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Frauenpower im OP

Vier der sechs Oberarztpositionen in der Viszeralchirurgie des Hochwaldkrankenhaues sind weiblich besetzt

Frauenpower im OP verkörpern die Oberärztinnen (von links) Dr. Annette Franck, Sa-Ra Lie und Dr. Anna Bender. Es fehlt Oberärztin Susanne Köhler, Leiterin der interdisziplinären Aufnahme.

Bad Nauheim (HR). Vor 115 Jahren wurde der erste Weltfrauentag begangen, gedacht als Weckruf im Kampf von Frauen für Gleichberechtigung, Wahlrecht und Emanzipation. Seither ist viel geschehen, doch noch immer stoßen Frauen an karrierehemmende „gläserne Decken“. In der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des GZW in Bad Nauheim und Friedberg ist das anders: Vier der sechs Oberarztpositionen sind weiblich besetzt, womit die Klinik in der traditionell sehr männlich dominierten medizinischen Sparte neue Akzente setzt.

Als Dr. med. Anna Bender mit ihrem Medizinstudium begann, war ihr der Weg in die Chirurgie nicht vorgezeichnet. Ursprünglich hatte sie andere Pläne, schwankte zwischen Interessen für unterschiedliche Fachgebiete. Letztlich wurde es die Viszeralchirurgie, und bis heute hat sie diese Wahl nicht bereut. „Es ist für mich immer wieder eine große Freude, gleich helfen zu können. Man operiert, und dann hat man einen schnellen Behandlungserfolg“, erklärt sie die Faszination ihres Berufs. 

Schön findet sie auch die Bandbreite des Spektrums ihrer Tätigkeit. „Im Notfall muss ich alles machen, das macht die Sache so abwechslungsreich“, sagt sie. Allerdings dreht sich dank des technischen und wissenschaftlichen Fortschritts in der Medizin auch in der Chirurgie das Rad immer schneller, das Detailwissen wächst rasant. Die Folge: Chirurgen spezialisieren sich, ohne dabei das große Ganze aus den Augen zu verlieren. 

Bender wurde so zur Expertin für Schilddrüsen- sowie für Adipositasoperationen und leitet gemeinsam mit Chefarzt Dr. med. Ingolf Askevold das interdisziplinäre Team des Adipositaszentrums Wetterau am Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim. 70 stark übergewichtige Menschen hat das Team im vergangenen Jahr operiert. Wichtig ist ihr dabei: „Man muss ein Händchen für die Patienten haben.“

Für Sa-Ra Lie war nach dem ersten Praktikum eine Tätigkeit in der Chirurgie „komplett ausgeschlossen“. „Das war eine unmögliche Atmosphäre“, erinnert sie sich und erzählt, dass auch sie den „OP-Klassiker“, die im Zorn geworfenen chirurgischen Instrumente, selbst erlebt hat. „Das war eine Stressfolge, klar, denn es ist anstrengend, stundenlang hochkonzentriert am OP-Tisch zu stehen, wo es manchmal auf Millimeter ankommt, und zu wissen, dass ein Fehler gravierende Folgen für den Patienten haben kann“, sagt sie. Und dass Männer damals dazu erzogen worden seien, keine Gefühle zu zeigen, und nicht gelernt hätten, „den Druck rauszulassen“.

Erst anlässlich eines Aufenthaltes in Südkorea, dem Ursprungsland ihrer Familie, erwärmte sich Lie für die Chirurgie, die sie heute nicht mehr missen möchte: „Der Ton hat sich sehr geändert. Natürlich ist eine gewisse Hierarchie notwendig, einer (oder eine) muss das Sagen haben, aber es ist längst nicht mehr so schlechte Stimmung wie früher manchmal.“ Lie führt das nicht zuletzt auf den wachsenden Anteil an Frauen im OP zurück. 

Eine größere Familienfreundlichkeit in der Chirurgie stellt Dr. med. Annette Franck, M.A., fest. Sie hatte erst Germanistik studiert und sich dann für die Medizin ein zweites Mal in den Hörsaal gesetzt. „Da sollte es aber sofort die Chirurgie, und zwar die Viszeralchirurgie sein“, erinnert sie sich. Dass Unterschiede zwischen Männern und Frauen gemacht würden, hat sie nicht erlebt. „Inzwischen traut man auch den Frauen zu, stundenlang am OP-Tisch zu stehen“, sagt sie augenzwinkernd. 

An ihrem Arbeitsplatz im Hochwaldkrankenhaus gefällt ihr neben dem für ein vergleichsweise kleines Krankenhaus breiten Spektrum und dem guten Arbeitsklima auch die Flexibilität mit unterschiedlichen Teilzeitmodellen. Ohnehin ist sie der Auffassung, „dass Mütter in begrenzter Zeit vergleichsweise mehr schaffen, weil sie fokussierter an ihre Aufgabe rangehen“.