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Nicht jede Nahrungsergänzung ist sinnvoll

Sonntagsvorlesung am GZW befasste sich mit dem therapeutischen Wert von Nährstoffen und Vitaminen

Dr. med. Thorsten Fritz, Chefarzt der Abteilung für Schmerztherapie und Palliativmedizin im GZW, informierte über die therapeutische Wirkung von Nährstoffen und Vitaminen.

Friedberg (HR). Chronische Schmerzen betreffen viele Menschen und gehen häufig mit eingeschränkter Lebensqualität, Erschöpfung und funktionellen Einschränkungen einher. Neben medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien rücken zunehmend auch Nährstoffe und Vitamine in den Fokus. Gleichzeitig sind Betroffene mit einer Vielzahl teils widersprüchlicher Empfehlungen konfrontiert.

Großen Zuspruch gab es deshalb für die jüngste „Sonntagsvorlesung am GZW“, in deren Verlauf sich Dr. med. Thorsten Fritz, Chefarzt der Abteilung für Schmerztherapie und Palliativmedizin, dem Thema „Nährstofftherapie bei Schmerzpatienten – sinnvoll, ergänzend, evidenzbasiert“ widmete. Nachdem in den Monaten zuvor immer wieder Interessierte hatten weggeschickt werden müssen, war für die Veranstaltung erstmals eine Anmeldung notwendig. Sämtliche verfügbaren 80 Plätze waren besetzt, zwei Dutzend Namen standen zusätzlich auf der Warteliste, weshalb die Vorlesung noch in diesem Jahr wiederholt werden wird.

In seinem Vortrag räumte Dr. Fritz mit einigen Annahmen auf. So sei ein großes Blutbild keine umfassende Laboruntersuchung und deshalb „nicht immer alles so, wie es scheint“. Zudem sei die Einordnung eines bestimmten Wertes in den gängigen Referenzbereich für die Betrachtung des individuellen Falles nicht immer ausreichend, je nach persönlicher Situation müsse manchmal auch die Gesamtwirkung diverser Werte berücksichtigt werden. Auch sei beispielsweise das Bestimmen von einigen intrazellulären Mineralstoffen im Blutserum häufig „sinnfrei“, weil Mineralstoffe als zellulärer Bestandteil nur im Vollblut wirklich nachgewiesen werden könnten. 

Kritisch, aber allgemeinverständlich und gut strukturiert ordnete Dr. Fritz die Vielzahl an Empfehlungen zu Nahrungsergänzungsmitteln ein. Im Fokus stand dabei eine realistische, wissenschaftlich fundierte Betrachtung, die Chancen, aber auch klare Grenzen der Nährstofftherapie aufzeigte. Behandelt wurden unter anderem antioxidativ und entzündungsmodulierend wirkende Substanzen, energiebezogene Nährstoffe sowie ausgewählte sekundäre Pflanzenstoffe. Anhand aktueller Studien und Übersichtsarbeiten wurde erläutert, wo es belastbare Hinweise auf einen Nutzen gibt – und wo bislang keine ausreichende Evidenz vorliegt.

Mit großem Interesse folgten die Zuhörerinnen und Zuhörer den Ausführungen zum Themenkomplex Vitamine. Unterschieden wurde zwischen fettlöslichen und wasserlöslichen Vitaminen. Zur ersten Gruppe gehören E, D, K, A (Eselsbrücke: EDEKA), deren Dosierung besonders vorsichtig erfolgen sollte, weil sie im Körper gespeichert werden. Alle anderen Vitamine sind wasserlöslich mit dem Vorteil, dass eventuelle Überdosierungen schnell wieder ausgeschieden werden, und dem Nachteil, dass sie im Fall des Mangels dem Körper permanent zugeführt werden müssen.

Für Schmerzpatienten besonders wichtig sind die Vitamine des B-Komplexes, weil sie unter anderem die Leitfähigkeit der Nerven steuern. Auch die Bedeutung der Vitamine E und C, mehrerer Spurenelemente (wie Magnesium, Zink und Calcium), der Omega-3-Fettsäuren sowie von sekundären Pflanzenstoffen (z.B. Flavonoide, Phenolsäuren, Carotinoide, Sulfide) wurde eingehend dargestellt. Erstaunt reagierten einige Anwesende auf die Mitteilung, dass ein Mangel an Vitamin D bei Menschen mittleren und höheren Lebensalters das Risiko erhöht, aufgrund von Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus zu müssen. 

„Nährstoffe sind kein Ersatz für eine strukturierte Schmerztherapie. In ausgewählten Fällen können sie diese jedoch sinnvoll ergänzen – vorausgesetzt, sie werden individuell, evidenzbasiert und ohne überhöhte Erwartungen eingesetzt“, betonte Dr. Fritz. Besonders hervor hob er die Bedeutung einer individuellen ärztlichen Beratung und Diagnostik, da sowohl Mangelzustände als auch unnötige oder hochdosierte Supplementierungen problematisch sein können. Mit auf den Weg gab er den Teilnehmenden die Empfehlung, „essen Sie am besten 30 Sorten Gemüse jede Woche und bevorzugen Sie dunkles Obst und Gemüse vor hellen Sorten“.