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Kleinere Geburtskliniken erhalten
Bad Nauheim (HR). „Kleinere Geburtskliniken müssen erhalten werden, um für möglichst viele Frauen ein wohnortnahes stationäres Angebot zur Entbindung zu erhalten“, betonte Katrin Anders, Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, anlässlich eines Besuchs in der geburtshilflichen Abteilung der Frauenklinik des GZW am Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim. Von Dr. med. Anika Rifi, Leiterin der Geburtshilfe, hatte sie sich zuvor insbesondere das Konzept des hebammengeleiteten Kreißsaals erläutern lassen.
Vor zehn Jahren hatte die Bad Nauheimer Geburtshilfe als erste in Hessen zusätzlich zum herkömmlichen interdisziplinären Kreißsaal die hebammengeleitete Einrichtung eröffnet. Inzwischen bringen dort 70 Frauen jährlich ihr Kind zur Welt, ohne Hilfe von Schmerzmitteln, ganz aus eigner Kraft. „Das Ziel des hebammengeleiteten Kreißsaals ist es, die Intimität einer Hausgeburt mit dem schützenden Rahmen einer Klinik zu verbinden“, erläuterte Dr. Rifi.
Und: „Wir glauben, dass eine Geburt mehr ist als nur ein medizinischer Vorgang. Es ist der Moment, in dem eine Familie geboren wird.“ Inspiriert von den internationalen Standards der Weltgesundheitsorganisation WHO für eine positive Geburtserfahrung, verpflichte sich das Team zu einer Begleitung, die über das Übliche hinausgehe, und zwar im hebammengeleiteten Kreißsaal genauso wie im interdisziplinär betreuten Kreißsaal.
Das Angebot des hebammengeleiteten Kreißsaals wendet sich laut Rifi an gesunde Frauen mit einem unkomplizierten Schwangerschaftsverlauf. Er bietet Frauen die Möglichkeit, sich zwischen der Betreuung nur durch Hebammen oder gemeinsam durch Hebammen und Ärzte zu entscheiden. Der Hebammen-Kreißsaal ergänzt somit das in einem Krankenhaus übliche ärztlich geleitete Versorgungskonzept.
„Hebammen dürfen gesunde Frauen in Schwangerschaft und Geburt eigenständig begleiten. Dem haben wir mit der Einrichtung des hebammengeleiteten Kreißsaals Rechnung getragen“, so Dr. Rifi. Nur bei Besonderheiten sei die ärztliche Begleitung erforderlich. „Beide Konzepte bestehen nebeneinander, ohne in Konkurrenz zueinander zu stehen. Vielmehr stellt der Hebammen-Kreißsaal eine Erweiterung des geburtshilflichen Angebots dar. Hebammen und Ärzte arbeiten eng zusammen, so dass im Falle einer Komplikation während oder nach der Geburt eine Weiterleitung der Schwangeren oder des Kindes jederzeit, ohne zeitliche Verzögerung und ohne Wechsel von Ort oder Bezugsperson, möglich ist“, hob Dr. Rifi als besonderen Vorteil des zweigleisigen Angebots hervor.
Bei beiden Konzepten stehe im Hochwaldkrankenhaus die physiologische Geburt und ihre Unterstützung im Vordergrund. Medizinische Maßnahmen würden immer erst bei entsprechender Indikation ergriffen, so Rifi weiter. Unter dem Strich habe der Hebammen-Kreißsaal zu flacheren Hierarchien geführt. Das Zusammenspiel zwischen den Konzepten funktioniere gut und vor allem ohne Misstrauen, der Hebammen-Kreißsaal werde auf allen Seiten gut akzeptiert. Durch die Wahrung der individuellen Kompetenzen könne tatsächlich im Dialog mit den werdenden Müttern eine jeweils partizipative Entscheidungsfindung praktiziert werden.
Beim Rundgang durch die komfortabel eingerichteten Kreißsäle mit ihren ganz eigenen Farbkonzepten zeigte sich Katrin Anders, selbst Mutter dreier Söhne, sehr angetan von den Räumlichkeiten ebenso wie vom dargestellten Konzept und den strukturierten Abläufen. Für gesunde Schwangere sei die Geburtsklinik im Hochwaldkrankenhaus, die einzige im Wetteraukreis, „eine hervorragende Anlaufstelle“, betonte Anders.
Wer sich die Kreißsäle selbst ansehen möchte, hat dazu am kommenden Sonntag, 27. September 2026, zwischen 14 und 17 Uhr beim Geburtshilfefest mit Tag der offenen Tür Gelegenheit.
Katrin Anders, MdL, und Dr. Anika Rifi, während ihres Rundgang in einem der Kreißsäle.