Presse
Diabetespatienten werden jünger

Referent Dr. med. Michael Eckhard, Chefarzt der GZW-Diabetes-Klinik Bad Nauheim
Bad Nauheim (HR). „Die Welle der Neuerkrankungen rollt weiter – in Deutschland und weltweit“, leitete Dr. med. Michael Eckhard, seit 16 Jahren Chefarzt der GZW Diabetes-Klinik in Bad Nauheim, seinen im Rahmen der Sonntagsvorlesung am GZW gehaltenen Vortrag über Diabetes-Therapien ein. Das Hauptproblem in Deutschland sei dabei, dass immer mehr Menschen bereits in jüngeren Jahren an Diabetes mellitus Typ-2 erkranken, die Laufzeit der nicht heilbaren Erkrankung deshalb zunehme und damit das Risiko, Folgeerkrankungen des Diabetes zu erleiden.
Die diabetologische Expertise des GZW wurde vor über 16 Jahren durch die Übernahme der GZW Diabetes-Klinik verstärkt. Deren Gründung jährt sich am Mittwoch, 16. September 2026, zum 48. Mal, und dieser Tag fällt zudem auf den 82. Geburtstag ihres Gründers Dr. med. Bernt Kampmann – zwei Daten, die Dr. Eckhard in einer Einleitung zum Vortrag explizit würdigte.
Die von Dr, Eckhard und seinem Team auf- und ausgebaute Diabetologie am GZW fußt heute auf drei Säulen: der stationären Versorgung von Menschen, die wegen der Hauptdiagnose Diabetes ins Krankenhaus kommen, in der GZW Diabetes-Klinik, der stationären Versorgung in allen Krankenhäusern des GZW für Menschen mit der Nebendiagnose Diabetes sowie auf der ambulanten Versorgung in der diabetologischen Schwerpunktpraxis des Diabeteszentrum Mittelhessen (DZM im Facharzt- und Servicezentrum am Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim.
Die Diagnose Diabetes sollte nicht „verbummelt“ werden, warnte Dr. Eckhard. Eine sehr gute Einstellung des Diabetes möglichst früh sei für einen langfristig guten Verlauf mit entscheidend. Zum Zeitpunkt der Erstdiagnose sollte zudem eine sorgfältige Charakterisierung erfolgen: Welcher Typ Diabetes, welche Subgruppe sei liege vor? Einige seltene, aber wichtige Differenzialdiagnosen sollten dabei ausgeschlossen werden. Hinsichtlich der Therapie sollten zu Beginn und dann in jährlichen Intervallen die individuellen Ziele besprochen und von Arzt und Patient gemeinsam festgelegt werden.
Allen, die es sich leisten könnten und leisten wollten, empfahl Dr. Eckhard einmal für 14 Tage einen Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung im Alltag zu tragen. Dies zeige unter anderem den Einfluss von Ernährungs- und Bewegungsverhalten, aber auch von Stress und biete einen wertwollen Lerneffekt..
„Unbedingt“, so Dr. Eckhard, seien in der Behandlung neben der Blutzucker-Einstellung die Zielkriterien für Blutdruck, Blutfette und auch das Gewicht zu adressieren. Letztlich geht es nicht darum, einen Laborwert zu behandeln, sondern dem Betreffenden zu einer möglichst langen Gesunderhaltung von Gefäßen und Organsystemen ebenso wie dem seelischen Wohlbefinden zu verhelfen. Durch gezielte Lebensstilintervention könne im übrigen sogar ein Prä-Diabetes-Stadium wieder verlassen und die Manifestation des Diabetes um einige bis bestenfalls viele Jahre in ein höheres Alter verschoben werden, ermutigte der Mediziner alle diejenigen, die sich mit ihren Werten an der Grenze zur Diagnose eines Diabetes mellitus befinden.
An aktuellen medikamentösen Therapiestrategien stellte Dr. Eckhard die so genannten SGLT2-Inhibitoren verschiedene sogenannte Inkretin-Agonisten vor. Für zwei Wirkstoffe aus der Gruppe der SGLT2-Inhibitoren lägen inzwischen sehr valide Daten vor, dass sie nicht nur die Diabeteseinstellung verbesserten, sondern das Risiko für Erkrankungen an Herz (Herzinfarkt, Herzschwäche), Gefäßen (Schlaganfall) und Nieren senken könnten. Daher seien diese Präparate inzwischen bei Erkrankungen dieser Organe im Einsatz, selbst wenn gar kein Diabetes vorliege.
Mit Blick auf die künftige Entwicklung neuer Therapien stellte der Diabetologe eines klar: Bei allen begrüßenswerten Fortschritten der medikamentösen Therapieoptionen bleibe die Anpassung der Lebensgewohnheiten im Hinblick auf Ernährungs-, Bewegungsverhalten und auch Stress- und Schlafmanagement stets die Basis eines langfristigen Erfolgs.
