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Das Risiko deutlich senken

Erfreut über einen gelungenen Vortrag (von links): Organisator Dr. Lutz Ehnert, Bürgermeisterin Dr. Isabell Tammer und Referent Dietmar Borger.
Münzenbeg (HR). Jährlich erkranken allein in der Bundesrepublik 55.000 Menschen an einem kolorektalen Karzinom. Dickdarm- oder Enddarmkrebs ist damit bei Frauen die zweithäufigste (nach Brustkrebs) und bei Männern die dritthäufigste Tumorerkrankung (nach Prostata- und Bronchialkarzinom), und 23.000 Menschen pro Jahr sterben in Deutschland an dieser Erkrankung. Über die Bedeutung der Darmspiegelung als Vorsorgemaßnahme referierte Dietmar Borger, Sektionsleiter Gastroenterologie im Gesundheitszentrum Wetterau, in der Reihe „Gesund in Münzenberg“.
Die Entwicklung von Darmkrebs ist altersabhängig. Ein 35-jähriger Mann hat, wie Borger erläuterte, statistisch ein Risiko von 0,1 Prozent, in den folgenden zehn Jahren ein kolorektales Karzinom zu entwickeln, bei einem 75-jährigen Mann sind es im gleichen Zeitraum schon 3,4 Prozent. Neben dem Alter sind Risikofaktoren für die Entstehung von Darmkrebs Rauchen und Alkoholkonsum, Übergewicht, Bewegungsmangel, ballaststoffarme Kost und der Verzehr roten Fleisches und verarbeiteter Fleischprodukte.
Manche dieser Risiken lassen sich nachweislich beeinflussen. So reicht schon eine moderate körperliche Aktivität von 30 bis 60 Minuten täglich, um das Erkrankungsrisiko um bis zu 27 Prozent gegenüber der Normalbevölkerung zu senken. Wer aufhört zu rauchen, senkt sein Erkrankungsrisiko kontinuierlich und landet nach 25 Jahren auf dem Level der Normalbevölkerung.
Nicht beeinflussbar ist dagegen das auf familiärer Belastung basierende Erkrankungsrisiko. Es liegt vor, wenn nahe Verwandte vor dem 50. Lebensjahr an Darmkrebs oder mehr als zwei Mitglieder der Familie an Krebs erkrankt sind. Betroffenen werden Vorsorgeuntersuchungen wie die Darmspiegelung deshalb schon in relativ jungen Jahren und in bestimmten Rhythmen empfohlen.
Vor der Einführung der Vorsorgekoloskopie im Jahr 2000 wurde mit Tests auf verstecktes Blut im Stuhl nach Indikatoren für Darmkrebs gesucht. Im Vergleich zu diesen Tests sei der erfolgreiche Nachweis für das Vorliegen von Polypen (einer potenziellen Krebsvorstufe) oder Darmkrebs mittels Darmspiegelung wesentlich höher. „Ein erfahrener Endoskopiker sichert in Kombination mit der pathohistologischen Beurteilung die Diagnose eines bestehenden Darmkrebses in bis zu 100 Prozent, größere Polypen werden zu über 90 Prozent detektiert“, erklärte Borger. Dementsprechend habe zwischen 2000 und 2016 die Darmkrebs-Neuerkrankungsrate bei Männern um 22,4 und bei Frauen um 25,5 Prozent, die Sterblichkeit bei Männern um 35,8 und bei Frauen um 40,5 Prozent abgenommen.
Neuere Studien in mehreren europäischen Ländern wiesen nach, dass eine qualitativ hochwertige Koloskopie für einen Zeitraum von 17,4 Jahren die Neuerkrankungsrate an kolorektalen Karzinomen sowie die Sterblichkeit deutlich senke, betonte der Referent. Als Qualitätsmerkmale für eine hochwertige Koloskopie nannte er unter anderem eine ausreichende Vorbereitung des Darms, das Erreichen des Blinddarms in mehr als 95 Prozent der Untersuchungen, eine angemessen ausführliche Inspektion des Darms sowie eine ausreichende Expertise des Untersuchers (mehr als 300 Koloskopien jährlich).
Im zweiten Teil des Vortrags stellte Dietmar Borger in Wort und Bild die Anatomie des Darms vor, erläuterte die unterschiedlichen Polypenarten sowie die diversen Möglichkeiten ihrer Entfernung während der Untersuchung. Sein abschließender Appell: „Lassen Sie es erst gar nicht so weit kommen, bleiben Sie körperlich aktiv, ernähren Sie sich gesund, trinken Sie Alkohol nur in Maßen, rauchen Sie nicht und nutzen Sie ab dem 50. Lebensjahr die Möglichkeit der Vorsorgekoloskopie!“
Mit einem Vortrag zum Thema „Palliativ-Dienst und SAPV“ wird am Mittwoch, 21. Januar 2026, 18 Uhr, im Historischen Rathaus die Reihe „Gesund in Münzenberg“ fortgesetzt. Um Anmeldung im MVZ Münzenberg (Tel.: 06004/505) wird gebeten.
