tumorgewebe das umgebende gesunde Organ nicht geschädigt wird. Durchgeführt wird die SIRT interdisziplinär von Radiologen, Nuklearmedizinern und Medizinphysikern in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Gießen-Marburg am Standort Gießen, wo Chefarzt Dr. Breithecker den radiologischen Part selbst übernimmt.

Tumorbekämpfung durch Hitze

Neu hinzugekommen ist 2016 ein weiteres bildgesteuertes Verfahren, die Mikrowellenablation (MWA). Im Untersuchungsraum der Computertomographie (CT) des Hochwaldkrankenhauses wird die bildgesteuerte MWA von Tumorabsiedlungen der Leber durchgeführt.

In örtlicher Betäubung und mit zusätzlicher Schmerzblockade durch einen Anästhesisten navigiert der Radiologe unter Bildkontrolle mittels Schichtröntgen (CT) eine Sonde in den Tumor. Unterschiedliche Techniken wie Radiofrequenz, Laser oder aber Mikrowellen führen zu einer Erhitzung des Gewebes. Im Falle der Mikrowellenablation (MWA) wird die Sonde an einen Generator angeschlossen, der die Mikrowellen erzeugt. Es kommt zu einer Hitzeentwicklung an der Sondenspitze, die das Tumorgewebe verödet. Der Behandlungserfolg wird im Verlauf durch CT, MRT oder Ultraschall kontrolliert.

Tumorgefäße werden verschlossen

Die moderne Angiographie-Anlage des GZW im Hochwaldkrankenhaus ermöglicht auch minimal-invasive Tumortherapien wie das Verschließen von Tumorgefäßen. Dabei erlaubt die Flachdetektortechnologie eine sofortige Therapiekontrolle durch CT-ähnliche Schnittbilder und dreidimensionale Animationen.