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Wann muss operiert werden?

Freuten sich über den interessanten Vortrag (von links): Referent Dr. med. Ingolf Askevold, Organisator Dr. med. Lutz Ehnert und Stadtrat Gerhard Immel-Voigt.
Münzenberg (HR). Bauchschmerzen und deren mögliche Ursachen sowie die Notwendigkeit einer operativen Behandlung waren das Thema des jüngsten Vortrags in der Reihe „Gesund in Münzenberg“. In den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellte Referent Dr. med. Ingolf Askevold, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim, unter anderem die Darstellung der Warnzeichen für einen akuten Handlungsbedarf.
Zunächst beschäftigte sich Dr. Askevold mit der Definition von Schmerzen. Dies sind komplexe Sinnes- und Gefühlsempfindungen, die durch Gewebeschädigungen ausgelöst werden und beispielsweise akut, chronisch, neuropathisch oder gemischt sein. Schmerzen dienten als direktes Alarmsignal des Körpers und unterstützten die Heilung, indem sie die Entlastung der betroffenen Körperregion bewirkten. Schmerz führe nicht nur zu körperlichem Rückzug, sondern signalisiere auch Hilfebedarf. „Schmerz ist deshalb empfundener Statusbericht und Kommunikationsmittel zugleich“, so Dr. Askevold.
Als ernstzunehmende Warnzeichen nannte er plötzlich einsetzende starke Schmerzen, Fieber, einen harten und druckempfindlichen Bauch sowie Kreislaufprobleme. Ein akutes Abdomen (akuter Bauchschmerz, brettharter Bauch, Verschlechterung des Allgemeinzustands) weise auf akuten Handlungsbedarf hin.
Zu den häufigsten Ursachen für Bauchschmerzen, die eine Operation erfordern können, gehören nach Angaben des Referenten mit einem Anteil von 54 Prozent die Blinddarmentzündung, Entzündungen der Gallenblase machen 14 Prozent aus, Darmverschlüsse elf Prozent. Seltener müssen Divertikulitis, Durchbrüche von Magen oder Darm sowie Gefäßerkrankungen wie Ischämie operativ therapiert werden.
Um eher harmlose Ursachen für Bauchschmerzen (wie z.B. Blähungen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten) auszuschließen und eine ernst zu nehmende Ursache zu identifizieren, ist zunächst eine körperliche Untersuchung nötig. Bei der Blinddarmentzündung etwa sitzt der Schmerz anfangs im Oberbauch und wandert dann in den rechten Unterbauch; charakteristisch ist hier der so genannte „Loslassschmerz“ (der Druck auf den Bauch verursacht erst beim Loslassen starke Schmerzen). Eine Gallenblasenentzündung wird meist durch Gallensteine ausgelöst und manifestiert sich durch rechtsseitige Oberbauchschmerzen in Verbindung mit Fieber.
Eine vergleichsweise häufige Erkrankung im Bauchraum ist die Divertikulose: Im Darm entstehen Ausstülpungen, in denen sich Teile des Speisebreis festsetzen können, Gelangen diese Reste durch konservative Therapie (leichte Kost, Schonung, Antibiose) nicht von alleine wieder aus den Ausstülpungen heraus, können sich Entzündungen und Abszesse bilden mit der potenziell lebensbedrohlichen Folge eines Darmdurchbruchs. Immer operiert werden muss ein Darmverschluss.
Wie bei den weitaus meisten Bauchoperationen, erfolgen auch in diesen Fällen die Eingriffe in der Regel minimal-invasiv, wie Dr. Askevold erläuterte. Diese Methode mit der wesentlich geringeren Schnittgröße schone sämtliche Gewebeschichten und verringere die Genesungsdauer erheblich.
Eine der zentralen Fragen des medizinischen Alltags: „Wann muss ich mit Bauchschmerzen zum Arzt?“ beantwortete der Referent am Ende eines Vortrags kurz und präzise: „Wenn starke Schmerzen schnell einsetzen, mit Fieber und/oder Erbrechen und/oder Blut im Stuhl verbunden sind, muss man schnell zum Arzt oder ins Krankenhaus.“
Über das Thema „Osteoporose“ informiert Prof. Dr. med. Uwe Lange im nächsten Vortrag der Reihe „Gesund in Münzenberg“ am Mittwoch, 22. Oktober 2025, um 18 Uhr im Historischen Rathaus Münzenberg (Am Marktplatz 1). Der Eintritt ist wie immer kostenlos. Um eine Anmeldung über das MVZ Münzenberg (Tel.: 06004 505) wird gebeten, da die Zahl der Plätze begrenzt ist.
