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Impfen lassen und nicht rauchen

Die Diagnostik von in der Vorsorgeuntersuchung auffälligen Lungenherden wird durch digitale Navigationsverfahren wie der virtuellen Bronchoskopie optimiert.
Friedberg (HR). Keine Luft mehr zu bekommen ist eine beängstigendste Situation, Atemnot eine gefürchtete Begleiterscheinung vieler Erkrankungen. Wie elegant die Struktur der Lunge mit ihren feinsten Verästelungen ist, wie sie funktioniert, wodurch Atemnot entstehen kann und wie sich Lungenerkrankungen vermeiden ließen, erörterte Prof. Dr. med. Robert Voswinckel in seinem Vortrag „Wenn die Luft wegbleibt…“ in der ein weiteres Mal bis auf den letzten Platz besetzten „Sonntagsvorlesung am GZW“.
An den Beginn seiner Ausführungen stellte Prof. Voswinckel, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Bürgerhospital Friedberg und Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim, eine Erläuterung der Anatomie und Funktionsweise der Lunge und wartete dabei mit beeindruckenden Fakten auf. So beträgt die Gesamtoberfläche der Lunge, würde man denn ihre sämtlichen Verästelungen aufgeschnitten nebeneinanderlegen, 120 Quadratmeter, das entspricht der Größe eines Tennisplatzes.
Die aus zwei Flügeln bestehende Lunge liegt im Brustkorb beidseits des Herzens. Sie dient dem Gasaustausch, bei dem Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft ins Blut aufgenommen und Kohlendioxid aus dem Blut an die Ausatemluft abgegeben wird. Anatomisch besteht die Lunge aus Lappen (rechts drei, links zwei) und ist aus einem fein verzweigten System von Bronchien und Bronchiolen aufgebaut, das in Millionen von winzigen Alveolen (Lungenbläschen) endet. Diese sind von Kapillaren umgeben und ermöglichen den eigentlichen Gasaustausch. Die Lunge ist von der Pleura (Lungenfell) umhüllt, die ein reibungsarmes Gleiten im Brustkorb erlaubt.
Atemnot kann entstehen, wenn die Funktion der Lunge oder des Herzens oder aber der Gasaustausch in den nur ein zehntel Millimeter kleinen Lungenbläschen eingeschränkt ist. In seinem Überblick über Ursachen der Atemnot nannte Prof. Voswinckel als bei weitem häufigste Lungenerkrankung die Bronchitis. Er empfahl Menschen über 60 oder mit Vorerkrankungen zur Vorsorge regelmäßige Impfungen gegen Grippe und Corona, über 75-Jährigen auch diejenige gegen RSV. Im Erkrankungsfall hülfen vor allem Ruhe und ausreichend trinken.
„Impfungen schützen nicht vor der Infektion, aber vor einem schweren Verlauf“, betonte Prof. Voswinckel. Dies gelte auch im Fall einer Lungenentzündung. Sie entstehe, wenn Flüssigkeit aus dem Blut in die Lungenbläschen eintrete, und nehme ohne Pneumokokken-Impfung nicht selten einen schweren Verlauf. Entsteht (z,B. durch mechanische Einwirkung) ein auch nur kleines Loch in der Lunge, entweicht die Luft, der betroffene Lungenflügel fällt in sich zusammen (Pneumothorax). Blutgerinnsel vor allem in den Beinen, etwa als Folge einer Beinvenenthrombose, können eine Lungenembolie auslösen. Asthma brochiale wird häufig durch Allergien, manchmal durch Stress oder Ärger verursacht. Auch bei Lungenfibrose oder einem Pleuraerguss entsteht Atemnot, ebenso bei den vor allem durch auch Rauchen bedingten Erkrankungen Lungenkrebs sowie COPD (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung), bei der das Lungenfeingewebe irreversibel geschädigt wird. „Rauchen Sie nicht!“, lautete hier Prof. Voswinckels knappe Vorsorge-Empfehlung.
Wegen des eng miteinander verflochtenen Herz-Lungen-Systems können auch Herzerkrankungen wie Herzinfarkt oder Herzschwäche Atemnot verursachen. Weitere mögliche Ursachen sind etwa Blutarmut, starkes Übergewicht, Schilddrüsenüberfunktion oder Nebenwirkungen von Medikamenten. „Atemnot muss immer medizinisch abgeklärt werden, eventuell in mehreren aufeinander folgenden Schritten“, erläuterte Prof. Voswinckel.
Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Interessierte im jüngst erschienenen GZW-Journal „Pneumologie“. Es lag im Dezember den Tageszeitungen bei, liegt in den GZW-Krankenhäusern aus, kann aber auch jederzeit auf der GZW-Homepage (https://www.gesundheitszentrum-wetterau.de/ueber-uns/gzw-journal) als PDF-Datei heruntergeladen werden. Darin wird detailliert auch die Beteiligung des GZW am Lungenkrebs-Screening für Raucherinnen und Raucher erläutert, das Mitte 2026 bundesweit eingeführt werden soll.
